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Jahreshauptversammlung Natur- und Lebensraum Vogelsberg: Naturschutzgroßprojekt im Mittelpunkt

04.08.2014 Von: Dieter Graulich

Begrüßung durch den Vorsitzenden Karl-Peter Mütze. Mit auf dem Podium (v.l.) Landrat Manfred Görig, Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser, und Projektleiter Joachim Schönfeld. Fotos: Dieter Graulich

Hochwertige Kulturlandschaft für nachfolgende Generationen erhalten

„Nach allem was ich bisher gesehen und von Ihrem Projekt erfahren habe kann ich feststellen: Es ist in den vergangenen Jahren viel geleistet worden, für die Region Vogelsberg selbst, für das Land Hessen und darüber hinaus auch für die Bundesrepublik. Die hier vorbildliche Natur hat Ihnen die Chance gegeben und Sie haben die Chance Natur ergriffen“, so die neue Staatssekretärin im Hessischen Umweltministerium, Frau Dr. Beatrix Tappeser in ihrem Grußwort zur Jahreshauptversammlung des Verein „Natur- und Lebensraum Vogelsberg“ in der Kulturscheune „Zum Wilden Mann“ im Grebenhainer Ortsteil Bermuthshain.

Das Naturschutzgroßprojekt Vogelsberg bezeichnete der Gast aus Wiesbaden als einen hochbedeutenden und ganz entscheidenden „Baustein“ zur künftigen Umsetzung der Biodiversitätsstrategie des Landes Hessen. In einer gemeinsamen, mehrere Jahre dauernden Kraftanstrengung seien seit etwa 2003 die in einer ersten Projektskizze zusammengefassten Ideen für ein Naturschutzgroßprojekt mit Schwerpunkt „Grünlandentwicklung“ zu einer visionären und schlüssigen Gesamtentwicklungskonzeption für Naturschutz und Landschaftspflege einerseits, aber auch für die weitere und darüber hinausgehende ökologisch orientierte Entwicklung der Region andererseits fortentwickelt worden.

Im Verlauf der Projektentwicklungsphase sei neben dem ursprünglich in den Fokus genommenen Schwerpunktthema Grünland zunehmen auch der Wald und dessen weitere Entwicklung in den Blickpunkt gerückt. Unter aktiver Einbindung von HESSEN-FORST seien sogenannte „Prozessschutzflächen“ im Wald planerisch lokalisiert und festgelegt worden. Sie sollen in den nächsten Jahren vollständig aus der Nutzung genommen werden und sich in urwaldähnliche Zustände hin entwickeln. Abschließend wünschte sie allen Projektbeteiligten eine glückliche Hand bei den weiteren Arbeiten und einen langen Atem, damit das Projekt in Kürze zur eigentlichen Umsetzung geführt werden könne.

Landrat Manfred Görig betonte in seinem Grußwort, das das Naturschutzgroßprojekt die hochwertige Kulturlandschaft des Vogelsberges für die folgenden Generationen als Raum der Artenvielfalt und des Naturerlebnisses erhalten und entwickeln soll. Gleichzeitig soll es Impulse für Tourismus und die Regionalentwicklung geben. Im Rahmen der Erstellung des neuen Regionalen Entwicklungskonzepts, sei das Naturschutzgroßprojekt als Leitprojekt vorgesehen. Als zentrale Ziele nannte Görig die Sicherung und Entwicklung des naturschutzfachlich hochwertigen Grünlands, die Ausweisung großflächiger Prozessschutzflächen, Sanierung und Wiedereinführung historischer Nutzungsformen der bundesweit bedeutsamen, nährstoffarmen Vogelsbergteiche, sowie die Erhaltung und Erweiterung des einigen in Hessen verbliebenen und noch regenerierungsfähigen Hochmoores, der Breungeshainer Heide.

Zu Beginn der Veranstaltung hatte Vorsitzender Karl-Peter Mütze einen Blick zurück auf das arbeitsreiche Jahr 2013 gegeben, in dessen Mittelpunkt natürlich das Naturschutzgroßprojekt mit dem Wechsel des Projektleiters Sebastian Stang zum neuen Bürgermeister von Grebenhain gestanden habe. Neuer Projektleiter wurde Joachim Schönfeld, der bereits von Anfang an in die Arbeiten mit eingebunden war. Er gab im Anschluss auch den Sachstandsbericht zum Antrag auf Förderung der Umsetzungsphase (Phase II).

Künftig noch mehr regionale Produkte vermarkten

Alle erforderlichen Arbeiten seien abgeschlossen und der Antrag eingereicht worden. Alle Beteiligten hofften nun auf den Eingang der Bewilligung bis Ende dieses Jahres. Schönfeld ging auch auf die Akzeptanz gegenüber dem Naturschutzgroßprojekt ein und meinte, dass die frühe und kontinuierliche Einbeziehung und Beteiligung aller vom Projekt betroffenen Akteure wie Landnutzer, Grundstückseigentümer, Kommunen, Verbände und Behörden, maßgeblich zur positiven Grundstimmung dem Projekt gegenüber beigetragen habe Entscheidend für die Fortführung des Projektes und den Erhalt dieser überwiegend positiven Grundstimmung sei es jedoch, dass für alle Beteiligten die Freiwilligkeit zur Umsetzung der Maßnahmen gewährleistet sei.

Peter Klingmann, Geschäftsführer der Marketinggesellschaft (MGH) „Gutes aus Hessen“ informierte im Anschluss über Erzeugungs- und Vermarktungsmöglichkeiten von Vogelsberger Produkten. Die Verbraucherwünsche und Erwartungen an Lebensmittel hätten sich in den letzten Jahren deutlich verändert und würden sich aller Wahrscheinlichkeit nach auch noch weiter verändern. Die Nachfrage nach regionalen und nachhaltigen Produkten sei in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Doch woran kann der Verbraucher ein regionales Produkt erkennen?

Die MGH GUTES AUS HESSEN GmbH habe in Kooperation mit weiteren Institutionen im Jahr 2011 für das Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung ein Gutachten zur Entwicklung von Kriterien für ein bundesweites Regionalsiegel verfasst. Aus diesem Gutachten sei das Konzept „Regionalfenster“ entwickelt worden. Dieses Regionalfenster werde seit Anfang 2014 umgesetzt und erste Produkte bereits bei Unternehmen wie Edeka, Rewe oder tegut präsentiert und verkauft. In Hessen existierten seit Jahren zwei erfolgreiche Qualitäts- und Herkunftszeichen, die von der MGH GUTES AUS HESSEN GmbH betreut werden. Zum einen das Bio-Siegel-HESSEN und zum anderen die Qualitätsmarke „Geprüfte Qualität – HESSEN“.

Die Qualitätsmarke „Geprüfte Qualität – HESSEN“ lasse sich auch auf kleinräumigere Regionen herunterbrechen. Aktuell werde dies schon im Odenwald und Spessart in dieser Form umgesetzt. Nach Meinung von Klingmann wäre dies auch eine Möglichkeit für die Region Vogelsberg die Vermarktung regionaler Produkte zu unterstützten. Zu bedenken gab er allerdings, dass man zwar von anderen Regionen lernen könne, man aber immer die Besonderheiten und Möglichkeiten der eigenen Region berücksichtigen müsse. Eine rege Diskussion schloss sich an und am Ende wurde angeregt zu diesem Thema eine gesonderte Veranstaltung durchzuführen. Im Laufe der Veranstaltung wurde noch Christoph Hardt zum Beisitzer Bereich Landwirtschaft und Christian Klüter zum 2. Stellvertreter des Viorsitzenden gewählt. Die Wahlen waren durch das Ausscheiden des ehemaligen Kreislandwirts Norbert Reinhardt erforderlich geworden. Dieter Graulich

Über Erzeugungs- und Vermarktungsmöglichkeiten von Vogelsbergern Produkten referierte Peter Klingmann.

Vorsitzender Karl-Peter Mütze und Landrat Manfred Görig verabschieden Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser.