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Veterinäramt weist auf Gefahr durch Staupe hin: Vermehrt kranke Waschbären und Füchse im Vogelsbergkreis

26.08.2016 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

Die Anzahl der krank oder verendet aufgefundenen Füchse und Waschbären im Vogelsbergkreis steigt seit vergangenem Jahr an: Bis August wurden kreisweit schon 21 Füchse und 16 Waschbären zur Untersuchung abgegeben, bei 80 % der Füchse und 87 % der Waschbären wurde die Staupe als Krankheits- bzw. Todesursache festgestellt. Auch in anderen Landkreisen in Hessen wurde diese Erkrankung nachgewiesen. Das Veterinäramt weist auf die Ansteckungsgefahr für Haustiere hin.

Staupe ist eine hochansteckende Viruserkrankung bei Hunden und anderen hundeartigen Wildtieren wie z. B. Füchse, Waschbären, Mardern und Dachsen. Für den Menschen ist das Virus ungefährlich. Das Staupevirus wird durch Speichel, Nasen- u. Augensekret, Kot und Urin infizierter Tiere übertragen. Empfängliche Tiere können sich somit direkt über diese Ausscheidungen durch gegenseitiges Belecken oder Tröpfcheninfektionen anstecken oder nehmen den Krankheitserreger mit verunreinigtem Futter, Wasser oder aus der Umgebung auf.

Oft wird das Virus bei der Pflege der Welpen vom infizierten aber nicht erkrankten Alttier übertragen. Bei einer Staupeinfektion der Wildtiere ist häufig das Gehirn betroffen. Es werden u. a. Verhaltensstörungen wie Verlust der natürlichen Scheu, Schläfrigkeit, Bewegungsstörungen oder Aggressivität beobachtet. Da diese Symptome einer Tollwuterkrankung ähnlich sind, ist es wichtig auffällige lebende Tiere dem zuständigen Jagdpächter oder der Polizei zu melden. Um auszuschließen, dass es sich nicht um eine Tollwuterkrankung handelt, werden die toten Tiere durch das Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz zum Landesbetrieb Hessisches Landeslabor nach Gießen zur Untersuchung verbracht.

Typische Symptome der Staupeerkrankung beim Hund sind hohes Fieber und Abgeschlagenheit sowie je nach Verlaufsform Durchfall, Erbrechen, Atemwegsinfektionen oder auch Bindehautentzündungen. Die Sterberate bei infizierten Tieren kann bis zu 80 % betragen. Obwohl die Häufigkeit des Auftretens dieser Infektionskrankheit beim Hund zunächst durch regelmäßig durchgeführte Schutzimpfungen erheblich verringert werden konnte, wird nun europaweit eine Zunahme von Staupefällen beobachtet. Hier spielen die Virusträger Fuchs, Marder und zunehmend auch Waschbären eine Rolle, aber auch die Impfmüdigkeit der Hundehalter und der zunehmende Ankauf von nicht geimpften Hunden aus dem Ausland.

Wirksamen Schutz vor dieser Krankheit erreicht man durch prophylaktische Impfungen schon im Jungtieralter. Da die Staupeinfektion im Vogelsbergkreis z. Zt. besonders häufig bei Fuchs und Waschbär vorkommt, wird u. a. für jagdlich geführte oder auch häufig freilaufende Hunde eine vorbeugende Staupeschutzimpfung dringend empfohlen um einen bestmöglichen Schutz zu erreichen. Bei einem Drittel der untersuchten Füchse und Waschbären konnte in diesem Jahr zusätzlich eine Infektion mit Leptospiren nachgewiesen werden. Die Leptospirose ist eine Erkrankung, die durch Bakterien hervorgerufen wird und zu schweren Organschäden u. a. der Leber führen kann. Leptospiren kommen weltweit bei vielen Tierarten vor und können auch beim Menschen Erkrankungen auslösen. Da die Bakterien mit dem Urin infizierter Tiere ausgeschieden werden, können sie durch erkrankte Wildtiere wie Fuchs und Waschbär verbreitet werden.

Menschen und Tiere können sich z. B. durch nicht geimpfte Hunde über deren Kontakt mit infizierten Füchsen und Waschbären sowie deren Ausscheidungen anstecken. Ein hygienischer Umgang mit Tieren kann zum Schutz vor Infektionen beitragen.

Nach Kontakt mit erkrankten Tieren sollten die betroffenen Personen zunächst auf die für Leptospirose beschriebenen Symptome (plötzlich einsetzendes Fieber, Gelenk- und Muskelschmerzen) achten und bei Beschwerden ihren Hausarzt aufsuchen. Da die Impfung bei Haustieren die wichtigste Vorsorgemaßnahme darstellt und auch bei Wildtieren Leptospirose im Vogelsbergkreis nachgewiesen wurde, wird eine Schutzimpfung besonders von Jagdhunden dringend empfohlen.

Für Fragen steht das Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Vogelsbergkreises unter Telefon 06641 977-6800 oder per Mail unter avv(at)vogelsbergkreis.de zur Verfügung.