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Die Heidefläche „Birkich“, Schafzucht und Rotes Höhenvieh

10.07.2015 Von: Dieter Graulich

Dr. Jörg Weise (mitte) informiert über das Arnika-Programm. Fotos: Dieter Graulich

Länderübergreifende Fachexkursion im Vogelsberg

Großen Anklang bei den Schafhaltern, Behörden und Verbänden findet die alljährliche Länderübergreifende Fachexkursion in Hessen und Thüringen zum Thema „Landschaftspflege“. Ausrichter der seit knapp 20 Jahren bestehenden Veranstaltung war der Schafhalterverein Vogelsberg und das Amt für den ländlichen Raum und Daseinsfürsorge, Sachgebiet Landschaftspflege, Forsten und Naturschutz, beim Landrat des Vogelsbergkreises. Als Schwerpunkt hatten die Ausrichter die „Biodiversitätsberatung – Konzept für eine gesamtbetriebliche Beratung der Schäfereien sowie Vorstellung eines Managementkonzeptes zur nachhaltigen Stabilisierung von Arnikapopulationen im Tiefland“ gewählt.

Amtsleiter Klaus-Peter Mütze und Vorsitzender Wolfgang Pschierer, zeigten sich bei der Begrüßung der über 30 Teilnehmer, an der Heidefläche „Am Birkich“ in der Nähe der Burgruine Wartenberg erfreut, dass es wieder gelungen sei, Schafhalter, Naturschützer und Behördenvertreter des Landkreises, Regierungspräsidiums und des Ministeriums sowohl aus Hessen wie auch aus Thüringen an einen Tisch zu bekommen, um die Probleme der Landschaftspflege beider Länder gemeinsam zu besprechen. Besonderer Gruß galt Klaus Schönfeld, dem ehemaligen Vorsitzenden des Schafhaltervereins Vogelsberg und Arno Rudolph, dem Zuchtleiter Schafe von Thüringen, die diese Fachexkursionen kurz nach der Grenzöffnung ins Leben gerufen hatten.

Zum zweiten Mal nach seinem Amtsantritt im Januar dieses Jahres war Wartenbergs Bürgermeister Dr. Olaf Dahlmann am Birkich. Er war erstaunt, welche Aktivitäten von Seiten der Behörden und des Naturschutzes in den letzten Jahren erfolgt waren, um diese Heidefläche vom Bewuchs freizuhalten. Diese Maßnahmen stellte Joachim Schönfeld vom Amt für den ländlichen Raum und Kurt Frey von der Naturlandstiftung vor. An mehreren Stellen waren deutlich die unterschiedlichsten Methoden der Freihaltung wie durch Beweidung mit Ziegen und Schafen, normalem und starkem Mulchen und Entbuschung zu sehen. Derzeit wird die Fläche von den Merino Landschafen der Schäferei Manfred Höll GbR freigehalten. Höll stellte sein Konzept der Beweidung vor und der Erfolg war bereits an einigen Flächen zu erkennen. Insgesamt hat die Schäferei Höll 360 Tiere, die auf 400 aufgestockt werden.

Im Anschluss ging Dr. Jörg Weise auf das Managementkonzept zur nachhaltigen Stabilisierung von Arnikapopulationen im Tiefland ein. Er wies darauf hin, dass die Bestände der mitteleuropäischen Blütenpflanze Arnika dramatisch eingebrochen seien. Am Beispiel von Beständen und Standorten in Mittelhessen erforsche das Projekt „Arnica Montana“ die Hintergründe des Rückgangs. Darauf aufbauend werde ein deutschlandweit übertragbares Managementkonzept für den Arterhalt entwickelt und erprobt. Eine der insgesamt fünf Projektregionen sei der Vogelsberg. Am Rast- und Infopoint an der Burgruine Wartenberg stellten Wolfgang Wagner und Markus Hofmann vom Büro Planwerk ein Konzept zur nachhaltigen Biodiversitätsberatung für Schäfereien in der Wetterau vor.

Im Anschluss an das Mittagessen stellte Astrid Steinhof vom Verein Rotes Höhenvieh am Hofgut Rudlos das Rote Höhenvieh vor. Es galt schon früher als ein genügsames und robustes Rind. Besonders auf extremen Standorten biete das Rote Höhenvieh durch seine ausgesprochene Genügsamkeit und seine Widerstandsfähigkeit eine ideale Möglichkeit der Grünlandverwertung. Dass die Tiere früher als Arbeitstiere Verwendung fanden, komme ihnen bei einer extensiven Haltung in Form von Mutter- oder Ammenkuhhaltung sehr entgegen. Kräftiges Fundament und harte Klauen ermöglichen eine problemlose Haltung auf Grenzstandorten bis in extreme Lagen. Neben der guten Konstitution zeichne sich das Rote Höhenvieh durch seine besondere Leichtkalbigkeit aus. Dies sei Voraussetzung für die hohe Vitalität der Kälber und daraus resultierenden geringen Kälberverluste. Die gute Milchleistung der Kühe biete den Kälbern eine ausreichende Nährstoffgrundlage und ermögliche den Einsatz des Roten Höhenviehs nicht nur in der Mutterkuh- sondern auch in der Ammenkuhhaltung.

Letzter Besichtigungspunkt war der „Klingelhof“ von Patricia Heilbronn in Altenburg. Es gab einen regen Gedankenaustausch mit den Thüringer Kollegen bezüglich der Milchschafrassen. Frau Heilbronn melkt jeden Tag morgens und abends zehn bis zwölf Tiere mit der Hand und verarbeitet die Milch in der eigenen kleinen Hof-Keller Käserei. Die anwesenden Personen zeigten sich überrascht vom Aufwand aber auch Professionalität des Betriebes der Schafhalterin. Es wurden die Käse und Fleischprodukte in gemütlicher Runde probiert und viele nutzten die Gelegenheit einige Produkte abschließend noch zu erwerben. „Der Besuch dieses Betriebes hat sich gelohnt und ist für weitere Exkursionen zu empfehlen“, so Joachim Schönfeld abschließend. Im kommenden Jahr wird die Fachexkursion wieder in Thüringen ausgerichtet. Dieter Graulich

Bürgermeister Dr. Olaf Dahlmann und Amtsleiter Karl-Peter Mütze im Gespräch (vorne links)

Astrid Steinhof (links) stellt das Rote Höhenvieh vor.