Kontakt
Sabine Galle-Schäfer, Presse/Kommunikation
Kreisverwaltung des Vogelsbergkreises
Goldhelg 20
36341Lauterbach (Hessen)
Telefax: +49 6641 9775 333

Neun Pflegefamilien wollen Kindern ein Zuhause geben

09.10.2019

Jugenddezernent Dr. Jens Mischak (2. v. l.) begrüßt neun Pflegefamilien, die in Zusammenarbeit von Jugendamt und Diakonischem Werk eine Grundqualifizierung für ihre neue Aufgabe erhalten. Das Foto zeigt (v. l.) Nina Behnken von der Fachstelle Pflegekinderwesen, Dr. Jens Mischak, Martina Heide-Ermel und Fred Weißing (Diakonisches Werk) und Helmut Benner (stellv. Jugendamtsleiter). Foto: Gaby Richter, Vogelsbergkreis

„Ich freue mich wirklich sehr darüber, dass Sie alle hier sitzen. Denn Sie stellen sich einer wichtigen und verantwortungsvollen Aufgabe und wollen Pflegekindern ein Zuhause oder auch ein Zuhause auf Zeit geben.“ Jugenddezernent Dr. Jens Mischak begrüßt neun Paare in den Räumen des Diakonischen Werks in Lauterbach. Dort hat in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt ein Grundqualifizierungskurs für Pflegefamilien in mehreren Modulen gestartet.

Bislang würden Kinder, die aus den verschiedensten Gründen vorübergehend nicht zuhause leben können, zu einem Großteil in Jugendhilfeeinrichtungen untergebracht. „Für Kinder, deren Hilfebedarf in Form von Vollzeitpflege gedeckt werden könnte, standen uns bisher leider nicht genügend Pflegefamilien zur Verfügung“, so Mischak weiter, „umso schöner ist es, dass Sie Interesse an dieser verantwortungsvollen Aufgabe haben und wir zukünftig bessere Möglichkeiten und Chancen für solche Kinder bieten können.“

Im vergangenen Jahr war die Fachstelle Pflegekinderwesen im Jugendamt mit Nina Behnken besetzt worden. Die Fachfrau hat es sich zur Aufgabe gemacht, möglichst viele Paare oder Familien von einem Einsatz für Pflegekinder zu überzeugen. „Eine solche Arbeit ist kein gewöhnlicher Job, es ist eine anstrengende aber auch bereichernde Aufgabe“, sagt Behnken, „und wir werden unsere Pflegefamilien auf keinen Fall mit ihren Fragen und Unsicherheiten alleine lassen.“

Fragen gibt es jede Menge, ob zum Besuchsrecht der leiblichen Eltern oder zur Häufigkeit solcher Treffen, zur Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und, und, und. Zum Start an diesem Abend war eine Pflegemutter gekommen, um aus ihrer jahrzehntelangen Erfahrung mit Pflegekindern zu berichten und den künftigen Pflegeeltern Rede und Antwort zu stehen. „Wir wollen unsere Pflegefamilien umfangreich qualifizieren und regelmäßige jährliche Fortbildungen anbieten“, kündigt der stellvertretende Jugendamtsleiter Helmut Benner an. Auch ein kontinuierliches Supervisionsangebot sowie eine gute Fachberatung, die in engem Austausch mit den Pflegeeltern stehe, gehörten dazu.

Der Vogelsbergkreis sucht weiterhin Familien, die Pflegekinder bei sich aufnehmen möchten, sei es vorübergehend oder auch längerfristig. Der nächste Qualifizierungskurs ist bereits für das Frühjahr 2020 geplant. Weitere Informationen sind in der Fachstelle Pflegekinderwesen unter pflegekinderwesen(at)vogelsbergkreis.de oder 06641-977-4105 erhältlich.

 

FRAGEN & ANTWORTEN

 

Wie viele Pflegefamilien gibt es seither im VB?

Bislang gibt es im Vogelsbergkreis 68 Pflegefamilien.

Ist deren Zahl in den vergangenen Jahren eher gestiegen oder gefallen?

Leicht gestiegen.

Welche Kriterien gibt es, um Pflegefamilie werden zu können?

Es sollte ein kinderfreundliches und familiäres Umfeld mit klaren Strukturen gegeben sein. Die Pflegefamilien sollten über Platz in ihrem Leben und über geeigneten Wohnraum verfügen. Das Pflegekind sollte akzeptiert werden und die Pflegfamilie sollte nicht die „Eltern“ ersetzten wollen. Die finanziellen Rahmenbedingungen sollten gegeben sein. Dazu müssen noch ein Bewerberbogen ausgefüllt, ein Gesundheitszeugnis eingereicht und ein Führungszeugnis abgegeben werden. Zudem findet obligatorisch ein Hausbesuch mit einem Informationsgespräch in der Familie statt.

Müssen Pflegefamilien aus einem Mann und einer Frau bestehen? Müssen diese verheiratet sein?

Nein – eine Pflegefamilie muss nicht ein verheiratetes Paar sein: Es können Lebensgemeinschaften sein sowie Alleinstehende, sofern sie die oben beschrieben die Kriterien erfüllen.

Wie lange dauert ein Qualifizierungskurs?

Unser Grundseminar für Pflegefamilien dauert sechs Monate. Während dieser Zeit werden sechs Module mit verschiedenen Themenblöcken durchgeführt. Über diesen Zeitraum hinweg sollen die Pflegefamilien Zeit für ihre Entscheidung haben, sollen Sicherheit darüber gewinnen, ob sie tatsächlich Pflegefamilie sein und sich dieser verantwortungsvollen Arbeit stellen möchten. Vorab erhalten die Familien einen Beratungstermin im Jugendamt oder in ihrem Zuhause, wo der Bewerberbogen und die weiteren Formalitäten besprochen werden (s.o.).

Was haben Menschen davon, dass sie Pflegeeltern werden?

Wenn Familien sich dafür entscheiden, Pflegefamilie zu werden, möchten sie in erster Linie Kindern ein familiäres Umfeld bieten. Viele Familien können keine eigene Kinder bekommen und haben sich lange Gedanken gemacht über eine Adoption oder ein Pflegekind. Viele fühlen sich mit einem Kind im Haushalt bereichert und sie blühen auf in ihrer Tätigkeit als Pflegeeltern. Es gibt auch Familien, die andere Pflegfamilien aus dem Kreis kennen und sich austauschen, positive Rückmeldung erhalten und sich dann im Jugendamt bewerben. Viele geben an, dass es eine „Win-Win“ Situation für beide Seiten ist.

Wie viele Kinder / Jugendliche leben im VB in Jugendhilfeeinrichtungen ?

Im VBK gibt es derzeit 388 betriebserlaubnispflichtige Plätze in Jugendhilfeeinrichtungen, die i.d.R. alle belegt sind. Ein großer Teil davon wird mit Kindern belegt, die nicht aus dem VBK kommen. Das liegt u.a. an der speziellen Ausrichtung einiger Einrichtungen (z.B. Mädchen mit Gewalterfahrungen, Mutter und Kind, psychiatrischer Hintergrund, unbegleitete minderjährige Ausländer).