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Gesundheitsamt informiert zu BSE-Risiken

05.12.2000 Von: Pressestelle Kreisverwaltung Vogelsberg

Vogelsberger Gesundheitsamt

informiert zu BSE-Risiken

Dr. Schulte: Nur völliger Verzicht auf Rindfleisch

schließt jedes Risiko aus - Keine Gefahr bei Milch

VOGELSBERGKREIS ( ). "Wer überhaupt kein Risiko eingehen will, sollte auf den Verzehr von Rindfleisch verzichten", kommentiert die Leiterin des Kreisgesundheitsamtes, Dr. Hildegard Schulte die gegenwärtige BSE-Problematik. Sie teilt damit die Auffassung des Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) in Berlin, auf den Verzehr von Rindfleisch und rindfleischhaltiger Wurst zu verzichten, bis offene Fragen hinsichtlich der Infektionswege beantwortet sind.

Die Situation stellt sich nach heutigem wissenschaftlichen Kenntnisstand folgendermaßen dar:

* Auch deutsche Rinder können mit BSE infiziert sein.

* Unbeantwortet ist die Frage, ob die Verfütterung von Tiermehl die Ursache für das Auftreten von BSE in deutschen Rinderbeständen ist. Nach wie vor wird das deutsche Herstellungsverfahren von Tiermehl wissenschaftlich als sicher angesehen. Das aktuelle Verfütterungsverbot wurde aus Gründen des vorsorgenden Verbraucherschutzes erlassen.

* Milch und Milchprodukte gelten wissenschaftlich nach wie vor als unbedenklich. Infektionsversuche waren negativ.

* Das Fleisch von Schwein, Geflügel und Fischen ist nach heutigem Wissen in Bezug auf das BSE-Risiko als sicher anzusehen.

* Mit den derzeit eingesetzten Testverfahren beim Rind (Untersuchungen von Proben aus Gehirnen toter Tiere, Ergebnis steht nach 24 Stunden fest) lässt sich die Infektion sicher nur bei Tieren nachweisen, die mindestens 30 Monate alt sind und bei denen die Erkrankung bereits deutlich fortgeschritten ist.

* Negative Testergebnisse bei jüngeren Rindern sind nicht aussagekräftig.

* Der Verbraucher sollte Risikomaterialien (Gehirn, Rückenmark) grundsätzlich meiden. Sie müssen bei Schafen, Rindern und Ziegen seit dem 01. Oktober 2000 bei der Schlachtung entfernt und beseitigt werden.

* Im Experiment konnte mit Muskelfleisch erkrankter Tiere keine Infektion erzeugt werden.

* Gelatine wird nach Aussagen der Hersteller in Deutschland zu über 90 % aus Schweineschwarte hergestellt. Die Gelatineherstellungsverfahren sind aggressiv und reichen nach wissenschaftlicher Ansicht aus, um die Sicherheit auch von Rindergelatine zu gewährleisten. Die Ausgangsmaterialien dürfen nur von genusstauglichen Tieren stammen.

* Für die Herstellung von Babynahrung wurden nach Angaben der Hersteller in Deutschland auch in der Vergangenheit keine Risikomaterialien verwendet. Fleisch soll von besonders ausgewählten Tieren mit bekannter Herkunft stammen.

* Schafe können an der BSE-ähnlichen Seuche Scrapie erkranken. Scrapie ist überall dort bekannt, wo Schafe gehalten werden. In England treten die Fälle allerdings häufiger auf. Solange wissenschaftliche Fragestellungen hinsichtlich möglicher Zusammenhänge zwischen Scrapie und BSE unbeantwortet sind, besteht bei dem Verzehr von Schaffleisch ein Restrisiko, dass wissenschaftlich nicht abgeschätzt werden kann.

* Das BgVV geht davon aus, dass ein Zusammenhang zwischen BSE und der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit besteht. Der endgültige wissenschaftliche Beweis dafür steht allerdings aus. In Deutschland wurde diese Variante bislang nicht diagnostiziert. Die amtlichen Fallzahlen der klassischen Variante von Creutzfeldt-Jakob sind in den letzten Jahren stabil.

Nähere Informationen sind im Internet verfügbar unter www.bgvv.de.