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Emmermann besichtigte Jugendheim

01.07.2002 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern

sind auch Überlebensmechanismen

Gleichstellungsbeauftragte besuchte Jugendheim in Feldatal -

Beeindruckt von „Wohlfühlatmosphäre“ der Einrichtung

VOGELSBERGKREIS ( ). „Kinder sind nicht im Heim, weil sie schlecht sind, sondern weil Eltern nicht in der Lage waren, adäquat auf ihre Bedürfnisse und Probleme einzugehen.“ Mit diesem Satz brachte Silvia Kuchenbäcker, Therapeutin im Jugendheim Feldatal, bei einem Besuch der Gleichstellungsbeauftragten des Vogelsbergkreises, Sylke Emmermann, das Übel auf den Punkt und räumte mit einem weitverbreiteten Vorurteil auf, Heimkinder seien selber an ihrer schwierigen Situation schuld. Mit großem Engagement und vor allen Dingen mit viel Fach- und Sachkompetenz und persönlichem „Herzblut“ nimmt das Team des Jugendheims unter Leitung von Hartwig Storkebaum Kinder ab 8 Jahren in ihre Obhut und leistet aktive Erziehungshilfe. Die Einrichtung gibt Kindern und Jugendlichen Orientierung und Halt und bereitet sie auf ein eigenverantwortlich geführtes Leben vor. Das schließt auch die Berufsvorbereitung und die Begleitung in den Berufsalltag ein.

Sylke Emmermann informierte sich bei einem Gespräch im Jugendheim Feldatal über die Angebote der Einrichtung für Kinder und Jugendliche mit Gewalt- und Missbrauchserfahrungen. Die Einrichtung, die in diesem Jahr auf 50 Jahre erfolgreiche sozialpädagogische Arbeit zurückblicken kann, genießt weit über die Kreisgrenzen hinaus einen guten Ruf. Für die sehr gute Zusammenarbeit mit dem Amt für Jugend, Familie und Sport des Vogelsbergkreises bedankte sich die Gleichstellungsbeauftragte persönlich bei Hartwig Storkebaum und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. „Wir sind froh, mit ihnen so verlässliche Partner zu haben, wenn es gilt, Kindern in Notsituationen beizustehen,“ unterstrich Emmermann ihr Lob an die Adresse der Heimleitung.

Das Jugendheim in Feldatal bietet Kindern und Jugendlichen Angebote in allen Lebensbereichen, die über rein persönlichkeitsbildende Themenbereiche weit hinausgehen.

Emmermann macht deutlich, dass Heimunterbringung in den wenigstens Fällen die eigene Familie ersetzen kann. Man müsse aber zur Kenntnis nehmen, dass die Zahl der vernachlässigten Kinder- und Jugendlichen, die in Jugendhilfeeinrichtungen wie beispielsweise in Feldatal Aufnahme finden, bedrückend hoch sei. Die Gleichstellungsbeauftragte beklagte die zunehmende körperliche und seelische Gewalt in der Familie.

Ausfluss unserer modernen Zeit sei die Verschiebung von Verantwortungsstrukturen meinte Emmermann. Die Schwächsten in unserer Gesellschaft, die Kinder, die einen besonderen Schutz genießen müssten, würden oft von den „eigentlich“ Verantwortlichen alleine gelassen.

Für Sylke Emmermann ist es wichtig, die Familien zu stärken. Sie appelliert an die Eltern, sich genügend Zeit für die Kinder zu nehmen, ihnen zuzuhören und sie aktiv zu unterstützen. Eigene Interessen müssten gelegentlich zurückgestellt werden, um den Kindern besser Rechnung tragen zu können. Das Verhältnis zwischen Eltern- und Berufsarbeit bzw. den eigenen Freizeitinteressen der Erwachsenen müsste neu überdacht werden.