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Verbandschef Marx zu Windkraft im Naturpark: Grenze der Belastung deutlich überschritten

10.06.2002 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

Naturpark zu Windkraft: Grenze der

Belastung deutlich überschritten

Zweckverbandsvorsitzender Landrat Marx fordert

Ministerpräsident Koch zu Bundesrats-Initiative auf

VOGELSBERGKREIS ( ). „Keine weiteren Windkraftanlagen im Gebiet des Naturparks“ – dies ist der Titel einer Resolution, mit dem sich der Vorstand des Zweckverbandes Naturpark Hoher Vogelsberg vor wenigen Tagen an den Hessischen Ministerpräsidenten gewandt hat. In dem von Rudolf Marx (CDU) unterzeichneten Schreiben – der Landrat ist Kraft Amtes Vorsitzender des Zweckverbandsvorstands – wird Roland Koch aufgefordert, im Bundesrat initiativ zu werden. Die Kernforderungen: Einschränkung der Privilegierung von Windkraftanlagen nach dem Bundesbaugesetz und die Veränderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), mit dem Ziel, die Privilegierung von potenziellen Investoren zu reduzieren.

„Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, der Vorstand des Zweckverbandes Naturpark Hoher Vogelsberg bittet Sie herzlich, den Naturräumen eine Chance zu belassen und die Verschandelung der Landschaft stoppen zu helfen“, heißt es wörtlich in dem Schreiben.

Der Naturpark Hoher Vogelsberg ist der älteste Naturpark Hessens und einer der ältesten in Deutschland überhaupt. 150 Windkraftanlagen stehen bereits im Vogelsbergkreis – so viele wie nirgends sonst in Hessen. Weitere 50 Anlagen, teilweise bis zu 150 Meter hoch, sind in Planung. Der Zweckverband, der die Interessen des Naturparks vertritt, habe die große Sorge, dass die Zunahme der Windkraftanlagen gerade auf dem Gebiet des Naturparks nicht nur den Tourismus schädigt, sondern auch die gesetzlich in Naturparken vorrangigen Schutzgüter Landschaftsbild, Erholung, Artenvielfalt und Biotopvielfalt stark beeinträchtigt.

Der Vorstand bezieht sich in seiner Resolution auch auf einen ähnlich lautenden Beschluss des Verbandes Deutscher Naturparke. Darüber hinaus habe die Arbeitsgemeinschaft Hessischer Naturparkträger ebenfalls den Bau von Windkraftanlagen in Naturparken generell abgelehnt.

Im Falle des Vogelsbergkreises mit seinem hochbedeutsamen Naturpark, der eine große Fläche des Landkreises ausmacht, sei die „Grenze der Belastung deutlich überschritten“. Zusätzliche Anlagen seien nicht mehr hinnehmbar.

Neben der geforderten Veränderung von Bundesgesetzen gelte es gleichzeitig, in der Landes- und Regionalplanung darauf hinzuwirken – das betreffe auch die Ebene der Regierungspräsidien –, dass die berechtigten Interessen des Natur- und Landschaftsschutzes hinreichend berücksichtigt werden. Der Naturparkvorstand fordert, dass sich jede neue Anlage einer Umweltverträglichkeitsüberprüfung

unterziehen lassen müsse, gleichviel ob der Landkreis (bei bis zu zwei Rotoren) oder das mittelhessische Umweltamt genehmigende Behörde ist. Der Vorstand des Zweckverbandes Naturpark Hoher Vogelsberg unterstützt darüber hinaus die Forderung des Naturschutzbundes Deutschland (Vogelsbergkreis), der die Erstellung eines Gesamtgutachtens für notwendig hält, das die Umweltverträglichkeit aller Windkraftstandorte nachhaltig bewerten soll.