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Frauenamt stellt Existenzgründerin Margarete Ridder vor

03.04.2000 Von: Pressestelle Kreisverwaltung Vogelsberg

Margarete Ridder: Selbstständig

als Lehmbauerin

Kreisfrauenamt stellt eine weitere Existenzgründerin vor

VOGELSBERGKREIS ( ). "'Oh, was machst Du? Lehmbau? Das ist ja interessant!' So oder ähnlich ist die Reaktion, wenn ich sage was ich beruflich mache. Lehmbau - das stellen sich viele idyllisch vor: formen und gestalten, kneten und matschen und waten in Lehmwannen ... So idyllisch geht es allenfalls in Lehmbauseminaren zu", so Margarete Ridder, Handwerkerin in Sachen Lehmbau. "Ja, wir arbeiten auf der Baustelle, schleppen Material, machen Mischungen und bringen das Material in Wände und Decken ein. Unser Alltag ist - wie in vielen anderen Bauberufen - körperlich anstrengende Arbeit."

Inzwischen hat Margarete Ridder eine Mitarbeiterin. Sie sind zwei Frauen auf dem Bau und Exotinnen in doppelter Hinsicht: Bauen mit Lehm gilt bei vielen, auch im Handwerk, als veraltete Bauweise, und Frauen auf dem Bau sind nach wie vor die Ausnahme.

Sie renovieren Fachwerkhäuser, stellen Wände und Decken in Lehmbauweise fachgerecht wieder her. Dabei arbeiten sie mit historischen und mit modernen Lehmbauverfahren.

"Mit den Händen was tun", das war ihre Motivation, in den Lehmbau einzusteigen, Grundlagenwissen und Fertigkeiten zu erlernen und sich in die verschiedenen Lehmbauverfahren einzuarbeiten. Dabei waren Arbeit in der Denkmalpflege, in der Sicherung von Gebäuden, in Lehmbauprojekten und als Bauleitung im Lehmbau Etappen dieser Lehre.

Als Frau Ridder Ende 1993 anfing, selbständig zu arbeiten, waren es zunächst kleine Aufträge und zwischen den einzelnen Aufträgen war sehr viel zeit. Der Anfang erforderte also Geduld und Ausdauer. Seit 1997 wurden die Aufträge umfangreicher und stetiger, sie stellte eine Mitarbeiterin ein und in der Saison zeitweise zusätzliche Arbeitskräfte.

Damit veränderten sich ihre Aufgaben: Angebote erstellen, Kalkulation, Material bestellen und Baustellenplanung wurden mehr. Die Arbeit so zu planen, dass zwischendurch Zeit zum Luftholen bleibt ist schwierig, weil im Lehmbau die Baustellenarbeit von April bis Oktober stattfindet. Dazu kommt häufig der Termindruck am Bau.

Im Winter mit Lehm zu bauen ist unverhältnismäßig aufwendig und teuer. In dieser zeit stehen vorbereitende Arbeiten an wie Weidenschnitt, Werbung, Seminarvorbereitung. Sie sieht das als arbeiten mit den Jahreszeiten. Das entspricht ihr und es macht ihr Freude zu erleben, dass das geht. Neben der Baustellenarbeit gibt sie Lehmbauseminare und Anleitung für Selbstbauer/-innen, Vereine und Schulklassen. Diese Vielfalt macht ihre Arbeit interessant.

Einige Aspekte im Lehmbau sind ihr besonders wichtig. Dazu gehört die Verwendung des örtlich vorhandenen Lehms, die Prüfung auf seine Baueignung und das Herstellen der Mischung je nach Lehmart und Verwendungszweck. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit ist in der Altbausanierung und in der Denkmalpflege. Dabei ist es ihr Anliegen, die Vorteile des Fachwerkbaus mit den heutigen Wohnbedürfnissen und den Anforderungen modernen Hausbaus zu verbinden. Um diese Interessen zu vertreten ist sie in der Interessengemeinschaft Bauernhaus e. V., im Dachverband Lehm e. V. und im Verein zum Aufbau des Ökologiezentrums Vogelsberg Mitfrau.

Und weiterhin will sie bevorzugt mit Frauen zusammenarbeiten, denn es gibt sie, die Handwerkerin und die ist eher arbeitslos als der Kollege. Der Verein Baufachfrau e. V. vertritt die Interessen von Frauen am Bau und fördert den Austausch von Handwerkerinnen untereinander. "Schön wäre es, einen Austausch mit anderen selbständigen Handwerkerinnen hier in der Region aufzubauen." Handwerkerinnen, die hieran Interesse haben, können sich mit dem Frauenamt in Verbindung setzen, Telefon 06641 / 977-311.

"Was mich mit meiner beruflichen Arbeit so zufrieden macht, ist immer wieder das sichtbare Ergebnis: der mit Eichenstaken und Weidengeflecht vorbereitete und mit Strohlehm verfüllte Giebel