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Den Übergang von der Schule in den Beruf für Lernschwache verbessern

01.12.2011 Von: Vogelsberg Consult GmbH

Die Soziologin Irene Hofmann-Lun vom Deutschen Jugend-Institut in München beschrieb die große Herausforderung, jungen Menschen mit besonderem Förderbedarf gute Berufsperspektiven zu bieten. Foto: Vogelsberg Consult GmbH

Vogelsberg Consult veranstaltete im Projekt OloV einen Fachvortrag zum Thema „Inklusion“

1. Dezember 2011.

Schülerinnen und Schüler gut auf den Übergang in die Ausbildung und in den Beruf vorzubereiten, ist eine durchaus nicht immer leichte Aufgabe für Lehrkräfte. Diese Herausforderung ist noch größer, wenn junge Menschen aus unterschiedlichen Gründen deutliche Lernprobleme haben. Was bedeutet es nun für Lehrerinnen und Lehrer, wenn Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Bedarf am regulären Unterricht in Regelschulen teilnehmen?

„Inklusion“ heißt hier die Vorgabe aus Europa, die so auch im Hessischen Schulgesetz verankert ist. Das bedeutet: Der reguläre Unterricht findet „inklusiv“, also einschließlich jener Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf statt. Was dies für Lehrkräfte bedeutet, damit beschäftigte sich vor Kurzem ein Fachvortrag auf Einladung der Vogelsberg Consult, der im Posthotel Johannesberg in Lauterbach stattfand.

Das Projekt „OloV“ (Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit bei der Schaffung und Besetzung von Arbeitsplätze), das seit drei Jahren im Kontext Schule-Wirtschaft wirksam ist, will sich auch diesem besonderen Thema nähern. Daher hatte Harald Finke, OloV-Koordinator und Volkswirt bei der Vogelsberg Consult, gemeinsam mit Schulamtsdirektor Rolf Heckeroth die Soziologin Irene Hofmann-Lun vom Deutschen Jugendinstitut aus München nach Lauterbach eingeladen, um rund 30 interessierten Pädagoginnen und Pädagogen Beispiele gelingender Inklusion an Schulen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen anschaulich zu machen – auch im Hinblick auf die besondere Anforderung der Berufsorientierung. Die Veranstaltung ging auf eine Anregung aus der Vogelsberger Lehrerschaft zurück.

Die Referentin Irene Hofmann-Lun ist Diplom-Soziologin und arbeitet seit 1996 als wissenschaftliche Referentin am Deutschen Jugendinstitut e.V. in München. Ihr spezieller Forschungsschwerpunkt betrifft den Übergang benachteiligter Jugendlicher von der Schule in die Ausbildung / Übergänge im Jugendalter. In ihrem Vortrag machte sie den Unterschied zwischen Integration und dem darüber hinaus gehenden Begriff der Inklusion deutlich. Der gesamte Übergang müsse als komplexer Reifeprozess begriffen werden, bei dem das Lern-, Sozial- und Arbeitsverhalten in seiner Gesamtheit betrachtet werden müsse.

Das Ziel sei immer, die Selbstständigkeit zu fördern und bei den jungen Menschen zu einer realitätsbezogenen Selbsteinschätzung und zu einem Erspüren möglichst starker Selbstwirksamkeit zu kommen. Zur Eignung gehörten daher nicht nur Fähigkeiten und Fertigkeiten, sondern auch eine wirkliche „Orientiertheit“, also eine Sicherheit in dem Gefühl, wohin man wolle, welcher Beruf zum Beispiel wirklich zu einem passe.

Die Forschung belege, dass in einer Förderschule in der Regel zwar eine familiäre und fördernde Atmosphäre herrsche. Gehe es jedoch in Richtung Berufsorientierung und wechsle der Förderschüler auf eine Hauptschule, so gelte „Förderschüler“ oft als Stigma und das Lerntempo bewirke Überforderungen. Die Leistung steigern, die soziale Integration quasi selbstverständlich organisieren und zugleich die Fähigkeiten zu besserer Berufsorientierung erhöhen – dies alles sei eine „wirklich hohe Anforderung für Pädagoginnen und Pädagogen“, betonte die Soziologin – was in einer lebendig und teils kontroversen Diskussion entlang des Vortrags auch sehr deutlich wurde.

Schulamtsdirektor Rolf Heckeroth vom Staatlichen Schulamt (links) und Volkswirt Harald Finke (Vogelsberg Consult) verfolgen die engagierte Diskussion der Pädagoginnen und Pädagogen während des OLOV-Fachtags zum Thema „Inklusion“ im Lauterbacher Posthotel Johannesberg. Foto: Vogelsberg Consult GmbH.