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Telefonieren mit fliegenden Fingern: neue dienste Vogelsberg GmbH

30.10.2014 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

Die Telefonschriftdolmetscher/-innen der „neue dienste Vogelsberg GmbH“ mit dem Zertifikat der vhs: Michael Döller, Gabriele Görnert, Christa Bechstein-Krieger, Angelika Droeße und Ramona Stieler (vorne v.l.). Auf dem Foto fehlen Barbara Becker und Herdis Bauer, die ebenfalls ein Zertifikat erhalten haben. Hintere Reihe v.l.: Bildungsdezernent Peter Zielinski, Tilla Lotz und Kirsten Wegwerth (vhs) sowie Dagmar Gottschalk (Teamleitung). Fotos: Gabriele Richter, Pressestelle Vogelsbergkreis.

Bundesweiter Telefonschriftdolmetschdienst für hörgeschädigte Menschen – vhs überreichte Zertifikate

Mindestens 400 Anschläge in der Minute und am Gesprächsende ein verständlicher und vollständiger Text – das sind die Grundvoraussetzungen für die Arbeit im Telefonschriftdolmetschdienst der „neue dienste Vogelsberg GmbH“. Sechs Telefon-Schriftdolmetscherinnen und ein Telefon-Schriftdolmetscher haben sich einer externen Überprüfung ihrer Textverarbeitungskompetenz durch die vhs gestellt und mit Bravour bestanden. Aus den Händen von Bildungsdezernent Peter Zielinski und Kirsten Wegwerth (Fachbereichsleitung Berufliche Bildung an der vhs) nahmen sie ihre Zertifikate entgegen. „Beeindruckend aber doch weitgehend unbekannt“ sei dieses bundesweit einmalige Dienstleistungsangebot, gestand der Dezernent und sicherte seine Unterstützung bei dem Bekanntmachen des Angebots zu.

Dagmar Gottschalk, Teamleiterin der neue dienste Vogelsberg GmbH, weiß um die Professionalität ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die weit mehr mitbringen als die Mindestanforderungen: „Neben der Schreibgeschwindigkeit braucht es schon ein rhetorisches Geschick und Verständnis für die Hörgeschädigten“, erklärte sie. „Außerdem muss ein Telefon-Schriftdolmetscher Ruhe bewahren und das Gespräch gut moderieren können, zusätzlich zum eigentlichen Gesprächsinhalt sind auch so etwas wie Regieanweisungen zu geben.“ Sie hatte die vhs mit der Prüfung beauftragt, „für einen Blick von außen und das eigene Qualitätsmanagement“. Glückwünsche ans Team überbrachte sie auch im Namen von Karina Lindner, Geschäftsführerin der Neuen Arbeit und neue dienste Vogelsberg, die zur Zertifikatsübergabe terminlich verhindert war.

Die Prüfkriterien bezogen sich auf die Prüfungsordnung des Deutschen Schwerhörigenbundes e.V. für Schriftdolmetscher, erläuterte Kirsten Wegwerth. Anhand einer unter Aufsicht erstellten Live-Telefon-Mitschrift mit insgesamt 4000 Anschlägen wurden Schreibgeschwindigkeit (mind. 400 Zeichen pro Minute), Verständlichkeit des geschriebenen Textes und die Vollständigkeit des geschriebenen Textes überprüft (65 Prozent des Textes müssen vorhanden sein). „Sehr beeindruckend und professionell“ sei diese Arbeit gewesen – besonders für Tilla Lotz, die in beide Rollen schlüpfen durfte und sich als Hörende wie auch als Hörgeschädigte über die Plattform Tess Tescript anmeldete und die Vermittlungsarbeit der Telefondolmetscher hautnah erlebte.

Telefonschriftdolmetscher Michael Döller bei der Arbeit

Über den PC-Lautsprecher ertönt das Klingeln eines Telefons, der Bildschirm blinkt. Telefonschriftdolmetscher Michael Döller setzt sein Headset auf und nimmt den Anruf entgegen: Er klickt auf ein grünes Symbol und tippt die Begrüßungszeile „Herzlich Willkommen bei Tess, 7 Tage die Woche erreichbar – von 8 bis 23 Uhr“ ein. Im oberen Bildschirmfenster schreibt Max Mustermann: „Bitte rufen Sie die Praxis Müller in Alsfeld für mich an.“

Herr Döller wählt, für jedes Freizeichen das ertönt tippt er drei Punkte. Als sich die Praxis meldet schreibt er mit fliegenden Fingern das Gesprochene mit und sagt gleichzeitig: „Guten Tag, hier ist Tess, der Telefonvermittlungsdienst für Hörgeschädigte, ich bin live über Chat mit Herrn Mustermann verbunden. Er ist hörgeschädigt und ich vermittle das Gespräch. Herr Mustermann schreibt: Hallo, ich möchte gerne einen Termin beim Arzt vereinbaren zum jährlichen Check-Up. Können Sie mir einen vorschlagen, am liebsten nachmittags?“ Der Telefon-Schriftdolmetscher liest der Sprechstundenhilfe die Zeilen laut vor und sagt am Ende: „Sie können jetzt antworten!“

Die Angerufenen seien manchmal irritiert und vermuteten ein Call-Center am anderen Ende der Leitung, weil im Display eine 0180er-Nummer angezeigt wird, erzählt Herr Döller. „Manche legen auch verschreckt auf, lassen sich aber beim zweiten Anrufversuch erklären, dass es sich um die Vermittlung eines Gesprächs für einen Gehörlosen oder Hörgeschädigten handelt und nicht um ein Verkaufsgespräch“, schmunzelt er.

Rund 2.500 Telefongespräche werden monatlich verdolmetscht – die Profis der neue dienste Vogelsberg GmbH sind seit 2006 als Dienstleister für die „Tess Relay Dienste GmbH“, dem bundesweiten Telefondolmetschdienst für hörgeschädigte Menschen, im Bereich Textvermittlung (Tess TeScript) tätig.

Telefonschriftdolmetscher Michael Döller bei der Arbeit.