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Landrat fordert sicherheitstechnische Überprüfung von Windkraftanlagen

12.12.2001 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

Rudolf Marx: Die Technik der

Windkraft birgt akute Gefahren

Landrat erwartet vom zuständigen Umweltamt

„genaueste Untersuchungen“ des Vorfalls in Dirlammen

VOGELSBERGKREIS ( ). „Die Windkraftanlagen stören nicht nur unser Landschaftsbild und stehen einem guten Tourismus im Wege – sie stellen ganz offensichtlich auch ein nicht hinnehmbares Gefahrenpotenzial für die Bevölkerung dar.“ Dies ist der Kommentar von Landrat Rudolf Marx zu dem Vorfall, der sich vergangene Woche in Lautertal-Dirlammen ereignet hatte. Ein vier Meter langes Rotorstück war 150 Meter weit geflogen. Der Vogelsberger Landrat erwartet vom – seit August dieses Jahres nach dem Bundes-Immissionsschutz-Gesetz – zuständigen Umweltamt in Marburg die Abschaltung aller baugleichen Anlagen, genaueste Untersuchungen und gegebenenfalls entsprechende technische Auflagen für die Betreiber. Das Kreisbauamt hat nach dem Vorkommnis sofort Kontakt mit dem Umweltamt aufgenommen. Im Interesse der Sicherheit der Bevölkerung arbeiten die Behörden auf das Engste zusammen, betont Marx. Der Hersteller der entsprechenden Anlagen müsse gründlich recherchieren und Gutachten vorlegen, die die Unbedenklichkeit für die Zukunft attestieren.

„Solche Gefahren müssen 100-prozentig ausgeschlossen sein“, unterstreicht Marx. Die Sicherheit der Bevölkerung müsse jederzeit gewährleistet werden können. Der Vogelsberger Landrat stellt die Frage nach der Stabilität der Technik: „Wenn schon bei einem leichten Wind die Gefahr des Absturzes tonnenschwerer Teile droht, was könnte dann erst geschehen bei wirklich starkem Sturm?“ fragt der Landrat besorgt. Gerade die Nähe solcher Anlage zu Kreis-, Landes- und Bundesstraßen stelle eine Gefahr dar. Marx nennt als Beispiele hier Reuters, Stumpertenrod und Ulrichstein. Im Falle Dirlammen hatte das vier Quadratmeter große Rotorenteil im freien Flug die Landesstraße überquert und war dann 50 Meter neben der Straße auf einem Acker.

Je höher die Anlagen würden und je mehr Rotationsenergie aufträte – bis zu 150 Meter Masthöhe sind geplant – desto größer sei die potenzielle Gefahr, dass Teile einer solchen Anlage abstürzen könnten. Dies sei nicht hinzunehmen. Das Umweltamt, das bei Anlagen von mehr als zwei Windrädern die Aufsicht hat, müsse genaueste technische Gutachten einholen und den TÜV einschalten. Erst wenn die Fehlerquelle ermittelt und beseitigt sei, dürften Aggregate diese Bautyps wieder ans Netz, fordert Marx.

Bereits Anfang 1999 waren mehrere Rotorenköpfe von Windrädern abgestürzt und hatten zu einer akribischen Überprüfung und umfangreichen technischen Veränderungen geführt. Damals war die Kreisbauaufsicht noch für die Überwachung zuständig. Marx hatte als damaliger Baudezernent darauf bestanden, dass der TÜV jede einzelne Anlage „abnimmt“, bevor sie wieder ans Netz durfte.