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Landrat Görig verleiht den Kulturförderpreis 2016 an Norbert Grimm, Broder Braumüller und Dr. Siegfried Modra

22.11.2016 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

In der Landesmusikakademie Hessen in Schlitz verlieh Landrat Manfred Görig (Zweiter von links) den Kulturförderpreis 2016 an (von links): Norbert Grimm, Broder Braumüller und Dr. Siegfried Modra. Foto: Erich Ruhl-Bady, Pressestelle Vogelsbergkreis

„Kultur im Vogelsbergkreis noch sichtbarer machen“

Rede Landrat Manfred Görig in der Landesmusikakademie Hessen in Schlitz

Der Vogelsbergkreis verleiht in diesem Jahr zum dritten Mal den Kulturförderpreis. Mit diesem Kulturförderpreis möchte der Kreisausschuss besondere künstlerische Leistungen auf dem Gebiet der Musik, der bildenden und darstellenden Kunst, der Literatur und der Heimatpflege würdigen. Der Kulturförderpreis ist mit 3.000 Euro dotiert und geht zu gleichen Teilen an drei ausgewählte Preisträger.

Der Kreisausschuss hat sich bei seiner Entscheidung von der Überzeugung leiten lassen, dass Kultur und kulturelle Angebote wichtig sind für die Attraktivität einer Region. Der Kulturförderpreis soll dazu beitragen, Kultur im Vogelsbergkreis noch sichtbarer zu machen. Durch die Verleihung des Preises soll das Engagement von Kulturschaffenden und Kulturinitiatoren gewürdigt werden, die mit ihrem Wirken dazu beitragen, dass in der Region kulturelle Angebote vorhanden sind und bleiben.

Kultur ist für jeden Einzelnen wichtig, Kultur steigert die Lebensqualität und sie ist zugleich ein Standortfaktor, der auch Wirtschaft und Tourismus stärkt.

Der Kulturförderpreis wurde im Juni diesen Jahres öffentlich ausgeschrieben. Wir waren alle sehr gespannt auf die Vorschläge. In der Nominierungsfrist sind schließlich 7 Bewerbungen für die Auszeichnung eingegangen. Jeder dieser Vorschläge wäre der Ehrung wert gewesen. Die vom Kreisausschuss eigens eingesetzte Auswahljury hat dem Kreisausschuss schließlich nach Abwägung aller Für und Wider einmütig vorgeschlagen, den Preis auf drei Preisträger aufzuteilen. Diesem Vorschlag ist der Kreisausschuss in seine Sitzung am 8. November gefolgt.

Mit dem Kulturförderpreis des Vogelsbergkreises werden in diesem Jahr

•    Herr Norbert Grimm aus Alsfeld-Leusel
•    Herr Dr. Siegfried Modra aus Alsfeld und
•    Herr Broder Braumüller aus Lauterbach

ausgezeichnet.

Vom Kulturverein Lauterbach wurde Herr Norbert Grimm aus Alsfeld-Leusel für die Auszeichnung mit dem Kulturförderpreis vorgeschlagen. Herr Grimm ist eine Künstlerpersönlichkeit mit überregionalem Wirkungskreis. Exemplarisch sei hier das jährliche internationale visuelle Kunstevent „Huntenkunst“ genannt an dem Herr Grimm bereits mehrfach als Austeller teilgenommen hat. Herr Grimm ist aber auch aktiver Gestalter vieler regionaler Kulturaktivitäten. So findet aktuell an diesem Wochenende der 11. Kunstspaziergang Landenhausen statt, an dem Herr Grimm als Aussteller vor Ort ist. Weiterhin ist Herr Grimm aktiv im Verein Karuszel Gebirgskulturen und im Kulturverein Lauterbach tätig.

Seine Werke umfassen Plastiken und Skulpturen, sowie Grafiken, Perfomance und gesteuerte Kunstsprengungen.

Die Grundthemen seiner Arbeiten sind Ordnungen und Unordnungen, sowie die Beschleunigungen und Entschleunigungen von Vorgängen, welche voneinander abhängig sind. Mit der Durchführung von gesteuerten Kunstsprengungen verdeutlicht Herr Grimm Beschleunigung und Entschleunigung, die Symbiosemöglichkeit von Plastik und Skulptur und die Steigerung der Ästhetik zur „gefährlichen Ästhetik“. Seine Arbeiten über Detonationen und ihre Auswirkungen korrespondieren mit dem Vulkan Vogelsberg.
Es handelt sich hierbei um experimentelle Beiträge zur Verdeutlichung vom Spiel der Natur und des Geistes. Eine Besonderheit hierbei ist die Visualisierung und das Erleben der wirkenden Kräfte.

Die Jury hat Ihre künstlerische Leistung, Herr Grimm, als besonders wertvoll erachtet und Sie deshalb als einen Preisträger des Kulturförderpreises vorgeschlagen, der dann vom Kreisausschuss benannt wurde.

Als weiterer Gewinner des Kulturförderpreises wurde auf Vorschlag der Stadt Alsfeld Herr Dr. Siegfried Modra ausgewählt.

Herr Dr. Modra erschafft Skulpturen und Kleinplastiken aus außergewöhnlichen Hölzern. Er gestaltet und konserviert seltene, geschichtlich interessante Holzteile oder einmalige, Jahrtausende oder Jahrmillionen natürlich erhalten gebliebene Baumstücke, um diese Besonderheiten dauerhaft zu bewahren. Sein Arbeitsschwerpunkt bilden Hölzer mit einer eigenen Geschichte.

Der Anspruch an seine Arbeiten ist die Integration von Themen unter Erhaltung der Natürlichkeit. Ziel hierbei ist die Bildung einer harmonischen Einheit. Den archaischen Merkmalen des Materials wird bei der Gestaltung Rechnung getragen. Diese bleiben ohne Nachbearbeitung deutlich sichtbar erhalten. Die umgesetzten Themen betreffen das aktuelle Zusammenleben in der menschlichen Gemeinschaft. Soziale, gesellschaftliche familiäre, charakterliche oder gesundheitliche Aspekte werden hierbei strukturiert und integriert.
Für die Darstellung seiner thematischen und abstrakten Arbeiten bevorzugt Herr Dr. Modra Moor-Eiche als Arbeitsmaterial. Die zu Kunstwerken verarbeiteten Holzfunde aus Moor-Eiche sind bis zu Achttausend Jahre alt.

Als vermutlich bisher einziger Gestalter nutzt er für Kunstwerke auch seltene, mehrere Zehntausend Jahre alte voreiszeitliche Holzfunde.
Herr Dr. Modra hat weiterhin Methoden entwickelt, um aus fossilen Hölzern Skulpturen mit faszinierender Wirkung zu schaffen. Diese Hölzer haben ein Alter von bis zu 22 Millionen Jahren.

Als weiteres Arbeitsmaterial dient Herrn Dr. Modra die natürliche Holzmodifikation zu Xylit. Diese eröffnet ihm völlig neue Möglichkeiten der Gestaltung und Ausprägung.

Ein weiterer Schwerpunkt seines Wirkens ist die Schaffung von Skulpturen aus archäologischen Boden- und Unterwasserfunden oder aus historisch interessanten Holzelementen weit zurückliegender Zeiten, wie zum Beispiel aus der Schifffahrt oder dem Städtebau.

Die geschaffenen Skulpturen und Kleinplastiken sind aufgrund der unverwechselbaren Merkmale immer Unikate. Sie leisten einen Beitrag zur Erhaltung von Naturphänomenen oder weit zurückliegenden kulturellen Gegebenheiten und fast vergessenen Ereignissen.

Herr Dr. Modra hatte bereits 35 Einzelausstellungen allein in Deutschland. Hinzu kommen 25 Ausstellungsbeteiligungen in Deutschland und Belgien. Besonders erwähnenswert ist eine Ausstellung mit Arbeiten für Blinde zum Abtasten. Diese fand in der Deutschen Bücherei für Sehschwache und Blinde in Leipzig statt.

Die Hingabe und Beständigkeit zur Schaffung bildender und darstellender Kunst waren für Ihre Nominierung zum Kulturförderpreis ausschlaggebend.

Als weiterer Gewinner des Kulturförderpreises wurde Herr Broder Braumüller ausgewählt.
Herr Broder Braumüller ist ein Pionier der inklusiven Kulturarbeit im Vogelsbergkreis mit dem Schwerpunkt der Nachwuchsförderung. Er gründete 1992 die „Michelsbacher Spatzen“. Diese Formation war ein Zusammenschluss von Bewohnerinnen und Bewohnern der Behindertenhilfe Vogelsberg in Herbstein. Hinzu kamen im Laufe der Zeit betreute Menschen aus der Wohnstätte für behinderte Menschen Herbstein, der Gemeinschaft Altenschlirf, den Vogelsberger Lebensräumen sowie Hobbymusiker aus Grebenhain, Herbstein und Lauterbach. Durch Auftritte und Konzerte hat Herr Braumüller das kulturelle Leben in unserer Region bereichert. Er ist als Botschafter für die Integration von Menschen mit Behinderung weit über die Kreisgrenzen hinweg in Erscheinung getreten.

Herr Braumüller widmet der Entwicklung der freien Inklusivband „Crazy Mountain Birds“ und dem Aufbau des generationenübergreifenden Kultur- und Wohnprojekts „Gelebte Inklusion“ voller Begeisterung viel Zeit und Kraft.

Die Formation der „Crazy Mountain Birds“ verkörpert die Idee der Inklusion in ihrer ureigensten Form. Männer und Frauen, Menschen mit und ohne Betreuungsbedarf, kommend aus unterschiedlichsten Lebens-, Arbeits- und Wohnverhältnissen erarbeiten und präsentieren eine Vielfalt an Musikstücken und Songs.

Weiterhin erfolgte am 8. September 2016 die Gründung des Vereins „Gelebte Inklusion – Freies Projektzentrum für Klang & Musik – Freizeit & Wohnen“. Ziel dieses Vereins ist die Förderung und Teilhabe unterschiedlichster Menschen am kulturellen und gesellschaftlichen Leben. Einige Schwerpunkte haben sich bereits herausgebildet. So wurden schon Freizeitangebote, die der Teilhabe unterschiedlichster Menschen dienen, wie zum Beispiel Fahrten zu Konzerten, Workshops und Festivals unternommen. Inklusion ist das aktuell herrschende Thema und alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens sind berührt. Die Idee von der Verbindung von Kultur und Inklusion war in Ihrem Falle, Herr Braumüller, ausschlaggebend für die Nominierung zum diesjährigen Kulturförderpreis.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

Kultur schafft Identität mit der Region. Die Förderung der Kultur – und damit meine ich bürgernahe, bedürfnis- und lebensraumgerechte Kulturförderung – liegt mir am Herzen. Ich sehe es als Aufgabe der öffentlichen Hand. Das hängt nicht zuletzt mit der Erkenntnis zusammen, dass die Lebensqualität der Menschen in hohem Maße von dem für sie erreichbaren Kulturangebot bestimmt wird.
In diesem Jahr hat der Kreisausschuss drei Preisträger ausgewählt, die herausragende kulturelle Leistungen vorzuweisen haben und sich durch nachhaltiges und beständiges Wirken auszeichnen.

Für diesen großartigen Einsatz für die Kultur in der Region sagen wir heute mit dem Kulturförderpreis 2016 DANKE.

Der Landrat bei seiner Laudatio auf die Preisträger.

Die Verleihung des Kulturförderpreises war eingebettet in ein Kammerkonzert des hr-Sinfonieorchesters Frankfurt. Den Gästen wurde ein feinsinniges und virtuoses Konzert mit Werken von Ludwig van Beethoven und Franz Schubert geboten. Alle Fotos: Erich Ruhl-Bady