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Gelingende Erziehung: Ohne Zwang und mit Wertschätzung - 20 Jahre Lauterbacher Fachschule für Sozialpädagogik

10.10.2014 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

Fachbereichsleiterin Marion Göhler moderierte die Festveranstaltung und zeigte sich sichtlich erfreut über die aufbauenden Worte der Festredner. Fotos: Vogelsbergschule

Wie sieht professionelle Erziehung aus?

Die Fachschule für Sozialpädagogik in Lauterbach hat ihr 20-jähriges Bestehen gefeiert. Viele Wegbegleiter waren zur Jubiläumsveranstaltung - verbunden mit einer Fachtagung - in die Sparkassen-Aula gekommen, um einen Blick zurück auf die bisherige Arbeit zu werfen, aber auch, um sich der Zukunft zu widmen. Alle Redner und Gratulanten bescheinigten der Fachschule einen ausgezeichneten Ruf, die Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher dort sei „besonders gut und anders als gewöhnlich“. Die Studierenden selbst –Studierende der Klasse 12 FSP – präsentierten ihre Ideen zu einer professionellen Erziehung: Ohne Zwang und Einengung, dafür wertschätzend und ressourcenorientiert.

„Begonnen haben wir im August 1994 mit 29 Studierenden. Inzwischen ist die Nachfrage derart gestiegen, dass wir trotz Erhöhung der Ausbildungsplatzzahlen nicht alle Interessenten aufnehmen können“, berichtete Holger Arnold, Schulleiter der Vogelsbergschule, in seiner Rückschau. Er bezeichnete die Fachschule als „richtungweisend“ und als eine, die „Spuren hinterlassen hat“. Sein Dank ging an das Fachschulteam für die geleistete „Entwicklungsarbeit“ und an die Praxiseinrichtungen und Kooperationspartner für deren Bereitschaft zur Zusammenarbeit.

In seinem Grußwort nannte der Kreisbeigeordnete Gerhard Ruhl eine beeindruckende Zahl: Seit Bestehen der Fachschule wurden rund 800 Menschen in Voll- und Teilzeit zu Erzieherinnen und Erziehern ausgebildet, um den Bedarf an Fachkräften zu decken. Er betonte: „Nur wenn uns gelingt, in die Frühpädagogik zu investieren, können teure Folgekosten für Interventionsmaßnahmen in der Jugendhilfe eingespart werden. Deswegen bin ich auch ein Verfechter ‚Früher Hilfen’. Ich streite aber auch für die gesellschaftliche Anerkennung des Erzieherberufes und eine angemessene Bezahlung der Fachkräfte.“ Er verwies auch auf die gute Kooperation mit der Fachstelle für Kindertageseinrichtungen des Vogelsbergkreises, die im Jugendamt angesiedelt ist, und dankte der Schulleitung und dem Fachschulteam für die herausragende Arbeit.

Das Lehrerteam mit seinem engagierten Einsatz, das Konzept, das eine enge Verbindung mit der sozialpädagogischen Praxis entwickelt hat, und den regelmäßigen Austausch im Kollegenkreis bezeichnete Elke Fleischer, Abteilungsleiterin an der Vogelsbergschule, als „Juwelen, die ich sehr schätze“. Ihre Wünsche für die Zukunft: Ein starker Wille, dieses Konzept weiter zu vertreten und weiterzugeben, entstehende Turbulenzen zu bewältigen und auch in Zukunft für eine gute Atmosphäre zu sorgen.

Langjährige Wegbegleiter aus der Jugendhilfeeinrichtung Leppermühle in Buseck, einer Kinderkrippe der AWO Frankfurt und dem Haus am Kirschberg in Lauterbach teilten die Einschätzung, dass die Lauterbacher Fachschule deshalb so besonders ist, weil die Konzepte der Ausbildung in der Praxis gelebt werden. Aus Fachwissen und Persönlichkeitsbildung entstünden dort Erzieherinnen und Erzieher mit einer guten Haltung und einem wissenden und wertschätzenden Umgang mit Menschen. „Diese Schule ist anders“ resümierte Henner Conrad vom Haus am Kirschberg, und stellte fest, dass er die meisten Absolventen, die im „Haus am Kirschberg“ arbeiten, als „reflektierte und zugewandte Pädagogen“ erlebt.

Beim Blick in die Zukunft verwies er auf einen erhöhten Bedarf an Fachkräften und machte sich gleichzeitig Sorgen um eine mögliche „Verschlankung der Ausbildung, um schnell den nötigen Nachwuchs zu produzieren“. Er hoffe, dass die Fachschule mit ihrem guten Konzept dieser Tendenz etwas entgegensetze.

„Highlights der vergangenen 20 Jahre“ und die Frage „Wie können wir 20 plus denken?“ waren Überschriften von Norbert Ludwig, Mitglied des Teams der Fachschule. Darunter zählte er Henrike Selbmann als „eine Frau der ersten Stunde“, die sich für die Installierung einer Fachschule für Sozialpädagogik an der Vogelsbergschule einsetzte, Karin Graue, Abteilungsleiterin in der Gründungsphase, die sich ebenfalls sehr aktiv und bestärkend diese Schulform geprägt hat.

Weiter gehörten dazu Brigitte Folke, die sich als ehemalige Fachberaterin des Vogelsbergkreises darum bemüht hat, eine hochwertige Ausbildungsmöglichkeit für Erzieherinnen im Vogelsbergkreis zu initiieren, Siegfried Scheld vom Hessischen Fortbildungswerk, der in der Anfangsphase „Pate“ für die Konzept- und Teamentwicklung war sowie Mechthild Krahl-Tümmler und Klaus-Peter Krahl, die mit ihren inhaltlichen Impulsen diesem Konzept zur Arbeit nach dem Situationsansatz auf die Füße halfen.

Highlights seien auch viele Kooperationspartner – von den Kindertageseinrichtungen über Jugendhilfeeinrichtungen und Einrichtungen der Behindertenhilfe bis hin zu dem Jugendwaldheim „Petershainer Hof“, in dem die Studierenden Waldpädagogik nahe gebracht bekommen sowie die gute Kooperation mit den beiden Kolleginnen aus der Fachberatung des Kreises, Claudia Pelinka und Monika Lein.

Inge Fettig überbrachte Grüße des Staatlichen Schulamts. Der Ansatz der Lauterbacher Fachschule wird dort sehr geschätzt. Ihr Appell war ein aufrichtiges: „Weiter so!“

Im Rahmen der Jubiläumsverantaltung referierte die renommierte Pädagogin und Publizistin Daniela Kobelt-Neuhaus „Ausbildung nach dem Situationsansatz“. Ein ausführlicher Bericht zu diesem Vortrag folgt.

Kreisbeigeordneter Gerhard Ruhl überbrachte die Grüße des Landkreises und lobte die hohe Qualität der Fachschule.

Schulleiter Holger Arnold begrüßte die rund 100 Festgäste zur Jubiläumsfeier.

Die Theatergruppe der 12 FSP zeigte anschaulich, um was es bei gelingender Erziehung geht: um Wertschätzung und um die fachlich fundierte Einschätzung der aktuellen Situation in der Beziehung mit den Kindern.