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Ab sofort am Start: 46 Sprachmittler mit 32 Sprachen aktiv für Flüchtlinge

08.07.2016 Von: Traudi Schlitt

Das Dekanatsteam freut sich über die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Kreis: Michaela Stefan, Traudi Schlitt, Franziska Wallenta, Ralf Müller (von links nach rechts). Foto: Erich Ruhl

Vogelsbergkreis übergibt Pool mit ehrenamtlichen Sprachmittlern an die Dekanate Alsfeld und Vogelsberg

Es war eine große Runde, die Dekan Dr. Jürgen Sauer am Donnerstagvormittag in den Räumen des Evangelischen Dekanats in Alsfeld begrüßen konnte: Die Präsides der beiden Dekanate Christa Wachter vom Dekanat Vogelsberg und Syliva Bräuning vom Dekanat Alsfeld, Landrat Manfred Görig, Sozialamtsleiter Werner Köhler sowie Mitarbeitende sowohl des Kreises als auch des Dekanats. Der Grund der Zusammenkunft, zu der Kreis und Dekanat gemeinsam eingeladen hatten, war ein erfreulicher: Nach fast einem Dreivierteljahr Vorlaufzeit ging am 7. Juli 2016 der Pool an ehrenamtlichen Sprachmittlern an den Start – 46 Sprachmittler bieten 32 Sprachen, mit denen sie insbesondere geflüchteten Menschen in verschiedenen Lebenslagen zur Seite stehen möchten. Aufgebaut wurde dieser Pool von Michaela Stefan, Koordinatorin des WIR-Projektes im Landratsamt. Im Rahmen dieses Landesprogramms werden u. a. Projekte zur Etablierung einer Willkommenskultur gefördert. Zur praktischen Anwendung – Vermittlung von Nachfrage und Angebot – übergab der Landkreis nun die Daten an die beiden Evangelischen Dekanate, die eigens eine Viertelstelle im Bereich Freiwilligenmanagement dafür bereitstellen. Möglich wurde dies wiederum mit Hilfe der Deutschen Fernsehlotterie, die auf drei Jahre lang eine Projektstelle im Bereich Freiwilligenmanagement zu 80% finanziert.

Erfreut über diese fruchtbare Kooperation zwischen Landkreis und Dekanat zeigte sich in seiner Begrüßung demnach auch nicht nur Dekan Dr. Sauer, sondern auch Landrat Manfred Görig. Er selbst sei erstaunt über das gewaltige Potenzial, über das man im Vogelsbergkreis verfüge, ebenso wie ihn das außerordentliche Engagement der freiwilligen Flüchtlingsbegleiter im Allgemeinen immer wieder tief beeindrucke. „Sprachliche Vermittlung ist von großer Bedeutung und macht die Koordination flüssiger", betonte der Landrat, der zum Einstieg eine Zuwendung von 3.500 Euro an Traudi Schlitt, Koordinatorin des Sprachmittlerpools bei den Dekanaten, überreichte. Görigs besonderer Dank galt seiner Mitarbeiterin Michaela Stefan, die den Pool in den letzten Monaten sehr erfolgreich aufgebaut hat. Sie erläuterte dieses Projekt von den Anfängen bis hin zum jetzigen Status. Gestartet war sie im Oktober 2015 mit der Akquise von Sprachmittlern, die sie vorrangig durch Flyeraushang betrieb. Während sich der Pool füllte, führte man erste Gespräche mit dem Evangelischen Dekanat Alsfeld, das seit vielen Jahren eine große Rolle in der Flüchtlingsarbeit in der Region spielt. Nachdem die zur Koordination erforderliche Stelle im Mai besetzt werden konnte, gingen die Übergabeverhandlungen zügig voran, sodass nun der Startschuss fallen konnte.

„Es wird höchste Zeit, dass wir starten", befand Traudi Schlitt. Obwohl noch nicht offiziell am Start, habe sie schon zahlreiche Anfragen auf dem Tisch, sei es von Schulen, Arztpraxen, Beratungsstellen, Helferkreisen: „Der Bedarf an Sprachmittlern ist groß." Die nun bei den Dekanaten angesiedelten Freiwilligen könnten sich im Rahmen eines Freiwilligenvertrages versicherungsrechtlich absichern, erläuterte Schlitt das Procedere. Geregelt sei hier auch das Recht der Freiwilligen auf eine Aufwandsentschädigung sowie auf Fortbildung. „Als Freiwilligenagentur haben wir unsere Sprachmittler ganz besonders im Auge: Wir bieten ihnen Austauschtreffen und bei Bedarf auch Supervision an." Aktuell konzipiere das Dekanat gemeinsam mit der VHS eine bislang deutschlandweit einzigartige Fortbildung für ehrenamtliche Sprachmittler, führte Schlitt weiter aus. Für die Einsätze selbst seien knappe Verträge mit den Auftraggebern entworfen worden, um die Fälle gut, aber nicht zu aufwendig abzuwickeln. „Wie es in der Praxis aussehen wird, werden wir sehen", so die Koordinatorin, die sich als Ziel gesetzt hat, den Pool weiter auszubauen, um vielbenötigte Sprachen besser abzusichern und den Vogelsbergkreis in der Fläche besser zu versorgen. Auch wolle man nun alle möglichen Klienten darüber informieren, dass sie die Dienste des Pools in Anspruch nehmen können. Gemeinsam mit ihren Kollegen Ralf Müller und Franziska Wallenta freue sie sich auf die spannende Aufgabe, die sie nun übernommen hat.

Zum Thema Flüchtlingsarbeit des Dekanats äußerte sich im Anschluss noch einmal Ralf Müller. Er verwies auf die hohe Kompetenz seiner Einrichtung in diesem Feld: Seit 2011 bereits ist das „Selbstlernzentrum Deutsch als Fremdsprache" im Haus der Kirche, dem Sitz des Evangelischen Dekanats in Alsfeld, tätig. Wie weitere Projekte des Dekanats - hier wurde besonders die „Grundqualifikation Flüchtlingsbegleiter/in im Ehrenamt" genannt – ist auch dieses innovativ und wegweisend für die Arbeit mit Geflüchteten in ganz Deutschland und wurde auf Landes- bzw. Bundesebene ausgezeichnet. Mit dem Abschluss der inzwischen vierten Grundqualifikation seien nunmehr 140 freiwilligen Flüchtlingsbegleiter und –begleiterinnen qualifiziert, schloss Müller diesen Überblick über dieses Arbeitsfeld des Dekanats.

Wer Interesse an der Mitarbeit in dem Pool hat oder wer Bedarf an der freiwilligen Sprachmittlung hat, der kann sich ab sofort an Traudi Schlitt wenden. Sie ist im Evangelischen Dekanat in Alsfeld unter der Telefonnummer 06631 91149-23 oder per Mail unter schlitt@alsfeld-evangelisch zu erreichen.

Erfreut darüber, dass der Pool nun an den Start geht, zeigten sich bei der Übergabe Landrat Manfred Görig, Präses Sylvia Bräuning und Koordinatorin Traudi Schlitt. Foto: Erich Ruhl