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Naturschutzgroßprojekt Vogelsberg: 10 Millionen für die Natur und die hier lebenden Menschen

10.08.2015 Von: Hess. Ministerium UKLV + Pressestelle VB

Große Freude bei der Bescheidübergabe von Dr. Elsa Nickel (Bund) und Priska Hinz (Land) an den Vereinsvorsitzenden Karl-Peter Mütze und Ersten Kreisbeigeordneten Peter Zielinski. Fotos: Gabriele Richter, Pressestelle Vogelsbergkreis.

Zuwendungsbescheid für das Naturschutzgroßprojekt – anschließende Exkursion

„Mit der Übergabe des Zuwendungsbescheides heute ist die Zukunft für das Naturschutzgroßprojekt Vogelsberg bis auf weiteres sicher gestellt – für den Naturschutz in Hessen ist das eine ausgezeichnete Nachricht“, erklärte Umweltministerin Priska Hinz. „Knapp zehn Millionen Euro für sinnvolle und wirksame Maßnahmen des Naturschutzes im Vogelsberg sind eine Investition ganz im Sinne der Hessischen Landesregierung. Wir unterstützen diese „Chance Natur“ für den Vogelsberg, weil sie über den Naturschutz hinaus auch Perspektiven für eine nachhaltige Landwirtschaft und die Entwicklung der Region insgesamt bieten“, so die Ministerin weiter.

Im Rahmen der Auftaktveranstaltung zum Naturschutzgroßprojekt Vogelsberg hat die Hessische Umweltministerin gemeinsam mit Dr. Elsa Nickel als Vertreterin des Bundesumweltministeriums und mit Thomas Graner vom Bundesamt für Naturschutz einen Zuwendungsbescheid an den Projektträger Natur- und Lebensraum Vogelsberg e.V. übergeben. Die Förderung wird zu 65 Prozent aus dem Bundesprogramm chance.natur, zu 25 Prozent vom Land Hessen sowie zu zehn Prozent vom Vogelsbergkreis finanziert.

Charakteristisch für die Region ist die enge Verzahnung von naturnahen Lebensräumen. Dazu zählen Buchen-, Bruch-, Blockschutt- und Schluchtwälder, Moore und Fließgewässer mitsamt ihren Quellen und bachbegleitenden Auen sowie wertvolle und reich strukturierte Kulturlandschaftsbiotope – besonders die bundesweit bedeutsamen Bergwiesen – aber auch Teiche, Feuchtwiesen und Hecken. Damit kann der Vogelsberg als eines der Biodiversitätszentren in Deutschland angesehen werden. Nur in diesen herausragenden Landschaften mit bundesweiter Bedeutung, so Fachbereichsleiter Thomas Graner vom Bundesamt für Naturschutz, kann der Bund mit seinem Förderprogramm chance.natur die Länder und Naturschutzakteure vor Ort unterstützen.

Auch Dr. Elsa Nickel vom Bundesumweltministerium unterstrich die Artenvielfalt im Vogelsberg: „Das Naturschutzgroßprojekt ist ein Baustein, um zur Erhaltung artenreicher Grünlandlebensräume und naturnaher Wälder in Deutschland beizutragen. Aufgrund seines überdurchschnittlichen und bemerkenswerten Artenreichtums und des hohen Anteils naturnaher Wälder, der deutlich höher als im Bundes- bzw. Landesdurchschnitt ist, kommt dem Vogelsberg aus naturschutzfachlicher Sicht eine nationale Bedeutung zu, die eine Förderung durch den Bund rechtfertigt.“

Ein zentrales Ziel der Naturschutzgroßprojekte liegt in der Erhaltung, Entwicklung und auch Wiederherstellung einer reichhaltigen und heutzutage häufig gefährdeten Vielfalt an Arten und natürlichen Lebensräumen innerhalb einer zuvor festgelegten Förderkulisse. Diese besteht beim Vogelsberg-Projekt aus 53 zumeist aneinandergrenzenden Fördergebieten, die zusammen 7.590 Hektar umfassen. „Als eine wichtige Prämisse aller Naturschutzgroßprojekte gilt das Prinzip der Freiwilligkeit“, erläuterte Thomas Graner. „Dabei soll nicht nur den Belangen der Flächeneigentümer sondern auch denen der Pächter Rechnung getragen werden.“ Aus diesem Grund wurde die Fachplanung – der Pflege- und Entwicklungsplan, der übrigens 15 volle Aktenordner umfasst – rechtzeitig und transparent im Rahmen der projektbegleitenden Arbeitsgruppe besprochen und diskutiert. Damit wurde ein tragfähiges Fundament für eine erfolgreiche Umsetzung des Projektes geschaffen.

Karl-Peter Mütze, Vorsitzender des Trägervereins Natur- und Lebensraum Vogelsberg e. V., danke vor allem den engagierten Akteuren im Vogelsberg, die das Projekt ermöglichen. „Die Auszeichnung als Natur und Landschaft von bundesweiter Bedeutung ist für uns Anerkennung der Generationen, die unsere Kulturlandschaft geschaffen haben, wie auch Ansporn, diese in Zukunft zu erhalten und zu entwickeln“, so Mütze. Und er ist sich sicher: „Wir tun der Natur mit diesem Projekt einen großen Gefallen.“

Einen herzlichen Dank für das Engagement des Trägervereins sowie an die Landes- und Bundesinstitutionen richtete auch der Erste Kreisbeigeordnete Peter Zielinski: diese Fördermittel ermöglichten vieles was aus eigener Kraft nicht zu leisten wäre. „Es wird neben der Natur auch dem Wohle der hier lebenden Menschen dienen, wenn hier ein starkes Naturerlebnis erhalten bleibt“, so Zielinski. Und es sei im Hinblick auf den Tourismus ein wichtiger Faktor, hier im Vogelsberg eine attraktive Landschaft zu erhalten – „die Erfolge werden wir in einigen Jahren sehen können“.

Exkursion zum Wiesendrusch

Im zweiten Teil der Veranstaltung ging es unter der Leitung von Günter Schwab, dem Projektleiter, zu einer kleinen Exkursion. Vertreter des Bundesumweltministeriums, des Hessischen Umweltministeriums, des Bundesamtes für Naturschutz, des Regierungspräsidiums Gießen, Landtagsabgeordnete und Vertreter von Vogelsbergkreis und Naturschutzverbänden wurden mit dem Bus in ein beispielhaftes Kerngebiet gefahren. Auf Bergmähwiesen zwischen dem Parkplatz „Niddaquelle“ und der Taufsteinhütte konnte live miterlebt werden, wie eine Wiese nahe der Forellenteiche mit einem Mähdrescher gedroschen wurde.

Rund 30 Hektar Wiesen wolle man im Laufe dieses Jahres „ernten“, so Schwab, um mit dem Saatgut andere Stellen – z. B. nach der Entbuschung von Flächen – zu artenreichen Wiesen zu machen. So war dann auch der zweite Stopp am Waldrand zwischen Taufsteinhütte und Jugendherberge gelegen, von wo aus der Blick auf einen gegenüberliegenden Hang ging, an dem Entbuschungsmaßnahmen auf dem Plan stehen.

Mehr zum Naturschutzgroßprojekt: www.naturschutzgrossprojekt-vogelsberg.de

Vereinsvorsitzender Karl-Peter Mütze: "Hier finden Sie keine Transparente gegen das Projekt - wir machen etwas Gemeinsames".

Projektleiter Günter Schwab erklärte die Besonderheiten, Ziele und geplanten Maßnahmen und führte durch die anschließende Exkursion.

Der Mähdrescher bei der "Wiesenernte" im Naturschutzgebiet an den Forellenteichen.

Günter Schwab und der Vereinsvorsitzende Karl-Peter Mütze erklären den Wiesendrusch.

Das Druschgut muss jetzt schnell getrocknet werden, damit es im Herbst ausgesät werden kann.

Und so sieht das Ernteergebnis aus: Säcke mit Saatgut für artenreiche Wiesen.