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Eichenprozessionsspinner: Mit Spezialausrüstung und Sprühkleber hoch in die Baumkronen

06.08.2019 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

Mit Schutzanzug, Atemmaske und rund 15 Kilogramm Ausrüstung entfernt der Baumpfleger die Gespinste des Eichenprozessionsspinners in der alten Eiche. Fotos: Gaby Richter

Immer öfter sieht man Absperrbänder und selbst gebaute Hinweisschilder unter Eichenbäumen: „Vorsicht Eichenprozessionsspinner“. In diesem Jahr deutlich mehr als noch im vergangenen, sagt auch Baumpfleger Stefan Krauss. Er hat sich deshalb ausgiebig fortgebildet und ist heute einer der wenigen Betriebe, die für die fachgerechte Entfernung von Gespinsten gerufen werden. Aktuell hatte es die alte Eiche vor der Blitzenröder Kirche erwischt, gleich mehrere Nester sind in ihrer Krone entdeckt worden. Erster Kreisbeigeordneter Dr. Jens Mischak und Lauterbachs Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller informierten sich vor Ort, als die Profis den gefährlichen Gespinsten des Eichenprozessionsspinners zu Leibe rückten.

Schon beim vermehrten Auftreten im vergangenen Jahr hat die Kreisverwaltung ein Informationsblatt zur Unterrichtung der Bürger herausgegeben. Die feinen und giftigen Brennhaare der Raupen können noch lange nach dem Ableben des Nachtfalters beim Menschen eine Raupendermatitis auslösen mit heftigen Hautreaktionen, Reizungen der Mund- und Nasenschleimhaut bis hin zu Bronchitis, schmerzhaftem Husten und Asthma. Leider sorgen die Brennhaare noch bis zu acht Jahre lang für derartige Reizungen, weshalb es auch keine gute Idee ist, die Raupen abzusammeln und selbst zu verbrennen. Denn: „Durch die Hitze und Thermik steigen die Haare in die Luft auf und werden nicht mitverbrannt“, weiß Krauss.

Übrigens rührt der Name daher, dass die Raupen des Eichenprozessionsspinners bei ihrer Suche nach Nahrung hintereinander vom Gespinst zu den schmackhaften Blattspitzen der Bäume wandern wie bei einer Prozession. Vom Eigelege über sechs Entwicklungsstadien bis zur Verpuppung als Raupe und dem kurzen Dasein als Falter gibt es nur wenige Zeitfenster für die Bekämpfung - der Einsatz eines speziellen Bakteriums mit einem 40- bis 60-prozentigen Wirkungsgrad ist eine Möglichkeit, der Einsatz eines Insektizids mit 60- bis 70-prozentiger Erfolgsquote ein anderes. Allerdings ist dieses erst seit kurzem zugelassen und nicht das Mittel der ersten Wahl, weil bei dessen Einsatz alle 400 bis 600 Arten leiden müssen, die in einem Baum beheimatet sind.

Waren es im vergangenen Jahr noch 84 Nester an rund 50 Standorten, sind es dieses Jahr schon 361 Nester, die Stefan Krauss mithilfe seiner Baumpfleger aus den Bäumen geholt hat. Und nun kommen noch diese aus der mächtigen Eiche in Blitzenrod hinzu: Zwei professionelle Baumkletterer aus dem Raum Kassel legen die Schutzkleidung an und dichten alle Öffnungen mit Tape ab. Mit Atemschutzmaske und rund 15 Kilogramm Kletterausrüstung geht es dann langsam nach oben. Vorher wurde versucht, mit dem Fernglas schon so viele Gespinste wie möglich auszuspähen, manches bleibt aber auch unentdeckt oder aber es entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als eine Ansammlung von Spinnweben.

Auffällig sei, dass es in diesem Jahr weit mehr und dafür kleinere Gespinste seien, sagt Stefan Krauss, vermutlich hätten sich aufgrund der Witterung einzelne Bestände unterschiedlich schnell entwickelt - „manchmal haben wir Nester mit verpuppten Larven gefunden, während sie nebenan noch als Raupen unterwegs waren“. Auch das erschwere die Bekämpfung.

 

Susanne Jost (Untere Naturschutzbehörde), Umweltdezernent Dr. Jens Mischak, Stefan Krauss und Rainer-Hans Vollmöller schauten sich den Einsatz an.

Ein Gespinst noch unterhalb der Krone, das von unten gut zu sehen ist.

Die Absperrung und das vorbereitete Equipment

Die beiden Spezialisten beim Anlegen der Schutzkleidung.

Das Klettern beginnt...

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Stefan Krauss, Dr. Jens Mischak, Rainer-Hans Vollmöller und Susanne Jost (Untere Naturschutzbehörde) im Gespräch mit Werner Stoepler.