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Schwarzwild richtet große Schäden an - Jahresbericht 2001 Jagdwesen

21.12.2001 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

Große Schäden durch Schwarzwild

Jahresbericht des Sachgebietes Jagdwesen in der Landesverwaltung – Jagden sollen Abhilfe schaffen

VOGELSBERGKREIS ( ). Wie in der gesamten Bundesrepublik ist auch im Vogelsbergkreis ein steigender Bestand an Wildschweinen in den letzten Jahren wegen milder Winter mit einem reichen Nahrungsangebot zu verzeichnen. Die Überpopulation hat zur Folge, dass ganze Rotten auf den Wiesen und Feldern Schaden anrichten. Dies ist besonders der Fall, wenn, wie in diesem Jahr, die Buchen- und Eichelmast ausgefallen ist und das Schwarzwild im Wald nicht ausreichend Nahrung findet, heißt es im Jahresbericht des Sachgebietes Jagd- und Fischereiwesen in der Hauptabteilung Allgemeine Landesverwaltung, den Landrat Rudolf Marx jetzt veröffentlichte.

Gerade das Schwarzwild ist auf der Einzeljagd nur schwer zu erlegen, weil es nachtaktiv ist. Einen waidmännischen Schuss kann der Jäger in der Regel nur bei Vollmond anbringen. Doch die Wildschweine sind so schlau, dass sie sich in Vollmondnächten ruhig verhalten, d. h. ihre Einstände nicht verlassen. Bei den jetzt anstehenden Treibjagden haben es die Schützen vor allem auf Wildschweine und Füchse abgesehen. Bei dieser Jagdart kommen Jagdhunde und Treiber in Einsatz, die die Wildschweinrotten aufspüren und aufscheuchen. Dann können sie von den Jägern bejagt werden.

Auf die überwiegend großflächig veranstalteten Jagden werden die Verkehrsteilnehmer und Waldbesucher durch Schilder hingewiesen. Die untere Jagdbehörde empfiehlt, an diesen Tagen einen eventuell geplanten Waldspaziergang zu verschieben. Ebenso ist es für die Autofahrer wichtig, die Geschwindigkeit speziell in den ausgewiesenen Straßenbereichen den gegebenen Umständen anzupassen.

Sollte es zu Kollisionen mit Wild kommen und gar das Wild hierbei nicht am Platz bleiben, ist es unbedingt erforderlich, umgehend die Polizei oder - falls bekannt - den zuständigen Revierinhaber zu verständigen. Keinesfalls darf das Wild eingepackt und sozusagen als „Entschädigung“ mitgenommen werden. Dies wäre dann nämlich Jagdwilderei, die unter Strafe steht. Die Kosten bei entstandenen Schäden mit so genanntem Haarwild werden in der Regel von den Versicherern übernommen. Entsprechende Wildunfallbescheinigungen werden in den konkreten Fällen durch die Jagdausübungsberechtigten ausgestellt.

Im Hinblick auf die derzeitige durch Schwarzwild verursachte Wildschadensproblematik hat die untere Jagdbehörde die Hegegemeinschaften aufgerufen, alle Revierinhaber auf eine intensive und vor allem effektive Bejagung des Schwarzwildes hinzuweisen. Den Hegegemeinschaften soll hierbei im Rahmen einer Koordination von revierübergreifenden Bewegungsjagden eine initiative Schlüsselfunktion zukommen.

Auch sollten die Jagdgenossenschaften die jeweiligen Revierinhaber bei der intensiven Bejagung des Schwarzwildes mit unterstützen. Dies könnte z. B. durch die Gestellung von Treibern bei Drückjagden möglich sein. Ebenfalls wäre nach Auffassung der unteren Jagdbehörde besonders eine Kooperation in punkto Wildschadensvermeidung zwischen den Grundeigentümern und den Revierinhabern wünschenswert. So könnten z. B. die Landwirte die in den Wintermonaten für das Weidevieh nicht benötigten Weidezaungeräte und Elektrozäune auf besonders exponierten sowie hochwertigen Wiesen oder Feldern freiwillig aufstellen oder den Revierinhabern vorübergehend überlassen.

Die bereits mehrfach geforderte Aussetzung der Schonzeit für Überläufer im nächsten Jahr ist unter den Gegebenheiten des § 27 Abs. 1 Bundesjagdgesetz möglich. Demnach kann die untere Jagdbehörde zur Verhinderung übermäßiger Wildschäden die Schonzeiten für einzelne Wildarten in einem bestimmten örtlichen Bereich aufheben. Die Voraussetzungen für die Anordnung eines Verminderungsabschusses (auch in der Schonzeit) sind dann zu bejahen, wenn in kurzer Zeit außergewöhnliche Wildschäden verursacht worden und weitere übermäßige Schäden zu befürchten sind.

Die Hegegemeinschaften wurden daher von der unteren Jagdbehörde um Mitteilung gebeten, inwieweit für ihren Zuständigkeitsbereich eine notstandsähnliche Situation beim Schwarzwild gegeben ist, die es erfordert, die Schonzeit für Überläufer im nächsten Jahr auszusetzen.

Im letzten Jagdjahr – ein Jagdjahr reicht immer vom 1. April bis zum 31. März des darauf folgenden Jahres – betrug die Schwarzwildstrecke im Vogelsbergkreis insgesamt 2.098 Stück. Diese Zahl dürfte in diesem Jagdjahr jedoch bei Weitem überschritten werden.