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Sabine Galle-Schäfer, Presse/Kommunikation
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Frühjahrs-Pressekonferenz: Rede Landrat Hans-Ulrich Lipphardt

27.04.2000 Von: Pressestelle Kreisverwaltung Vogelsberg

Frühjahrspressekonferenz

Mittwoch, 26. April 2000

19.00 Uhr, Feldatal-Stumpertenrod

Landgasthaus Johanneshof

Statement Landrat Lipphardt.

Es gilt das gesprochene Wort.

 

Verehrte Vertreterinnen und Vertreter der Medien,

meine Damen und Herren,

dies ist die zweite Jahrespressekonferenz meiner Amtszeit, die nicht im Winter stattfindet. Vor allem aber ist es meine letzte Medienrunde in meiner Eigenschaft als Vogelsberger Landrat überhaupt, denn wie Sie alle wissen, werde ich mich ab dem 10. Juni einer neuen Herausforderung in Friedberg stellen. Ich freue mich auf meine neue Aufgabe, gebe aber gerne zu, dass ich heute auch mit etwas Wehmut hier stehe. Denn ich gehe ja nicht zur Friedberg, weil mir der Job Landrat in den vergangenen 13 Jahren keinen Spaß gemacht hätte. Ganz im Gegenteil. Ich habe meinen Beruf mit großer Freude ausgeübt und das Feed-back, was ich durch meine Tätigkeit hervorgerufen habe, zeigt mir, dass ich in meiner Arbeit von sehr vielen Menschen verstanden worden bin. Ich bin gerne Landrat gewesen, so wie ich vorher 14 Jahre gerne Bürgermeister gewesen war.

Besonders gerne denke ich an den stets guten und fruchbaren Dialog mit Ihnen, sehr verehrte Vertreterinnen und Vertreter der Medien, zurück. Ich möchte mich heute in aller Form für die Fairness und für das Interesse bedanken, das mir immer von Ihnen entgegengebracht worden ist. Nur durch Ihre kompetente Berichterstattung ist es möglich, die Komplexität der Ereignisse und Sachverhalte in Politik und Verwaltung für die Bürgerschaft zu erhellen. Es ist aus meiner Sicht völlig klar: Die Medien arbeiten - bitte hören Sie die Redezeichne mit - "im öffentlichen Dienst". Die demokratische Gesellschaft braucht Sie als Berichterstatter, als Transmitter, als Korrektiv, als kritischen Nachfrager, durchaus auch als Mahner. Ich habe den offenen und gleichzeitig vertrauensvollen Umgang miteinander stets geschätzt. Ich würde mich freuen, wenn dies auch in meiner neuen Aufgabe so bleiben könnte, denn Friedberg ist ja nicht aus der Welt, und der Wirkungskreis der OVAG umfasst ja nun einmal auch den Vogelsbergkreis.

Meine Damen und Herren,

diese Pressekonfererenz ist so etwas wie die "Beleuchtung des Stabwechsels", der im Juni ansteht. Es würde den Rahmen dieser Konferenz nicht nur sprengen, sondern Sie vor allem langweilen, wenn ich Ihnen jetzt alles erzählen würde, was sich unter meiner Amtsführung seit 1987 so alles getan hat. Ich will nur schlaglichtartig wenige Themen benennen, die, so denke ich, wirklich geglückt sind, die den Vogelsbergkreis vorangebracht haben, und die ich die Ehre hatte, ein wenig mit anzuschieben. Denn das ist klar: ein Landrat kann einiges auf den Weg bringen und auch moderieren. Aber ein Landrat ist kein Fürst, der alleine bestimmt. In der Regel sind Beschlüsse von demokratischen Gremien auszuführen. Aber es bleibt auch Raum, Neues auszuprobieren, auch Risiken einzugehen und zunächst die scharfen Wind der ersten Reihe zu ertragen, wenn man, wie es so oft der Vogelsbergkreis war, mit seiner Politik Trendsetter ist.

Das Image des Vogelsbergkreises als des ländlichsten aller ländlichen Landkreise, wo sich Hase und Igel Gute Nacht sagen, wo Globalisierung ein Fremdwort ist, wo Fortbildung und Innovation keine Zukunft haben - dieses Image (wenn es denn je richtig war) gehört heute ganz gewiss der Vergangenheit an.

Die kraftvolle Entwicklung - auch wenn sie länger dauerte, als ich mir dies zunächst gewünscht hatte - die kraftvolle Entwicklung der Region, die Verzahnung von Arbeitsmarkt-, Struktur- und Bildungspolitik, dieser Vogelsberger Weg, den wir Ende der 80-er Jahre begonnen haben, als in Wiesbaden kaum einer wusste, wie man Regionalpolitik buchstabiert, dieser Vogelsberger Weg hat uns hessen- und europaweit als modern und hochinnovativ etabliert. Nirgendwo sonst gibt es so große Erfolge bei der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit.

Die Gründung der Vogelsberg Consult GmbH gehört zu den politischen Ereignissen, die mich tatsächlich gerade vor dem Hintergrund des Wunsches, Chancen für die jungen Menschen zu schaffen, glücklich gemacht haben. Denn hier ging es nicht "nur" um politische Gremienbeschlüsse, sondern um die Einbindung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Akteure, die Nutzung der "endogenen Potenziale" - ein Begriff, der Ihnen während meiner Amtszeit immer wieder auf Ihre Schreibtische geflattert ist. Die Unternehmer und die Arbeitnehmer, die Kulturschaffenden und die vielen Vereine - sie prägen das Bild einer Region, die an Selbstbewusstsein erheblich zugelegt hat. Am Ende meiner Amtszeit kann ich mit Zufriedenheit sagen: Der Vogelsbergkreis hat den Anschluss an die Moderne wirklich gepackt. Mir ist nicht bange.

Einen Punkt möchte ich noch nennen, der ebenfalls die Kategorie Glück berührt - und das ist in der Politik nicht eben häufig. Es ist die wohltuende Entwicklung des Kinder- und Jugendparlaments, das 1992 im Vogelsbergkreis erfunden wurde. Auch hier waren wir deutschlandweit Trendsetter, ja leuchtendes Beispiel. Denn immer war unzweifelhaft, dass wir, die "erwachsenen Politiker" die jungen Leute ernst nehmen wollen. Und diese 12- bis 18-Jährigen haben gezeigt, was in ihnen an Potenzialen steckt. Respekt - das ist das allererste, was mir einfällt, wenn ich auf die Arbeit des KJP blicke. Und manchmal auch Demut, wenn ich die große Sachlichkeit, die Zielorientiertheit betrachte, wie sich da die junge Leute frisch und unverbraucht wichtigen Themen widmen. Eine Eigenschaft, die sie sich hoffentlich bewahren mögen. Denn so manches Mal verlieren sich die Erwachsenen in ideologischen Grabenkämpfen, obwohl sie es wirklich besser wüssten.

Keine, aber wirklich gar keine Grabenkämpfe kennzeichnen die Zusammenarbeit zwischen Herrn Ersten Kreisbeigeordneten Marx und mir. Wir beide stehen für eine erfolgreiche Politik von SPD und CDU zum Wohle des Kreises. Ich stehe ohne Abstriche zur Richtigkeit der Entscheidung, nach der vorletzten Kreistagswahl bereits auf eine Kooperation der beiden großen Volksparteien zu setzen, erstens um Extremisten nicht Zünglein an der Waage werden zu lassen. Andererseits um die großen wichtigen Themen wirklich zu schultern: Finanzkonsolidierung, Wirtschaftspolitik, Ausbildungsförderung, Altenhilfe, Jugendhilfe, um nur einige zu nennen.

Die Politik der großen Koalition ist erfolgreich und sie wird erfolgreich bleiben. Ich weiß den Vogelsbergkreis mit meinen Nachfolger Rudi Marx in guten Händen. Ich bitte Sie, verehrte Medienvertreterinnen und -vertreter, die ausgezeichnete Zusammenarbeit auch mit Herrn Marx fortzusetzen. Auch er setzt auf Offenheit und fairen Dialog, was im Übrigen auch Arbeitsmerkmale des Kreispressesprechers sind und bleiben werden.