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„Brüder-Grimm-Schule bleibt unverzichtbar“ - Kreis investiert 800.000 Euro in Anbau

22.05.2015 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

Für den Eingang des neuen Anbaus gab es einen Schließzylinder für Schulleiterin Claudia Janich aus den Händen von Landrat Manfred Görig und Schuldezernent Peter Zielinski. Projektleiter Jürgen Henke (v.l.), der ehemalige Schulleiter Erwin Norwig und Berthold Habermehl vom Amt für Schulen und Liegenschaften (rechts) begleiteten die Baustellenbegehung. Fotos: Gabriele Richter, Pressestelle Vogelsbergkreis.

Vier neue Räume an der Schule für praktisch Bildbare

Der Zeitpunkt für den Ausbau der Brüder-Grimm-Schule in Alsfeld sei genau der richtige – gerade auch vor dem Hintergrund der Diskussionen zum Thema Inklusion. Landrat Manfred Görig und Schuldezernent Peter Zielinski betonten beim Ortstermin auf der fast abgeschlossenen Baustelle, dass „diese Schule für uns unverzichtbar ist“ und dass die Investition von rund 800.000 Euro in den Ausbau „für die Zukunft gut angelegtes Geld“ ist. Schon seit Jahren sei zusätzlicher Raumbedarf dagewesen, jetzt endlich wird der Anbau mit vier weiteren Räumen wahr. In die neuen Räume zieht die Verwaltung um und macht damit Platz für einen weiteren Klassenraum und zwei Snoezelenräume für Schwerst- und Mehrfachbehinderte.  

Inklusion war das beherrschende Thema am Tisch: Landrat Görig äußerte Zweifel, dass die Inklusionspolitik des Landes funktioniert. Es komme zu wenig Geld vom Land für die personelle Ausstattung an Regelschulen. „Das mit der Inklusion ist noch nicht rund“, so Görig. Es könne bestenfalls ein „Mitlaufen“ der Kinder werden, und das könne und dürfe nicht ausreichen. Skepsis äußerte auch Peter Zielinski, der die Inklusion zwar für einen guten Ansatz hält, aber die Beschränkung auf die Schulen für falsch. Es müsse um Teilhabe in der Gesellschaft gehen und nicht um ein zwanghaftes Inkludieren aller behinderten Kinder in Regelschulen, nur weil es ein entsprechendes Gesetz gebe, ohne die entsprechende Vorbereitung und nötigen Ressourcen.    

„Balsam für die Seele“ seien diese Worte der Unterstützung, sagte Schulleiterin Claudia Janich. Sie müssten sich als Förderschule oft den Vorwurf anhören, dass sie „exkludieren und separieren“, dabei seien die Fachkräfte an der Schule einzig daran interessiert, die Schüler bestmöglich zu fördern und zu größtmöglicher Selbstständigkeit zu führen. Das sieht auch der ehemalige Schulleiter Erwin Norwig so, der in der aktuellen Inklusions-Debatte die Gefahr eines Rückfalls in längst vergangene Zeiten sieht: Über Jahrzehnte habe sich die Schule zu dem heutigen sehr guten Stand hin entwickelt, Eigenständigkeit und Alltagskompetenzen der behinderten Menschen würden bestens gefördert – „jetzt wird das alles ohne Not bedroht und wirft uns um Jahre zurück“. Und alles auf dem Rücken der Betroffenen, die dann vielleicht in einer Regelschule „Schiffbruch erleiden“ und zurück in die Förderschule kommen. „Die Kinder wissen und merken sehr wohl, wenn sie die Schwächsten sind“, so Norwig.  

Die Brüder-Grimm-Schule war 1984 gebaut worden, ausgelegt für 40 Schülerinnen und Schüler. Zwischenzeitlich wurden sogar über 70 Kinder betreut und beschult, dank des guten Rufes, den die Schule hessenweit genießt. Heute sind rund 50 Kinder an der Schule, selbst aus dem Frankfurter Raum und aus dem Schwalm-Eder-Kreis kommen sie an die Brüder-Grimm-Schule. „Hier werden mehrfach behinderte Schüler wesentlich besser auf ein eigenständiges Leben in der Gesellschaft vorbereitet als es in einer überforderten Regelschule möglich wäre“, ist sich Norwig sicher. Ein aktueller Fall zeigt die Problematik: Ein Kind mit Down-Syndrom sollte eine Regelschule besuchen, berichtet Berthold Habermehl. „Das Staatliche Schulamt hat keine Möglichkeit gesehen, dafür zusätzliche Ressourcen bereitzustellen.“

Blick von der Straße auf den neuen Anbau.