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Vogelsberger Gesundheitsamt warnt vor Zeckenbissen

12.08.2002 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

Aktuell: Gefahren durch

Zeckenbisse nehmen zu

Vogelsberger Gesundheitsamt warnt –

Besonders bei Kindern die Bissstelle beobachten

VOGELSBERGKREIS ( ). Das Vogelsberger Gesundheitsamt weist auf die Gefahren der durch Zecken übertragenen Borrelliose hin. Verstärkt sind Kinder betroffen. Die Krankheit wird nur über Zecken und nicht von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Es gibt keinen Impfstoff gegen die Krankheit; der Einzelne kann aber einiges tun, um die Erkrankung oder die Folgeerscheinungen zu verhindern, betont Dr. Hildegard Schulte, Leiterin des Kreisgesundheitsamtes.

Da die Krankheit im Frühstadium gut auf Antibiotika anspricht, sollten alle, die von einer Zecke gebissen werden, die Bissstelle beobachten. Kommt es innerhalb der nächsten Wochen zu einer Verfärbung, Rötung oder Hautveränderung (typisch ist eine konzentrische Hautrötung mit zentraler Abblassung= Erythema migrans), muss umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Die Antibiotikabehandlung im Frühstadium kann die Sekundärkomplikationen verhindern, wenn sie in der richtigen Dosierung und Zeitdauer (i.d.R. 21 Tage) durchgeführt wird. Empfohlen wird für Erwachsene Doxycyclin, für Kinder oder Schwangere z.B. Amoxycillin.

Erfolgt keine oder keine ausreichende Behandlung kommt es bei etwa der Hälfte der Betroffenen Wochen oder Monate nach den Lokalreaktionen zu verschiedenen Krankheitsbildern, in Europa hauptsächlich zur Neuroborreliose. Typisch dabei sind vor allem nächtliche ausstrahlende Schmerzen der Wirbelsäule oder der Gelenke. Hirnnervenausfälle – insbesondere des Gesichtsnervs - werden beobachtet. Kinder zeigen in der Regel eine Gesichtslähmung und Zeichen einer Gehirnhautentzündung mit Kopfschmerzen, leichter Nackensteifigkeit, Übelkeit und Krankheitsgefühl. Auch andere Organe wie das Auge oder das Herz können betroffen sein. Diese Krankheitssymptome können auch chronisch werden und dann in dauerhafte Beschwerden vor allem an den Gelenken übergehen. Die Therapie in den fortgeschrittenen Stadien ist schwieriger und muss oft im Krankenhaus erfolgen.

Der Zeckenstich ist nicht schmerzhaft – und wird deshalb auch meist nicht bemerkt -, da im Speichel der Zecke schmerzhemmende Substanzen vorhanden sind. Die Borrelien befinden sich im Darm der Zecke, bei dem Saugakt gelangen sie nur sehr langsam in den Speichel und auf diese Weise dann in den Menschen. Die Übertragungswahrscheinlichkeit steigt nach 24 Stunden deutlich an. Kann man die Zecke innerhalb dieser Zeit entfernen, ist die Gefahr einer Infektion sehr gering.

Zum Schutz vor Zecken empfiehlt sich Kleidung, die möglichst viel Körperoberfläche bedeckt – besonders sollte auf eine Bedeckung der Haut der Unterschenkel geachtet werden. Das Auftragen von Insektenmitteln auf der Haut bietet einen zeitlich begrenzten Schutz. Es empfiehlt sich in jedem Fall, nach entsprechenden Aufenthalten im Freien den Körper nach Zecken abzusuchen (auch Achsel, Leiste, unter der Brust, Kopfhaut bei Kindern). Wenn sich eine Zecke festgebissen hat, sollte sie vorsichtig –zum Beispiel mit einer Zeckenpinzette – entfernt werden. Es ist dabei darauf zu achten, dass der Körper der Zecke nicht gequetscht wird, damit das infektiöse Material nicht in die Wunde gelangt.

Die Borreliose ist weit verbreitet in Deutschland und Europa. Ein Teil des Rotwilds oder der kleinen Nagetiere in Europa sind mit der europäischen Variante des Bakteriums ”Borrelia” infiziert. Hauptsächlich Schildzecken befallen in ihren unterschiedlichen Entwicklungsstadien diese Wirtstiere und nehmen den Erreger durch die Blutmahlzeit auf (ca. 30 – 50 Prozent der Zeckenpopulation ist infiziert). Das hohe Gras oder niedrige Büsche sind die bevorzugten Aufenthaltsgebiete der Zecken. Hauptsächlich in den Monaten Mai bis Juli setzen sich die ein bis zwei Millimeter großen Nymphen in der Regel auf gut erreichbare freie Hautflächen von Mensch oder Tier und beginnen das Blut aufzusaugen. Insbesondere in den Sommermonaten – noch dazu in den Ferienzeiten - halten sich viele Familien und Kinder im Freien, im Wald oder an Flussufern auf; deshalb kommt es in dieser Zeit zu vielen Infektionen. Bei Temperaturen unter 7 Grad Celsius sind die Zecken nicht aktiv.