35 Jahre Partnerschaft

Dr. Mischak: Partnerschaft ist ein starkes
Zeichen gegen gesellschaftliche Spaltung


Vogelsbergkreis. Ein feierlicher Rahmen im Hohhaus-Museum, echte Freu(n)de, aber auch nachdenkliche Worte: Beim gelungenen Festakt zum 35-jährigen Bestehen der Partnerschaften zwischen dem Vogelsbergkreis und dem Landkreis Oberhavel in Brandenburg sowie dem Landkreis Schmalkalden-Meiningen in Thüringen zeigt sich sehr eindrucksvoll, wie eng die Beziehungen der Kreise sind, wie gut sich die Partnerschaft in den dreieinhalb Jahrzehnten entwickelt hat und wie beispielhaft eine solche Verbindung sein kann: „Hier zeigt sich im Kleinen, was wir im Großen brauchen“, betont denn auch Landrat Dr. Jens Mischak in seiner Festrede, sein Kollege Alexander Tönnies (Oberhavel) spricht von einer „Partnerschaft aus dem Bilderbuch“ und Peggy Greiser, die Landrätin aus Schmalkalden-Meiningen, von der „gelebten deutschen Einheit“.

Blick in den Saal mit (von links) Kreistagsvorsitzender Dr. Birgit Richtberg, ihrer Kollegin aus Oberhavel, Birgit Tornow-Wendland, den beiden ehemaligen Landräten Rudolf Marx und Manfred Görig, Staatssekretär Michael Ruhl und MdL Jennifer Gießler.
Blick in den Saal mit (von links) Kreistagsvorsitzender Dr. Birgit Richtberg, ihrer Kollegin aus Oberhavel, Birgit Tornow-Wendland, den beiden ehemaligen Landräten Rudolf Marx und Manfred Görig, Staatssekretär Michael Ruhl und MdL Jennifer Gießler.

Gute Stimmung beim Get Together vor dem Hohhaus-Museum in Lauterbach. Nach und nach treffen die Gäste ein, darunter Erster Kreisbeigeordneter Patrick Krug und die beiden ehemaligen Landräte Manfred Görig und Rudorf Marx. Und natürlich die Vertreter der Partnerkreise: Aus Schmalkalden ist Landrätin Peggy Greiser angereist, aus Oberhavel Amtskollege Alexander Tönnies, der von Holger Mittelstädt, Dezernent für Bildung, Kultur und Sport, und von Kreistagsvorsitzender Birgit Tornow-Wendland begleitet wird.

Landrat Dr. Jens Mischak blickt zurück auf die Anfänge der Partnerschaften – damals auf Arbeitsebene, denn Mitarbeiter aus der Vogelsberger Kreisverwaltung halfen kurz nach der Wiedervereinigung mit, Verwaltungsstrukturen in den neuen Bundesländern aufzubauen. „Das war ein gewaltiger Auftrag, aber auch eine große Chance“, so der Landrat. „Die Einheit war damals nicht ein Datum im Kalender, sie musste erst wachsen.“ Die Partnerschaften schließlich drückten aus, „dass wir zusammenstehen, dass wir eine Einheit schaffen, die nicht von oben verordnet wird. Wir wollten voneinander lernen und ein Stück weit die Zukunft gemeinsam gestalten.“
Die große Chance von damals, sie ist zweifelsohne ergriffen worden: Beim Jubiläum spricht der Landrat nicht nur von einer „Partnerschaft, die von vielen Menschen getragen wurde und wird“, er spricht auch von einer „lebendigen Freundschaft“, die er erleben konnte, für ihn „etwas ganz Wertvolles“. Vielleicht, so überlegt er, „ist eine solche Partnerschaft heute noch viel wichtiger als früher – und zwar als ein starkes Zeichen gegen die gesellschaftliche Spaltung“.

Blick in den Saal mit (von rechts) Landrätin Peggy Greiser (Schmalkalden-Meiningen), Landrat Dr. Jens Mischak mit seiner Ehefrau Sabrina Wiegand-Mischak, Landrat Alexander Tönnies (Oberhavel), Dezernent Holger Mittelstädt, Erster Kreisbeigeordneter Patrick Krug und seiner Ehefrau Tabea Heipel-Krug.
Blick in den Saal mit (von rechts) Landrätin Peggy Greiser (Schmalkalden-Meiningen), Landrat Dr. Jens Mischak mit seiner Ehefrau Sabrina Wiegand-Mischak, Landrat Alexander Tönnies (Oberhavel), Dezernent Holger Mittelstädt, Erster Kreisbeigeordneter Patrick Krug und seiner Ehefrau Tabea Heipel-Krug.

Das stilvolle Ambiente des Rokokosaals bildet dann den passenden Rahmen für den eigentlichen Festakt. Kreistagsvorsitzende Dr. Birgit Richtberg übernimmt die Begrüßung, bezeichnet die drei Partnerkreise als „drei wunderschöne Fleckchen Erde“ in Brandenburg, in Thüringen und in Hessen – einzigartig und doch mit Gemeinsamkeiten. Sie unterstreicht die gegenseitige Sympathie und das Vertrauen, das in 35 Jahren gewachsen ist. Ein Pfund in diesen „schnellen und unsicheren Zeiten, in denen es kompliziert ist, weil wir manchmal nicht handeln können, weil es nicht in unserer Macht steht“. In den Kommunen, so Richtberg, spielt sich die Wirklichkeit ab, dort tut weh, „was oben ausgedacht wird“. Umso wichtiger ist es, Partner zu haben, Perspektiven zu entwickeln. „Wir tun gemeinsam unser Bestes, um Heimat zu schaffen“, sichert Dr. Richtberg zu. Dazu braucht es ein verlässliches Gegenüber wie die Partnerkreise. „Lassen Sie uns diese Partnerschaft feiern aus demokratischer Überzeugung zum Nutzen aller Menschen, die hier leben“, so der Appell der Kreistagsvorsitzenden.

Und sie hat ihre ganz praktischen Seiten: Im Jugendbereich zum Beispiel, da gibt es schon seit 1996 gemeinsame Freizeiten mit Oberhavel, „über Jahrzehnte haben wir über die Jugendförderung Menschen zusammengebracht“, blickt Landrat Dr. Mischak auf eine Erfolgsgeschichte. Bis heute profitieren auch die Verwaltungen von der gut funktionierenden Partnerschaft. „Die Herausforderungen sind groß“, sagt Dr. Mischak und nennt beispielhaft die Digitalisierung und den Fachkräftemangel. „Diese Fragen muss niemand alleine lösen, da kann man sich austauschen und gemeinsam nach Lösungen suchen.“ Der Landrat ist überzeugt: „Dieser offene Austausch kommt den Menschen zugute, die hier leben.“ Die Einheit, so schließt Mischak, „entsteht dort, wo Menschen sich begegnen. Lassen Sie uns unsere Partnerschaft gemeinsam leben!“

Auch Peggy Greiser blickt zurück auf die Anfänge der Partnerschaft: Der Vogelsbergkreis hat den Thüringer Partnerlandkreis maßgeblich unterstützt in einer Zeit, in der viel umgesetzt werden musste. Die Verwaltungsmitarbeiter haben ihr Wissen weitergegeben, haben geholfen, die Strukturen in Schmalkalden aufzubauen. „Das war gelebte deutsche Einheit“, bilanziert die Landrätin mit Blick auf eine Zeit, „in der wir erst lernen mussten, ein gemeinsames Deutschland zu werden“. Sie spannt den Bogen zu heute, zu einer Zeit, in der plötzlich wieder gesagt wird, was uns trennt. Die Menschen leben mit dem Gefühl, dass „die da oben“ sie nicht verstehen. „Diese Spaltung nutzen einige geschickter aus als alle anderen“, mahnt Peggy Greiser und ruft dazu auf, gegenzusteuern, schließlich ist in Gefahr, „was über Jahre gewachsen ist“. Für die Landrätin ist die kommunale Partnerschaft „die einzige Antwort auf den Versuch der Spaltung, wie wir ihn heute erleben“. Und dass aus dienstlichen längst auch persönliche Kontakte geworden sind, darin liegt für sie ein weiterer Wert der Partnerschaft zum Vogelsbergkreis.

Gemeinsam will man daran arbeiten, „dass unsere Kreise Orte sind, in denen Menschen gerne leben“, gemeinsam will man Projekte und Themen voranbringen, so der Ansatz der Landrätin. „Die deutsche Einheit muss immer wieder mit Leben gefüllt werden – wie unsere Partnerschaft“, ist Peggy Greiser überzeugt. Und mit dem Vogelsberg will Schmalkalden-Meiningen „das nächste Kapitel der Geschichte gemeinsam schreiben“.

Gute Stimmung unter Dr. Jens Mischak, Alexander Tönnies und Peggy Greiser.
Gute Stimmung unter Dr. Jens Mischak, Alexander Tönnies und Peggy Greiser.

Schließlich wirft auch Alexander Tönnies, der Landrat aus Oberhavel, den Blick zurück: „Wir haben so viel Unterstützung bekommen vom Vogelsbergkreis in den Anfangszeiten, davon wird heute noch geschwärmt bei uns in der Verwaltung“, erzählt er. Diese Fachleute, die nach Brandenburg kamen, um Verwaltungsabläufe zu erklärten, legten den Grundstein für die Partnerschaft, „die gelebt wird und aus der längst Freundschaften entstanden sind“, sagt Tönnies. Menschen und Vereine aus Hessen und Brandenburg kommen zusammen. „Es ist Leistung der Partnerschaft, dass Menschen über Jahrzehnte verbunden sind“, unterstreicht der Landrat und erinnert an die vielen Begegnungen auf den unterschiedlichsten Ebenen – unter anderem auch an den regelmäßigen Azubi-Austausch zwischen den beiden Verwaltungen. „Ich wünsche mir, dass unsere Partnerschaft so jung und dynamisch bleibt“, sagt Alexander Tönnies, „dass Sie sie in die nächste Generation weitertragen.“ 
Formal ist die Voraussetzung dafür jedenfalls gegeben: Zum Ende des Festaktes werden – ganz wie es sich gehört – die entsprechenden Jubiläumsurkunden unterzeichnet. 

Get together im Hof des Hohhauses in Lauterbach.
Get together im Hof des Hohhauses in Lauterbach.