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Demografie: Wie kann die Infrastruktur bezahlbar bleiben?

07.10.2014 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

Landrat Manfred Görig (links) und Bürgermeister Heiko Stock lobten den im Vogelsberg angestoßenen „Abwasserleitfaden" als „revolutionär für Hessen". Foto: Erich Ruhl, Pressestelle Vogelsbergkreis

Am Montag informierten Wissenschaftler, Bürgermeister und Landrat in Dirlammen über den „Abwasserleitfaden"

Die Professoren Ulf Theilen und Peter Jahnen, Landrat Manfred Görig und Bürgermeister Heiko Stock informierten im Dorfgemeinschaftshaus Lautertal-Dirlammen in einer gut besuchten Veranstaltung über den „Abwasserleitfaden". Nach einer Veranstaltung im Juli dieses Jahres, die in der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) erhebliche Aufmerksamkeit in der Wissenschaft und der Fachwelt hervorrief (wir berichteten), fand nun eine weitere Vorstellung des Leitfadens in Dirlammen statt, um insbesondere die Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker über den Stand der neuen Diskussion zu informieren.

Abwasserinfrastruktur in Zeiten rückläufiger Bevölkerungszahlen so gestalten, dass sie für die Bürger bezahlbar bleibt und gleichzeitig die hohe Qualität des Grundwassers sichert. Das war die diskutierte Herausforderung. Der Leitfaden ist aus Impulsen im Vogelsberger MORO-Demografie-Projekt entstanden und hat landesweit große Beachtung gefunden. Kernstück des Leitfadens, das noch dieses Jahr fertig werden soll und für alle ländliche Kommunen hoch interessant ist: auf dezentrale Lösungen setzen. Das spart bis zu 30 Prozent der Kosten.

Der Leitfaden wurde nicht nur theoretisch, sondern vor allem anhand der tatsächlichen konkreten örtlichen Situation dargestellt, die sich in ähnlicher Form auch auf andere Kommunen des Vogelsbergkreises und Hessens übertragen lässt. An der Veranstaltung nahm auch Andreas Gräfe teil. Er ist der zuständige Referent im Umweltministerium (Bereich Abwasserbeseitigung und anlagenbezogener Gewässerschutz). Die Veranstaltung wurde moderiert von Claudia Kempf, Redaktionsleiterin des Lauterbacher Anzeigers.

Aus Sicht von Landrat Görig ist die Erstellung des Leitfadens ein wichtiges Signal, dass die Herausforderung der Abwasserentsorgung hinsichtlich Finanzierung und Anpassung an die demografischen Erfordernisse in den ländlichen Regionen Hessens in Wiesbaden registriert wird. Bürgermeister Stock stellte heraus, dass der Leitfaden völlig neue Ansätze enthält. Zum Beispiel soll die Einbeziehung der Dorf- und Stadtentwicklung ermöglicht werden. Über die reine technische Abwasserinfrastruktur hinaus soll bewertet werden, welche Auswirkungen eine Aufgabe oder eine Veränderung der Abwasserinfrastruktur auf die Dorfentwicklung haben kann.

Bürgermeister Stock ist auch erfreut darüber, dass offenkundig durch die Vogelsberger MORO-Impulse eine gewisse „Synchronisation" in dieser Thematik zwischen verschiedenen Ministerien und der Staatskanzlei eingesetzt habe. Der ländliche Raum mit seinen Problemen werde nun in Wiesbaden besser verstanden. Landrat und Bürgermeister waren sich einig: „Die Region muss selbst aktiv werden." Stock dankte dem Umweltministerium für seine Aufgeschlossenheit, sich nun auch mittels der Wissenschaft dieser „Generationenaufgabe" zu nähern.

Professor Theilen und Professor Jahnen teilten sich den wissenschaftlichen Vortrag mit Blick auf die technischen Herausforderungen einerseits und die städtebaulichen sowie sozialen Auswirkungen von Infrastrukturmaßnahmen andererseits. Es gelte, die Ortskerne zu stärken und zu sichern und die Dörfer lebenswert zu erhalten. Nachhaltigkeit müsse in den Kategorien Ökologie, Ökonomie aber auch bezogen auf die soziale Kultur betrachtet werden. Die enormen Fixkosten von über 75 Prozent verlangten nach Lösungen, die dezentraler ausgelegt sein müssten. Die Attraktivität des ländlichen Raumes dürfe nicht durch zu teure Lebenshaltungskosten torpediert werden.

Klare Plädoyers für eine gerechtere Verteilung zwischen Stadt und Land kamen von Landrat Görig und Bürgermeister Stock, nachdem Professor Theilen dargelegt hatte, in Frankfurt koste das Wasser nur ein Viertel des hiesigen Preises. Gleichzeitig sei aber der Vogelsberg ein Hauptwasserlieferant nach Rhein-Main. „Es muss einen fairen Ausgleich geben", rief Landrat Görig und großem Beifall der anwesenden Kommunalpolitiker. Umweltreferent Gräfe bejahte dies im Grundsatz und verwies dabei auf die anstehende Neugestaltung des Kommunalen Finanzausgleichs: „Da gehört es hinein."

Abschließend betonte Landrat Görig, die Studie und der Leitfaden seien nicht „für den Aktenschrank" produziert worden. Es komme nun darauf an, ihn auch wirklich umzusetzen. Zum Nutzen der Region und der Bürger. Görig unterstrich den „hervorragenden Ansatz", dass beim Abwasserleitfaden die bezahlbare Infrastruktur und die moderne Dorfentwicklung „zusammengedacht" werden.