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Frauenhaus im Vogelsbergkreis
Schutz, Hilfe und die Aussicht auf ein besseres Morgen
Vogelsbergkreis. Auf der einen Seite steht diese erschreckende Zahl – in Deutschland erleben jährlich mehr als 250.000 Menschen häusliche Gewalt -, auf der anderen Seite stehen Menschen, die mit ganz viel Empathie und Hingabe genau diesen Opfern helfen. Und nun auch in einem eigenen Gebäude: Im neuen Frauenhaus im Vogelsbergkreis, das mit dem Besuch der hessischen Sozialministerin Heike Hofmann quasi inoffiziell eingeweiht wird. Sie kommt nicht mit leeren Händen zur Feier, im Gegenteil: Heike Hofmann kann einen Zuwendungsbescheid in Höhe von 140.000 Euro für die Innenausstattung überreichen.
Hinter jeder Zahl in den Kriminalstatistiken „stehen Frauen und Kinder, die über Jahre, auch über Jahrzehnte Gewalt erlebt haben, die kein schönes Leben leben konnten“, mahnt Ministerin Hofmann und fordert: „Wir müssen den Schutz weiter ausbauen.“ Froh ist sie daher, dass die „Schutzlücke im Vogelsbergkreis“ endlich geschlossen werden konnte, die Einrichtung eines Frauenhauses sei nämlich „längst überfällig“ gewesen.
Schutz vor Gewalt – ein Herzensthema der Ministerin, wie sie bekennt, ein Thema der Landesregierung, die die finanziellen Mittel aufgestockt hat, und auch des Bundes, der das Gewalthilfegesetz und somit einen „Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung bei geschlechtsspezifischer und häuslicher Gewalt“ auf den Weg gebracht hat. Die Länder, so Heike Hofmann, müssen dieses Gesetz, das zum 1. Januar 2032 in Kraft tritt, umsetzen, „und wir nehmen das sehr, sehr ernst“. Die Anzahl der Plätze und die Schutzsysteme insgesamt „müssen bestmöglich ausgebaut werden, damit jede Frau und jedes Kind Schutz und Beratung erhält – das ist mein fester Plan und das ist mein fester Wille“, bekennt Ministerin Hofmann. „Es ist ein Kraftakt, den wir machen“, gesteht sie, „deshalb müssen wir in der Gesamtverantwortung bleiben, wir schaffen das nur mit Ihnen.“
„Gut 20 Jahren hatten wir kein Frauenhaus im Vogelsbergkreis, wir haben in dieser Zeit auch von der Solidarität anderer Kreise gelebt“, wirft Erster Kreisbeigeordneter Patrick Krug einen Blick zurück. Als Sozialdezernent ist er froh, dass diese Lücke nun geschlossen und somit die Vorgaben der Istanbul-Konvention – dabei handelt es sich um ein Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt – umgesetzt werden können. „Wir helfen den Frauen, die vor Gewalt und Bedrohung fliehen müssen, mit einem adäquaten Schutzangebot und der nötigen Betreuung in ihrer schwierigen Lebenslage“, unterstreicht der Erste Kreisbeigeordnete.
Auf dem Weg dorthin war schnell klar, fährt Krug fort, „dass wir das als Verwaltung nicht alleine hinbekommen“, deshalb hat man sich auf die Suche nach einem Partner gemacht – und ist mit dem Haus am Kirschberg beziehungsweise dem Trägerverein „Hilfe für das verlassene Kind“ fündig geworden. Krug lobt die schon seit langem bestehende Zusammenarbeit mit dem Haus am Kirschberg in anderen Bereichen, „deshalb war mir von Anfang an klar, dass wir auch dieses Projekt gemeinsam umsetzen können“.
„Ich bin sehr froh, dass wir nun sagen können, hier im Vogelsberg gibt es nicht nur einen Schutzraum, sondern dass wir sagen können: Hier wurde die Möglichkeit für einen Neustart mit der Aussicht auf ein besseres Morgen geschaffen“, unterstreicht Erster Kreisbeigeordneter Krug.
„Jede Frau, die zu uns kommt, hat ihre eigenen Geschichte. Doch eines haben viele gemeinsam: Sie mussten erleben, dass der Ort, der eigentlich Sicherheit bieten sollte - das eigene Zuhause -, zu einem Ort der Angst geworden ist“, weiß Simone Häcker, die Leiterin des Frauenhauses im Vogelsberg. Und wie weiß: „Gewalt gegen Frauen betrifft alle gesellschaftlichen Gruppen. Sie kennt keine Altersgrenzen, keine Bildungsabschlüsse und keine sozialen Schichten.“ Hinzu komme eine hohe Dunkelziffer, viele würden sich aus Scham keine Hilfe suchen, deshalb seien niedrigschwellige Angebote, Präventionsarbeit und ausreichende Schutzplätze erforderlich.
„Jede Frau, die Hilfe sucht, muss die Möglichkeit bekommen, einen sicheren Ort zu finden“, fordert Simone Häcker. Im Vogelsberg ist nun eine solche Möglichkeit geschaffen worden. 20 Plätze für Frauen und Kinder hat das neue Frauenhaus. Es bietet eine Appartement-Wohnform, die Privatsphäre mit gemeinschaftlicher Begegnung verbindet. Die Kombination aus Privatsphäre in Appartments und der gemeinsamen Gestaltung von Lebensräumen fördert laut Simone Häcker „die Selbstbestimmung und erleichtert den Zugang zu wichtigen Unterstützungsdiensten“.
„Die Unterbringung im Frauenhaus bedeutet deutlich mehr, als nur Wohnraum zur Verfügung zu stellen“, macht die Leiterin deutlich und weist auf die vielfältigen Unterstützungsangebote hin – von der ersten telefonischen Beratung bis zur Hilfe bei der Wohnungs- und Arbeitssuche. „Ziel ist es, den Frauen Orientierung und Handlungssicherheit zu geben und sie auf ihrem Weg in ein selbstbestimmtes und gewaltfreies Leben zu begleiten. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auch auf der Unterstützung der Kinder.“

© Vogelsbergkreis/S.Galle-Schäfer
Inoffizielle Einweihung mit Ministerin Heike Hofmann (Neunte von links,
Erstem Kreisbeigeordneten Patrick Krug (Fünfter von links), Vertretern
des Hauses am Kirschberg und des Trägervereins, aus der Politik und dem
Amt für Soziales und Ausländerrecht.
