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Demografie: Anstoß aus dem Vogelsberg führt zu hessischem Infrastruktur-Leitfaden

17.07.2014 Von: Pressestelle des RP Gießen

Die Redaktionsleiterin des Lauterbacher Anzeigers, Claudia Kempf, moderierte ein Symposium an der THM in Gießen. Bürgermeister Heiko Stock war einer der Referenten. Im Projekt MORO im Vogelsbergkreis hatte der Rathauschef konkrete Vorschläge erarbeitet, wie im demografischen Wandel Infrastruktur beim Abwasser auch künftig für die Bürgerinnen und Bürger bezahlbar bleiben kann. Zwei Ministerien und die THM kümmern sich nun um die Detail-Ausarbeitung. Am Kongress in Gießen nahmen auch die Bürgermeister aus Grebenau, Grebenhain, Herbstein, Ulrichstein, Schwalmtal und Romrod teil. Foto: Erich Ruhl, Pressestelle Vogelsbergkreis

Demografie: Lautertal-Bürgermeister Heiko Stock referierte auf Wissenschafts-Symposium an der TH Mittelhessen zum Thema Abwasser-Infrastruktur

Gießen. Über Strategien zur Anpassung der Abwasserinfrastruktur bei rückläufigen Bevölkerungszahlen im ländlichen Raum diskutierten rund 180 Fachgäste auf Einladung des Regierungspräsidiums Gießen in der Technischen Hochschule Mittelhessen. Zu dem gemeinsam mit dem Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, der Technischen Hochschule Mittelhessen sowie der Gemeinde Lautertal organisierten Symposium waren am Mittwoch (16.7.) auch zahlreiche Bürgermeister aus ganz Hessen anwesend. Ziel der Veranstaltung war es, einem möglichst breiten Publikum Wege aufzuzeigen, wie die Abwasserentsorgung in Zukunft wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll weiterentwickelt werden kann. In einem Leitfaden wurden erstmals abwassertechnische und städteplanerische Lösungsansätze analysiert und zu einem Gesamtkonzept zusammen geführt.

„Gerade der Bereich der Abwasserversorgung wird in den kommenden Jahren vor große Herausforderung gestellt". Mit diesen Worten und einem Blick in die Zukunft der Wasserwirtschaft, begrüßte Regierungspräsident Dr. Lars Witteck die Anwesenden. „Da die Infrastruktur der Siedlungsentwässerung durch lange Nutzungs- und Abschreibungszeiten von 25 bis 100 Jahren gekennzeichnet ist, ist eine schnelle Anpassung der Systeme kaum möglich", erläuterte Witteck. Infolge des Bevölkerungsrückgangs und des hohen Fixkostenanteils von etwa 80 Prozent kämen daher immer höhere Kosten auf die Bürger zu, wenn nicht bereits vorausschauend der Kern des Problems angepackt werde. Im Rahmen des Symposiums wird ein Leitfaden vorgestellt, der die Entscheidungsfindung bei Abwasserinvestitionen im ländlichen Raum unterstützen soll.

Über die künftigen Herausforderungen an die Abwasserentsorgung im ländlichen Raum referierte Andreas Gräfe aus dem Hessischen Umweltministerium. Er erläuterte, dass die Siedlungsentwicklung in Hessen unter anderem durch die schleichende Entleerung vieler ländlicher Regionen durch den demographischen Wandel geprägt werde. Auf der Grundlage von Untersuchungen zweier Ortsteile der Gemeinde Lautertal im Vogelsbergkreis soll der vorgestellte Leitfaden nun den Kommunen eine ganzheitliche Hilfestellung an die Hand geben. Nutznießer und Zielgruppe des in Gießen erstmals vorgestellten Arbeitspapiers sollen politisch Verantwortliche und Abwasseranlagenbetreiber sein, ebenso wie Planer und Behördenvertreter, wie das Experten-Dreiergespann Prof. Dr.-Ing. Ulf Theilen, Prof. Dipl.-Ing. Peter Jahnen (beide THM) sowie Dipl.-Ing. Martin Heß (Ingenieurbüro Heß) bei der Vorstellung des Papiers erläuterte.

Der Bürgermeister der Gemeinde Lautertal, Heiko Stock, berichtete den Teilnehmern aus dem Alltag und der Umsetzung des Vogelsberger Projektes, das die Grundlage des Leitfadens bildete. Aus Sicht eines Bürgermeisters einer ländlichen Kommune, so Stock, gehe es vor allem um die Frage nach der sinnvollen Weiterentwicklung der dörflichen Infrastruktur unter dem Vorzeichen des demografischen Wandels. Ein zentrales Problem sehe er im rasanten Anstieg der Abwassergebühren. Wichtig sei es daher, bereits heute bestehende Probleme wahrzunehmen, um frühzeitig mit entsprechenden Konzepten reagieren zu können.

Das Aktionsprogramm regionale Daseinsvorsorge (MORO) des Vogelsbergkreises war der Anlass für dieses Projekt.

Aber es sollte nicht bei der bloßen Theorie bleiben. Ein bereits erfolgreich umgesetztes Projekt –ein Vakuumentwässerungssystem in Schwalmtal-Rainrod- stellten Bürgermeister Timo Georg, Gemeinde Schwalmtal, und Markus Wörner von der Unteren Wasserbehörde des Vogelsbergkreises anhand eines Erfahrungsberichtes über Bau und Betrieb der Anlage vor.