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Forum Fachkräfte - Künftige Fachkräfte erfolgreich bereits an der Schule gewinnen

06.09.2013 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

Praxis-Leitfaden hilft Unternehmen bei Kontaktaufnahme mit Jugendlichen – Forum in der Lauterbacher Sparkassen-Aula

In Zukunft genügend Fachkräfte haben und allen jungen Menschen in der Region eine Chance für eine gute Berufs- und Lebensperspektive geben – das sind zwei Seiten einer Medaille. In einem Azubi-Fachforum der Vogelsberg Consult GmbH (VBC) in Anwesenheit zahlreicher Vertreter von Vogelsberger Schulen und Unternehmen wurde ein bereits praxiserprobter Leitfaden für Ausbilder in Unternehmen als Broschüre vorgestellt. Der verbesserte Übergang von der Schule in den Beruf steht schon seit einigen Jahren oben auf der Tagesordnung der Wirtschaftsfördergesellschaft, betonte VBC-Geschäftsführer Thomas Schaumberg.„Fit²" – so heißt das Projekt der VBC. Dabei geht es um die Stärkung der kleinen und mittleren Unternehmen. Die „bewährten Praxistipps", so VBC-Geschäftsführer Thomas Schaumberg in der gut lesbaren Handreichung sollen die Ausbilder in den Unternehmen „fit" machen für die Azubi-Akquise direkt an den Schulen.

In dem Fachforum interviewte Kreispressesprecher Erich Ruhl den Landrat sowie mehrere Vertreterinnen und Vertreter von Unternehmen und Schulen.

Welche Erfahrungen wurden gemacht? Welche Methoden hat man in der Praxis erprobt? Wie ist das bei den jungen Leuten angekommen? Geht das Unternehmen direkt in die Schule, stellt Berufe vor – oder lädt die Firma gleich zu einem Schnuppertag ein? Wie gestaltet man so etwas? Welche Rolle spielen die Azubis bei der Akquise im Dialog mit den möglicherweise künftigen Azubis? Wie geht eigentlich „praxisnahe Berufsorientierung", die von den jungen Menschen auch wirklich verstanden wird? Wie reagieren Schülerinnen und Schüler auf die Aktionen der Unternehmen in der Schule?

Alle diese Fragen wurden von Herrn Giese (Giese GmbH, Alsfeld), von Herrn Stenzel und Frau Pakulla (DUO Plast AG, Lauterbach), von Herrn Otterbein (Smartig GmbH, Romrod) und von den Pädagogen Frau Caspar, Herrn Reser (Geschwister-Scholl-Schule Alsfeld – gerade ausgezeichnet für besonders gelingende Berufsorientierung) und Herrn Koch (Mittelpunktschule Angersbach) in sehr anschaulicher Weise beantwortet.

Im Anschluss an die Fragerunde hatten die etwa 50 anwesenden Vertreterinnen und Vertreter der heimischen Unternehmen Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen mit denen, die nun bereits zwei Jahre Erfahrung mit dem Projekt „Azubi-Akquise direkt an der Schule" gesammelt haben.

Die demografische Entwicklung erfordere dringend, alle Ressourcen zu mobilisieren, hoben Landrat Manfred Görig und Geschäftsführer Schaumberg hervor. Dabei dürfe sowohl aus sozialen als auch aus wirtschaftlichen Gründen kein Jugendlicher zurückgelassen werden. Auch Jugendliche, die man bisher als „schwierig vermittelbar" angesehen habe, müssten nun integriert werden.

Wie man junge Menschen für einen modernen Beruf direkt hier in der Region gewinnen kann, dazu sei der VBC-Leitfaden eine echte Hilfestellung, stellte Schaumberg heraus. Die in Lauterbach beim Azubi-Akquise-Forum anwesenden Vertreter der Unternehmen sowie der Schulen bestätigten diese Einschätzung nachdrücklich und schilderten lebendig ihre positiven Erfahrungen im Verlauf des Projekts in den vergangenen zwei Jahren.

Diplom-Volkswirt Harald Finke erläuterte die Kernziele des Leitfadens. Auf das „Wie" komme es an, wenn die Ausbildungsbetriebe auf die jungen Leute zugehen wollen, um ihre Fachkräfte in Zukunft zu sichern. Etliche Methoden seien nun erprobt und in dem Leitfaden als gesicherte Check-Liste in der Praxis anwendbar.

Finke nannte als Beispiele den „Schnuppernachmittag" im Unternehmen, die Betriebsvorstellung direkt in der Schule, die „Express-Akquise", den Unternehmenstag und den Praxistag in der Schule. Um erfolgreich zu sein, müsse jedoch nicht nur die Methode stimmen, sondern im Vorfeld müsse sich das Unternehmen wichtige Fragen beantworten: Welche Ziele werden genau verfolgt? Wie viel Zeit kann für neue Akquise-Aktionen aufgewandt werden? Wen will ich erreichen? Welche Schulen bieten sich als Kooperationspartner an? Wie und mit wem nehme ich Kontakt auf?

Die Broschüre der VBC wirbt dafür, die Inhalte so greifbar und begreifbar wie möglich zu machen. Viele Sinne ansprechen sei dabei genauso wichtig, wie die Wortwahl und die Sprache, damit sie von den Jugendlichen auch verstanden wird. Es gelte, am Wissen und am Alltag der Jugendlichen anzuknüpfen, betonte Finke. Auch soziale Medien können ein Werkzeug sein, um an junge Leute „heranzukommen".

Anette Wettlaufer, VBC und Projekt Fit², begleitete u. a. die Unternehmen bei deren Aktionen an Schulen. „Ich habe viel über Berufe, Ausbildung und Karrierewege gelernt. Hätte ich dieses Angebot zu meiner Zeit gehabt, wäre ich heute vielleicht Packmitteltechnologin oder Lacklaborantin. Das breite Spektrum des Ausbildungsplatzangebotes in unserer Region und damit die Perspektiven, die Vogelsberger Unternehmen bieten, sollten wir den Jugendlichen nicht vorenthalten", so Wettlaufer.

Frau Wettlaufer berichtete von dem hohen Engagement und der Freude, die bei Unternehmen, Schulen und vor allem auch bei den jungen Leuten zu spüren gewesen sei. Etliche Unternehmensvertreter bestätigten, dass sehr wertvolle Kontakte für die spätere Azubi-Einstellung in dem Projekt zustande gekommen seien.

41 Berufe, 290 Schüler, 18 Unternehmen, 36 Schulbesuche

Im Entstehungsprozess des Leitfadens beteiligte das Team in den vergangenen zwei Jahren Vertreterinnen und Vertreter von 4 Schulen und 18 Unternehmen. Diese wurden bei 36 Schulbesuchen begleitet. Die Aktionen fanden an Haupt-, Real- und Gesamtschulen sowie Gymnasien statt. Rund 290 Schülerinnen und Schüler aus zwölf Klassen waren beteiligt. Es wurden 41 verschiedene Ausbildungsberufe vorgestellt. Als Arbeitsformen wurden Interviews, Arbeitstreffen sowie die Beobachtung der Aktionen an Schulen eingesetzt. Die entwickelten Arbeitsmaterialien in der Handreichung wurden in der Praxis und in Workshops erprobt. Der Leitfaden kann unter info(at)vogelsberg-consult.de bezogen werden.

 

Das Projekt „Fit²"

Fit² - Stärkung von KMU besteht aus den Teilprojekten „Fit für die Azubi-Akquise an Schulen" sowie „Fit für den Umgang mit schwierigen Jugendlichen". Am erstgenannten Teilprojekt waren als Kooperationspartner beteiligt:

Die Schulen: Alexander-von-Humboldt-Schule, Lauterbach; Gesamtschule Schlitzerland, Schlitz;
Geschwister-Scholl-Schule, Alsfeld; Mittelpunktschule Angersbach, Wartenberg.

Die Unternehmen: Anlagenbau Günther GmbH, Wartenberg; August Gluck GmbH & Co. KG Bauunternehmen, Schlitz; Bernhard Dittrich Heizungs- und Lüftungsbau, Lauterbach; CWS-boco Supply Chain Management GmbH, Lauterbach; Dipl.-Ing. W. Bender GmbH & Co. KG, Grünberg; DUO PLAST AG, Lauterbach; Ernst Diegel GmbH, Alsfeld; FFT-EDAG Produktionssysteme GmbH & Co. KG, Mücke; Giese GmbH – Schlosserei-Installation-Heizung-Sanitär, Alsfeld; GMS Grebenauer Metallbau Schreiner GmbH, Grebenau; INCURA Kurpark-Residenz Bad Salzschlirf GmbH, Bad Salzschlirf; Konditorei & Bäckerei Günther, Alsfeld; Landgraf-Energietechnik-GmbH, Schlitz; Langheinrich Vertriebs GmbH, Schlitz; MESOCOSM GmbH Institut für Gewässerschutz, Homberg (Ohm); smartig die gastgeber GmbH, Romrod; STI Group, Lauterbach; UniWork Bohrtechnik GmbH, Lauterbach.

Fit² ist eingebettet ins hessische Landesprogramm „Studien und Modelle in der beruflichen Bildung". Es wird gefördert aus Mitteln des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung und von der Europäischen Union (Europäischer Sozialfonds). Das Projekt, das von der Vogelsberg Consult GmbH in Alsfeld umgesetzt wird, hat noch eine Laufzeit bis September 2014.