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Erträge passen - Preise nicht: "Verlauf der Ernte 2014 nervenaufreibend"

15.08.2014 Von: Dieter Graulich

Betriebsleiter Christoph Hardt mit Erwin Eurich, Herbert Stürz, Kurt Wiegel und Friedhelm Schneider bei der Begutachtung von Winterweizen (von links); Fotos: Dieter Graulich

Kreisbauernverband Vogelsberg zog erste Bilanz

„Es ist mir wichtig in die Betriebe zu gehen, damit ich sehe, wie es vor Ort aussieht“, so Friedhelm Schneider, Präsident des Hessischen Bauernverbandes, beim Pressegespräch des Vogelsberger Bauernverbandes auf dem Betrieb Christoph Hardt im Grebenhainer Ortsteil Nösberts-Weidmoos. Zusammen mit Kurt Wiegel, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Vogelsberg, und Herbert Stürz, Geschäftsführer der Raiffeisen Vogelsberg GmbH, wurde eine erste Bilanz zur Ernte 2014 in Hessen und in der Region gezogen.

Schneider ging auf die derzeitige Situation ein und wies darauf hin, dass wegen heftiger Niederschläge die Getreideernte immer wieder unterbrochen werden musste. Hessenweit seien im Juli rund 130 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen, mehr als doppelt so viel wie sonst üblich. Dabei habe es gravierende regionale Unterschiede gegeben: Alsfeld habe beispielsweise das Dreifache der normalen Julimenge abbekommen, in der Rhön hingegen waren es nur etwa 30 Prozent mehr Niederschläge. "Wir brauchen jetzt trockenes und beständiges Erntewetter, damit das Getreide störungsfrei und ohne Qualitätsverluste eingebracht werden kann“, so Schneider.

Die Pflanzenentwicklung hatte aufgrund des milden Winters sehr früh begonnen, Probleme habe es aber durch die Trockenheit im März und April gegeben. Anfang April sei die Bodenfeuchte unter dem Wintergetreide in einer Schicht bis 60 Zentimeter so niedrig gewesen wie noch nie seit dem Beginn der Datenerfassung in 1962. Die Trockenheit endete im Mai und es sei das typische Aprilwetter gefolgt. Das Niederschlagsdefizit konnte aber nicht ganz ausgeglichen werden. Dies sei erst im Juli erfolgt.

In hohem Ausmaß vom Wettergeschehen abhängig 

Trotz der unterschiedlichen Wetterlagen rechne man in Hessen mit einer guten Durchschnittsernte mit mehr als zwei Millionen Tonnen Getreide. Diese Prognose sei allerdings mit Unsicherheiten behaftet, weil bislang nur etwa die Hälfte der Getreideflächen abgeerntet seien und das Wetter noch einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Sturm, Starkregen und Hagel hätten in vielen Gemarkungen Hessens ihre Spuren hinterlassen. Vom Hagel seien rund 500 Betriebe mit 14.000 Hektar geschädigt worden. Die Schadenssumme liege bei cirka fünf Millionen Euro. „Die Auswirkungen solcher Unwetterereignisse machen einmal mehr deutlich, in welch hohem Ausmaß die Landwirtschaft vom aktuellen Wettergeschehen abhängig ist“, so Präsident Schneider.

In seinen weiteren Ausführungen ging er auf die Kulturen im Einzelnen ein. Und die Preise betreffend wies er darauf hin, dass wegen europa- und weltweit guten Ernteerwartungen die Börsennotierungen und somit die Erzeugerpreise bei Getreide und den Ölsaaten seit einiger Zeit unter Druck stünden. Bis zum Herbst rechne man aber mit anziehenden Erzeugerpreisen. So seien gerade beim Weizen sehr gute Qualitäten gesucht und in Frankreich, Niedersachsen und Thüringen ließen diese offensichtlich zu wünschen übrig. Auch in Hessen gebe es Probleme, vor allem dort, wo das Getreide ins Lager gegangen sei (umliege).

Beim Grünland sei die Silage- und Heuernte in den meisten Betrieben gut ausgefallen. Mit der Ernte bei den Kartoffeln könne man zufrieden sein und gut sehe es auch bei Zuckerrüben und Mais aus. Unbefriedigend sei allerdings der Preis: bei den Frühkartoffeln liege er unter 15 Euro pro Dezitonne (100 kg). Im Vorjahr habe der Erzeuger dafür noch rund 35 Euro erhalten. Die Maisanbaufläche sei um rund 3000 Hektar auf 43300 Hektar gestiegen. Dies sei eine Auswirkung der Biogas-Anlagen. „Mir ist Mais auf Ackerboden lieber als Photovoltaikanlagen auf diesen Flächen“, betonte Schneider und wünschte sich das Biogas in die Hände der Bauern und nicht in die der Energieversorger.

Gute Erträge - lange Erntezeit - niedrige Preise

Vorsitzender Kurt Wiegel stellte fest, dass die Ernte im Vogelsberg teilweise abgeschlossen sei und auch gute Erträge gebracht habe. Der Hohe Vogelsberg liege noch etwas zurück. Wichtig sei nun ein glückliches Händchen, um im richtigen Augenblick zu ernten. Dies unterstrich auch Christoph Hardt mit den Worten: „Der Verlauf der Ernte ist nervenaufreibend!“. Er meinte auch, dass die Erträge in diesem Jahr passten, aber der Preis nicht. Betriebsinhaber Hardt stellte anschließend seinen 450 Hektar großen Betrieb, der sich in 180 Hektar Acker- und 270 Hektar Grünland aufteilte, vor. Mit 20 Hektar Fläche hätten seine Eltern diesen 1970 gekauft. 1980 habe er die landwirtschaftliche Ausbildung begonnen, 1986 den Betrieb übernommen und kontinuierlich ausgebaut.

95 Prozent der Flächen seien von 90 Eigentümern gepachtet. Die Fläche verteile sich auf zehn Gemarkungen mit einer Durchschnittsgröße der Parzellen von 2,8 Hektar. Die weiteste Entfernung zum Hof betrage sechs Kilometer. Neben zwei Pferden, die teilweise zum Viehtrieb eingesetzt würden, habe der Betrieb bis zu 450 Jungrinder, überwiegend der Rasse Holstein Schwarzbunt, zur Aufzucht. Die Aufzucht betreibe er für sechs Milchviehbetriebe und zur Exportvermarktung. Das Heu werde teilweise nach Holland verkauft und auch das Futtergetreide vermarktet. Eingesetzt würden insgesamt fünf Arbeitskräfte aus dem Familienbereich und gelegentlich Aushilfen beziehungsweise Teilzeitkräfte.

Eine gute Bilanz zog Herbert Stürz von der Raiffeisen GmbH Lauterbach als Vertreter des Landhandels. Er bezeichnete die Mengen der Wintergerste als enorm groß und beim Raps so hoch wie noch nie, aber der Preis liege unter 30 Euro/Dezitonne. Auch bei der Triticale gebe es Supererträge. Leider gehe beim Weizen die Preisschere enorm auseinander. Auch er beklagte die lange Erntezeit, die an jedem Wochenende zahlreiche Arbeitskräfte binde. Mit beim Pressegespräch war auch Erwin Eurich, Geschäftsführer der Raiffeisen Grebenhain.

Kurt Wiegel, Herbert Stürz, Christoph Hardt, Erwin Eurich und Friedhelm Schneider (von links)