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Baronin Andrea Riedesel erhält aus den Händen von Landrat Görig die Bundesverdienstmedaille

09.12.2012 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

Landrat Görig, Baronin Andrea Riedesel, Kreistagsvorsitzender Ackermann (von links). Foto: (c) Bertram Lenz, Lauterbacher Anzeiger

Rede des Landrats im Kreistag am 7. Dezember 2012 in Lauterbach, Aula der Sparkasse Oberhessen

Sehr geehrter Herr Kreistagsvorsitzender,
sehr geehrte Frau Baronin Riedesel,
meine Damen und Herren,

schon Goethe fragte sich in seinem Faust, „was die Welt im Innersten wohl zusammenhält.“ Es ist das wertschätzende Miteinander der Menschen, wie ich meine. Soziales Engagement ist Ausdruck dieser inneren Haltung: Das Hinsehen, Hinhören, die Bereitschaft zu helfen, freiwillig und uneigennützig, ehrlich und aufgeschlossen, mit Empathie und auf Augenhöhe.

Ich freue mich als Landrat des Vogelsbergkreises, dass heute eine Persönlichkeit im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses steht, die sich seit vielen Jahren vorbildlich sozial engagiert und direkt und unbürokratisch Hilfe für Menschen in Not organisiert. Der Bundespräsident hat Baronin Riedesel in Würdigung ihrer herausragenden Verdienste um die Allgemeinheit die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Ich habe jetzt die Ehre, Ihnen, verehrte Baronin, diese hohe Auszeichnung zu überreichen.

Meine Damen und Herren,

mit der Verleihung der Bundesverdienstmedaille würdigt der Herr Bundespräsident das Engagement der Baronin für die Lauterbacher Tafel in der Gründungsphase und von 2005 bis heute.

Die Grundsätze der Tafel sind in den USA entstanden. Die erste deutsche Tafel wurde 1993 in Berlin gegründet. Heute gibt es bundesweit mehr als 900 Tafeln, davon 53 in Hessen und 3 im Vogelsbergkreis. Die Tafeln schlagen Brücken zwischen Mangel und Überfluss, die manchmal nah beieinander liegen. Während es Menschen gibt, die sich kaum ausreichend Lebensmittel leisten können, werden in Supermärkten, Restaurants oder im Einzelhandel tagtäglich einwandfreie Lebensmittel vernichtet.

Lebensmittel nicht wegzuwerfen, sondern an bedürftige Menschen zu verteilen, ist das soziale und ethische Anliegen der Tafeln. Damit helfen die Tafeln den Menschen, die auch bei uns in Armut leben. Sozialminister Grüttner hat jetzt in einer Antwort auf eine Anfrage der Fraktion die Linke für Hessen die Zahl von 61.000 Tafelkunden genannt, die Lebensmittelspenden über die Tafeln beziehen. Es sind 8.000 Menschen mehr als noch vor 2 Jahren. Darunter sind rund ein Drittel Kinder und Jugendliche.

Durch die Tafeln gelangt das Essen dorthin, wo es hingehört: Zu den Menschen.

In einem Pressebericht im Lauterbacher Anzeiger habe ich Ende Januar gelesen, dass allein die Lauterbacher Tafel etwa 430 Personen mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln wie Gemüse, Brot, Wurst und Süßigkeiten versorgt. Ich finde das sehr bemerkenswert. Ich finde es aber auch besorgniserregend. Es ist diese Armut auch in unserer unmittelbaren Nachbarschaft, die uns als Politiker gemeinsam zum Handeln antreiben muss.

Meine Damen und Herren,

erlauben Sie mir an dieser Stelle, die der Ehrung zugrunde liegenden Verdienste näher zu beleuchten: Seit Gründung der Lauterbacher Tafel im Jahr 2005 ist Baronin Riedesel erste Vorsitzende des Vereins. Sie hat als Initiatorin und Gründerin der Lauterbacher Tafel von Anfang an in bewundernswerter Weise maßgeblich dazu beigetragen, dass die Lauterbacher Tafel als Mitglied im Bundesverband der deutschen Tafeln ihren satzungsgemäßen Auftrag erfüllen kann und dadurch bis zu 500 hilfebedürftige Menschen jährlich im Altkreis Lauterbach regelmäßig mit kostenlosen Lebensmitteln versorgt werden. Ihre soziale Einstellung für Menschen in Not ist vorbildlich und zugleich Antrieb für ihr außergewöhnliches Engagement für die ärmeren Mitbürger in unserer Gesellschaft.

Ohne ihre herausragende ehrenamtliche Aufbauleistung während der jahrelangen Gründungsphase der Lauterbacher Tafel, auch hinsichtlich der Beschaffung finanzieller Mittel, würde es den Verein nicht geben. Aber auch ihr fortwährendes, über normale ehrenamtliche Tätigkeiten hinausgehendes Engagement für den Fortbestand der Tafel ist außergewöhnlich.

Baronin Riedesel ist regelmäßig an den beiden wöchentlichen Ausgabetagen vor Ort, um die administrativen Notwendigkeiten, wie z. B. Ausgabe und Kontrolle der Berechtigungsausweise, zu erledigen. Sie hält zudem auch den Kontakt zu Ämtern, Behörden und anderen öffentlichen Einrichtungen in Lauterbach und Umgebung. Sie organisiert in vorbildlicher Weise den Einsatz der ca. 55 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Fahr-, Sortier- und Ausgabeteam in Form von Einsatzplänen für jeweils vier Monate.

Darüber hinaus koordiniert sie die Zusammenarbeit mit anderen Tafeln in Hessen sowie dem Logistikverbund der Nordbayerischen Tafeln in Schweinfurt, um weitere Warenlieferungen akquirieren zu können. Ihr immerwährendes und erfolgreiches Bemühen, für die Bedürftigen Lebensmittel zu organisieren, ist beispielhaft. Bei personellen Engpässen im Sortier- und Ausgabeteam springt Baronin Riedesel zudem persönlich ein und ist sich auch nicht zu schade, bei Bedarf im Putzteam mitzuarbeiten.

Neben der Anwesenheit an den Ausgabetagen erledigt sie zu Hause einen Großteil der Verwaltungsarbeit, organisiert die Vorstands- und Mitgliederversammlungen, hält Kontakt zu Sponsoren, Lieferanten und Mitarbeitern und investiert somit einen großen Teil ihrer Freizeit für diese soziale Einrichtung.

Durch ihr vielfältiges Mitwirken auf allen Ebenen des Vereins arbeitet sie auch direkt mit Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Wenn sie hierbei von besonderen Notfällen Kenntnis erlangt, setzt sie sich unermüdlich dafür ein, Hilfe für die Betroffenen zu erhalten.

Ihr ausgeprägter Sinn für soziale Belange und die Bedürfnisse sozial schwacher Familien sind hierbei Leitbild für sie und Ansporn für ihren unermüdlichen Einsatz und ihr Verständnis für Bedürftige.

Dabei erfordern der Betrieb und die Führung der Tafel sowohl unternehmerische Fähigkeiten als auch besondere menschliche Qualitäten im Umgang mit sozial schwachen Menschen, denen Baronin Riedesel in besonderem Maße gerecht wird.

Baronin Riedesel wirkt zudem ehrenamtlich in den Regionalversammlungen der hessischen Tafeln und auf den Jahrestagungen des Bundesverbandes Deutsche Tafel e. V. mit und zeigt hier ebenfalls außerordentlichen Einsatz durch eine über das Normalmaß hinausgehende konstruktive Zusammenarbeit und Unterstützung des Ländervertreters.

Es ist ihr unermüdlicher persönlicher Einsatz in der bzw. für die Lauterbacher Tafel, der ihr Engagement besonders auszeichnet. Ihr Einbringen von Ideen und Vorschlägen um die Lauterbacher Tafel ist herausragend und trägt auch zum Erfolg der Tafelbewegung insgesamt bei.

Neben ihrem auszeichnungswürdigen Wirken für die Lauterbacher Tafel war Baronin Riedesel von 2002 bis 2005 regelmäßig in der Bücherei der evangelischen Kirchengemeinde Lauterbach im Eichhof Krankenhaus ehrenamtlich tätig und ist es bis heute auch noch vertretungsweise.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
Baronin Riedesel,

Ihr Engagement für die Stadt und den Landkreis ist wertvoll. Sie kümmern sich um Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen. Ihre Hilfe kommt direkt bei Betroffenen an.

Die Verleihung der Verdienstmedaille durch den Herrn Bundespräsidenten ist der Dank der Allgemeinheit für Ihre großartige soziale Tatkraft. Die Verdienstmedaille ist ein Zeichen der Wertschätzung für Ihr wichtiges gesellschaftliches Handeln. Wir brauchen Menschen, die die Initiative ergreifen.

Wir brauchen Menschen, die unsere Gesellschaft aktiv gestalten. Die Tafeln sind ein Baustein der sozialen Infrastruktur, die wir auch im Vogelsbergkreis notwendig brauchen.

Sehr geehrte Baronin Riedesel, ich gratuliere Ihnen sehr herzlich zu dieser hohen Auszeichnung.

Aus meinen Verfügungsmitteln als Landrat habe ich einen Scheck für die Lauterbacher Tafel vorbereitet, den ich Ihnen im Anschluss an die Ehrung überreichen möchte. Möge diese Zuwendung eine Hilfe sein in der Adventszeit, den einen oder anderen Kinderwunsch zu erfüllen.