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Desinfektionsmittel im Haushalt unnötig

27.09.2000 Von: Pressestelle Kreisverwaltung Vogelsberg

Hygiene im Haushalt: Antibakterielle

Mittel sind überflüssig

Gesundheitsamt: Unnötige Umweltbelastung

und gesundheitliche Risiken

VOGELSBERGKREIS ( ). Reinigung mit herkömmlichen Mitteln ist zur Sicherung der Hygiene im Haushalt völlig ausreichend. Darauf macht das Kreis-Gesundheitsamt in einer Presseverlautbarung aufmerksam. Der Einsatz von Desinfektionsmitteln im Haushalt ist grundsätzlich überflüssig. Ähnlich wie mehrere Bundes-Institute sieht auch das Vogelsberger Gesundheitsamt aktuelle Werbekampagnen der Hersteller von Wasch- und Reinigungsmitteln, die immer mehr Produkte mit bakterizider, antibakterieller und antimikrobieller Wirkung propagieren, mit großen Bedenken. Der Einsatz dieser Mittel belaste die Umwelt unnötig und berge darüber hinaus gesundheitliche Risiken, macht Dr. Hildegard Schulte, Leiterin des Gesundheitsamtes, deutlich.

Im medizinischen Bereich sei jedoch der gezielte Einsatz von Infektionsmitteln und Antiseptika in ausreichend hohen Anwendungskonzentrationen unverzichtbar.

Mangelnde Kenntnisse über persönliche Hygiene und den hygienischen Umgang mit Lebensmitteln sind eher das Grundproblem im privaten Haushalt und Hauptursache für Lebensmittelinfektionen. Herkömmliche Reinigungsverfahren mit Wasser, falls nötig auch mit fett- oder eiweißlösenden Mitteln und kräftiger Oberflächenbehandlung (Bürsten, Reiben) reichen aus, um mögliche Verschmutzungen auf ein gesundheitlich unbedenkliches Niveau zu bringen. Die wichtigste Maßnahme zum Schutz vor Infektionen durch verschiedene Keime (z.B. Salmonellen, Campylobacter, Staphylokokken) ist Händewaschen, besonders nach dem Toilettengang. Besondere Vorsicht ist beim Umgang mit leicht verderblichen Lebensmitteln, wie rohen Fleisch- und Geflügelprodukten und Speisen, die Frischei enthalten, geboten.

Bei Einhaltung der hygienischen Grundregeln ist der Einsatz antibakteriell ausgerüsteter Reinigungsprodukte überflüssig, zumal die Wirksamkeit häufig nicht erwiesen ist. In aller Regel reichen die Konzentration und Einwirkdauer der antibakteriellen Substanzen für eine effektive Desinfektion nicht aus. Ein weiteres gesundheitliches Problem: Die Hautflora kann sich verändern und für den wirklichen Fall des Falles können echte Antibiotika möglicherweise nicht mehr "greifen".

Ein Teil der eingesetzten bioziden Wirkstoffe ist unter Umweltaspekten bedenklich und wurden bereits im Rahmen internationaler Abkommen zum Schutz der Meere als gefährliche Stoffe identifiziert. Insbesondere biozide Wirkstoffe, die Phenole und Halogene enthalten, können bei entsprechenden Konzentrationen die Arbeit biologischer Kläranlagen beeinträchtigen. Dadurch wird die Reinigungsbelastung der Kläranlagen verringert und Schadstoffe gelangen in die Flüsse und Seen. Dort können sie Wasserorganismen schädigen und die Trinkwasseraufbereitung beeinträchtigen. Deshalb ist aus Sicht des Umweltbundesamtes der Einsatz von antimikrobiell wirksamen Stoffen in Wasch- und Reinigungsmitteln unerwünscht. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund der weltweiten Diskussion um eine nachhaltige Entwicklung der sogenannten "Responsible Care"-Initiative der Industrie, des im Umweltschutz allgemein akzeptierten Vorsorgeprinzips. Auch die neue Biozid-Richtlinie hat das Ziel durch die Regelung des Inverkehrbringens von Biozid-Produkten ein hohes Schutzniveau für die Umwelt zu gewährleisten.