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Auf der Suche nach der Wildkatze im Vogelsberg

08.01.2013 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

Katze am Lockstock. Foto: Martin Reuter, HAWK, AG Rohe

Ausstellung und Auftaktveranstaltung am 15. Januar – Kreis, NABU, BUND und Forstämter kooperieren

Ist die Wildkatze im Vogelsberg beheimatet? Darauf gibt es Hinweise – aber keine Beweise. Experten aus mehreren Bereichen wollen das in diesem Winter herausfinden. Deshalb lädt die Untere Naturschutzbehörde des Vogelsbergkreises zu einer Wanderausstellung „Wildkatzen im Vogelsberg“ ein, die im Lauterbacher Kreishaus startet und dann noch in Alsfeld und Herbstein zu sehen sein wird. Die Auftaktveranstaltung wird von Landrat Manfred Görig am kommenden Dienstag, 15. Januar, um 11 Uhr eröffnet.

Die Fachleute der Naturschutzbehörde und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) machen sich gemeinsam mit den Forstämtern Romrod und Schotten sowie dem Naturschutzbund (NABU) auf die Suche nach der Wildkatze. Dies teilt Umweltdezernent Heinz Geißel in einer Pressemitteilung der Kreisverwaltung mit.

„Es werden immer wieder mögliche Wildkatzen im Vogelsbergkreis beobachtet. Da sie aber wildfarbenen Hauskatzen zum Verwechseln ähnlich sehen, brauchen wir den genetischen Nachweis, um Gewissheit zu haben. Vielleicht kommen wir den scheuen Tieren mit der Lockstock-Aktion nun gemeinsam auf die Spur“, hofft Gudrun Huber, Leiterin der Naturschutzbehörde.

Im gesamten Vogelsbergkreis werden 20 Lockstöcke an geschützten Wiesen und Lichtungen im Wald verteilt, den besonders beliebten Standorten der Mäusejäger. Damit kein Haar verloren geht, werden die Stöcke von Januar bis April im Abstand von zwei Wochen von den Helfern des BUND, Forstamt und NABU kontrolliert. Findet sich eine Probe, geht diese zur Untersuchung an das Senckenberg Institut nach Gelnhausen. Von dort kommt dann in einigen Monaten hoffentlich die gute Nachricht, dass im Vogelsbergkreis eine wilde Bewohnerin mehr heimisch ist.

Die Lockstock-Aktion ist Teil des Vom BUND geförderten Projekts „Wildkatzensprung“, das den Aufbau einer bundesweiten Gendatenbank für Wildkatzen zum Ziel hat. „Die mit Baldrian besprühten Holzpflöcke locken umherstreifende Tiere fast magisch an. Beim Reiben am rauen Holz hinterlassen sie Haare. Eine genetische Analyse zeigt anschließend genau, wer dort am Lockstock war“, erklärt BUND-Sprecher Wolfgang Dennhöfer.

Noch vor wenigen Jahrhunderten streifte die heimische Wildkatze durch fast ganz Deutschland, bis sie durch starke Bejagung in vielen Gebieten ausgerottet wurde. Heute breitet sich die anspruchsvolle Waldbewohnerin langsam wieder aus. Der Verlust großer naturnaher Wälder und die Zerschneidung der Landschaft stellen sie aber vor neue Probleme: Straßen, Siedlungen und Ackerlandschaften trennen die Vorkommen voneinander. Viele Katzen werden auf ihren Wanderungen auch überfahren. Der BUND erforscht bereits seit Jahren die Lebensweise und Verbreitung der seltenen Art. Übergreifendes Ziel ist die Schaffung eines Waldverbundes durch grüne Korridore aus Büschen und Bäumen. Diese Biotopvernetzung hilft nicht nur der Wildkatze sondern auch vielen anderen Arten des Ökosystems Wald.