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Sabine Galle-Schäfer, Presse/Kommunikation
Kreisverwaltung des Vogelsbergkreises
Goldhelg 20
36341Lauterbach (Hessen)
Telefax: +49 6641 9775 333

Fragen & Antworten | Flüchtlinge

13.10.2015 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

Ansprechpartner in Alsfeld, Lauterbach, Mücke und Homberg für Bürgeranfragen, die die Zivilgesellschaft betreffen (Helfer, Sachspender, Geldspender) –
gemeint sind NICHT die ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer von FFW, DRK und THW:

Kann ich Lebensmittel spenden?

Nein. Die Versorgung mit Lebensmitteln ist sichergestellt.

Ich möchte gerne persönlich helfen, wo kann ich mich melden?

Wenn Sie als Freiwilliger Ihre Hilfe anbieten möchten, tun Sie das bitte bei den genannten örtlichen Ordnungsämtern. Dort werden sämtliche Angebote gesammelt, auf die dann bei Bedarf zurückgegriffen werden kann.

Welche Aufgaben hat der Landkreis?

Im Landratsamt gibt es den Katastrophenschutz-Stab, der vom Hessischen Innenministerium mit Organisation und Betrieb der zusätzlichen Notunterkünfte beauftragt wurde. Dieser hat mit den unterstellten Katastrophenschutzeinheiten und mithilfe von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern des Brand- und Katastrophenschutzes sowie des Roten Kreuzes die Hallen vorbereitet und organisiert den Betrieb.

Wer hat die Verantwortung direkt an der Unterkunft?

Vor Ort hat an jedem der vier Standorte ein Kreisbrandmeister die Einsatzleitung inne und trifft Entscheidungen und Absprachen, die für den reibungslosen Ablauf notwendig sind.

Darf die Presse in die Einrichtungen hinein?

Nein.

Wie viele Flüchtlinge kommen in den Kreis?

Eine genaue Zahl kann noch nicht genannt werden. Wir rechnen mit insgesamt 1000.

Wo werden die Flüchtlinge untergebracht?

Es wurden folgende vier Sporthallen hergerichtet: die Großsporthalle der Schule an der Wascherde in Lauterbach (324 Flüchtlinge bei Vollbelegung), die Großsporthalle in Alsfeld (320), die Sporthalle der Gesamtschule Homberg (Ohm) (248) und die Alte Turnhalle der Gesamtschule in Mücke mit 123 Plätzen. Somit werden insgesamt 1.015 Plätze vorgehalten.

Sind diese zusätzlichen Flüchtlinge gleichzeitig auch Asylbewerber, die im Kreis bleiben?

Das muss nicht so sein – zunächst einmal werden diese Menschen bei uns untergebracht und verpflegt, um damit die völlig überlaufene hessische Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen zu entlasten. Es handelt sich um eine Überlaufeinrichtung, wie es sie mittlerweile in vielen anderen Landkreisen ebenfalls gibt. Daneben wird es weiterhin eine wöchentliche Zuweisung von Asylbewerbern an den Vogelsbergkreis geben.

Wie sind diese Notunterkünfte ausgestattet?

Es wurden Feldbetten mit allem notwendigen Zubehör aufgestellt. Außerdem wurde mit Abtrennungen für ein Mindestmaß an Privatsphäre gesorgt. Auch Sanitäre Anlagen und Sanitätszelte für medizinische Untersuchungen wurden an allen Standorten installiert und sind einsatzbereit.

Wer übernimmt die Verpflegung der Flüchtlinge?

Ein Caterer aus dem Landkreis Fulda hat die Verpflegung übernommen.

Wer sorgt für Sicherheit?

Über das Land Hessen wurden private Sicherheitsdienste in Abstimmung mit der Polizei mit der Sicherung beauftragt.

Wer zahlt die Kosten für Unterkünfte?

Das Land Hessen.

Wie lange bleiben diese Notunterkünfte bestehen?

Wir gehen von mehreren Monaten aus. Mindestens bis zum Ende des kommenden Winters.

Was passiert in dieser Zeit mit dem Schul- und Vereinssport?

Selbstverständlich kommt es durch die Belegung der Sporthallen zu starken Einschränkungen. Wir bitten alle Betroffenen um Verständnis! Bitte geben Sie uns ein paar Tage Zeit.

In den nächsten Tagen und Wochen wird das Amt für Schulen und Liegenschaften gemeinsam mit den Schulleitungen und den Städten nach möglichen Kooperationen schauen, um Alternativen für Schul- und Vereinssport zu finden. Ein positives Beispiel ist die Stadt Reiskirchen im Nachbarkreis Gießen, die den Nachbarn aus Homberg Hilfe und Platz angeboten habe.

Ich habe eine Wohnung / ein Zimmer anzubieten – an wen wende ich mich?

Wohnungen und Zimmer oder auch Gemeinschaftsunterkünfte benötigt der Kreis für die Unterbringung der zugewiesenen Asylbewerber, das ist etwas anderes als die Notunterkünfte. Wenn Sie Wohnraum für Asylbewerber anbieten möchten, können Sie das bei der Submissionsstelle in Alsfeld tun: Frau Naujock, 06631/792-808 oder Frau Heidler, 06631/792-819.

Es gibt doch in vielen Orten Runde Tische – wer sind die Ansprechpartner?

Auch hier helfen die 4 Ordnungsämter in den Kommunen weiter.

Wann gibt es Bürgerversammlungen?

Auch hier helfen die 4 Ordnungsämter in den Kommunen weiter.

Warum haben alle Flüchtlinge Smartphones?

Das Handy ersetzt die Bankfiliale, Computer, Festnetztelefon. Handys sind in Afrika und im Nahen Osten nicht nur Kommunikationsmittel, sondern ersetzen auch die Bank, den Computer, das Radio und das Wörterbuch. Die Menschen kommunizieren mit dem Smartphone per Internet mit ihren Familien. Das ist viel günstiger als ein Auslandsgespräch mit dem Festnetztelefon.

Welchen Aufenthalts-Status haben die neu ankommenden Flüchtlinge?

Sie werden registriert und erhalten eine vorläufige Duldung. Wir rechnen damit, dass die meisten einen Asylantrag stellen werden.

Hilft der Kreis bei Sprachkursen?

Ja, über die Volkshochschule.

Kann ich mich zum freiwilligen Flüchtlingshelfer ausbilden lassen?

Ja, Ralf Müller vom Evangelischen Dekanat Alsfeld.

Gibt es Dolmetscher?

Ja.

Kann ich mich als Dolmetscher melden?

Ja. Bitte wenden Sie sich an katastrophenschutz(at)vogelsbergkreis.de

Sind negative Auswirkungen von den Unterkünften auf die angrenzenden Schulen zu erwarten?

Nein, damit rechnen wir nicht. Die Schulleitungen sind über die Unterkünfte in ihrer direkten Nachbarschaft umfassend informiert.

Dürfen die Flüchtlinge die Einrichtungen verlassen?

Ja, natürlich. Das sind freie Menschen, die ja bewusst in ein freies Land geflohen sind vor Krieg und Gewalt.

Warum werden die Flüchtlinge "eingesperrt"?

Die Flüchtlinge werden nicht eingesperrt. Es herrscht Freizügigkeit. Das sind freie Menschen, die aus Krieg und Gewalt zu uns fliehen. Natürlich dürfen diese Menschen die Einrichtung verlassen.

Wie kann man denn da Kontakt zu den Flüchtlingen aufnehmen!?

Die Flüchtlinge werden ganz sicher nicht den ganzen Tag über in der Einrichtung sein, sondern in der Stadt unterwegs sein. Da kann man sie gewiss ansprechen.

Woher stammen die Menschen?

Aus Syrien, aus Afghanistan und aus dem Irak.

Haben die Flüchtlinge ansteckende Krankheiten?

Selbstverständlich können Flüchtlinge - wie auch Deutsche - ansteckende Krankheiten haben. Der beste Schutz gegen zahlreiche Infektionskrankheiten sind die entsprechenden Impfungen, die auch von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen werden. Die STIKO-Empfehlungen gelten auch für die Flüchtlinge. Aber es gibt in Deutschland keine Impfpflicht. Wenn Flüchtlinge zu uns kommen, werden sie auf jeden Fall zu Beginn untersucht.

Wie gut klappt die Zusammenarbeit von Landkreis und den Städten?

Sehr gut. Für die Organisation der Hilfsangebote aus der Bürgerschaft sind die Ordnungsämter der Städte unverzichtbar und leisten eine hervorragende Arbeit.

Welche Bedeutung haben die „Runden Tische“ und Flüchtlings-Initiativen, die sich um die Integration von Flüchtlingen vor Ort kümmern?

Das ist sehr wichtig, denn die Unterstützung der freiwilligen Helferinnen und Helfer aus der Bürgerschaft sind wertvoll und notwendig. Das hat sich aktuell bei der Aktion in Lauterbach gezeigt, als es darum ging Kinderbetten für die Flüchtlingsfamilien zu organisieren.

Wodurch erhalten die Flüchtlinge Kenntnis von unseren Werten und unseren Normen?

Zunächst einmal müssen sie hier in Ruhe ankommen. Am besten sind Kontakte auf der direkten Ebene vom Bürger zum Flüchtling, möglicherweise bei Treffen von Initiativen und Vereinen. Die Sprachbarriere ist natürlich sehr hoch. Daher werden Dolmetscher und dann Sprachkurse eine sehr hohe Bedeutung haben. Bei diesen Gesprächen ist der beste Platz auch zum Vermitteln unserer Ethik. Nur das Verteilen von Zetteln mit Verhaltensmaßregeln wird sicher nicht ausreichen.

Sind die Standorte Lauterbach, Alsfeld, Homberg und Mücke Erstaufnahmelager des Landes?

Es sind auf Anordnung des Landes geschaffene Notunterkünfte - ein anderer Begriff dafür ist „Überlaufeinrichtung“ - zur Entlastung der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen.

Gibt es Psychologen in der Notunterkunft?

Zunächst geht es um die Basis-Untersuchungen im medizinischen Bereich, vor allem auch, damit es keine ansteckenden Krankheiten gibt. Im zweiten Schritt wird auch psychologische Betreuung nötig.

Die Menschen, die in eine Überlaufeinrichtung kommen, sind wahrscheinlich nicht registriert. Wer kümmert sich um die Registrierung? Dauert das nicht Monate?

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ist zuständig. Das BAMF wird entweder lokale Teams in unsere Notunterkünfte schicken, oder die Flüchtlinge müssen jeweils zur Registrierung nach Gießen gebracht werden.

Was wünschen sich die Flüchtlinge, wenn sie gerade angekommen sind?

Die Flüchtlinge sollen nach der Ankunft in Alsfeld aber erst einmal ihre Ruhe bekommen, die sie dringend nach der langen Fahrt brauchen. Die Ankunftszeiten können mitten in der Nacht liegen. Gerade dann ist ein „Willkommenskomitee“ zwar von Herzen gut gemeint, aber keinesfalls angebracht.

Ist die Enge in den Einrichtungen ein Problem auch fürs friedliche Miteinander?

Enge, fehlende Privatsphäre, und das über viele Monate – das ist wirklich ein Problem. Wir setzen darauf, dass nach und nach draußen mit Bürgerinnen und Bürgern Kontakte ermöglichen, dass die Enge nicht als das Einzige, was es gibt, zu erleben. Außerdem hat es sich schon an anderen Standorten in Deutschland als sehr wirksam erwiesen, wenn Flüchtlinge und bereits anerkannte Asylbewerber, die schon länger hier sind und sprachlich kompetent sind, als Multiplikatoren eingesetzt werden.

Wie soll verhindert werden, dass sich gefährliche Krankheiten bei uns nun ausbreiten?

Das Gesundheitsamt ist angewiesen, alle Neuankömmlinge zu untersuchen und notwendige medizinische Maßnahmen einzuleiten. Außerdem sind alle Schulleitungen alle zu diesem Punkt angeschrieben worden.

Was berichten Mitbürgerinnen und Mitbürger, die erstmals Kontakt zu den Flüchtlingen hatten?

Die Flüchtlinge sagen, dass sie einfach froh sind, noch am Leben zu sein.

Sind Möbelspenden aus der Bevölkerung erforderlich?

Nein. Bitte keine Möbel spenden.

Aus welchen Ländern kommen die meisten ankommenden Flüchtlinge?

Die meisten Fliehenden kommen aus Ländern, wo aktuell Krieg und Bürgerkrieg herrscht. Die Länder sind: Syrien, Afghanistan, Irak, Eritrea und Somalia.

Was hält der Landrat von Begegnungsnachmittagen, zum Beispiel gestaltet von den Kirchen oder Flüchtlings-Initiativen?

Sehr viel. Genau hier ist die Möglichkeit für wirkliche Begegnung. Dort können die vielen Fremden plötzlich ein Gesicht erhalten und ihre Fluchtgründe werden schnell begreifbar. Nur so ist Integration möglich. Das wird am Anfang sprachlich noch sehr schwierig sein.