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Regierungspräsident lobt Vogelsberger Energiepolitik – Besuch bei „Prograss“ - „Energie gewinnen und gleichzeitig die Wertschöpfung hier halten und den ländlichem Raum entwickeln“ – Verzahnung mit Naturschutzgroßprojekt

12.05.2011 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

Regierungspräsident lobt Vogelsberger Energiepolitik – Besuch bei „Prograss“

„Energie gewinnen und gleichzeitig den ländlichem
Raum entwickeln“ – Verzahnung mit Naturschutzprojekt

VOGELSBERGKREIS. 11. Mai 2011.

Regierungspräsident Dr. Lars Witteck zeigte sehr großes Interesse an der Vogelsberger Energiepolitik, als er sich vor wenigen Tagen von Landrat Rudolf Marx die Verzahnung der beiden Projekte „Prograss“ und „Naturschutzgroßprojekt chance natur“ (wir berichteten mehrfach) erläutern ließ. Witteck lobte den Ansatz, nach neuen Wegen der nachhaltigen Energiegewinnung zu suchen und gleichzeitig dabei Impulse für die Entwicklung des ländlichen Raums zu setzen. Der RP sagte zu, auf Landesebene das mit der Uni Kassel entwickelte Forschungsprojekt Prograss nach seinen Möglichkeiten zu unterstützen. Landrat Marx betonte: „Wir brauchen eine stabile und bezahlbare Energieversorgung.“ Hierzu könne Bioenergie einen guten Anteil leisten. Marx betonte darüber hinaus erneut, dass er kein genereller Gegner von Windenergie sei. „Es geht mir nur um eine gerechtere Verteilung im Lande Hessen“, machte er deutlich.

Die Kombination neuer Wege der Energiegewinnung, der Erhaltung der Landwirtschaft und der Kulturlandschaft bei Erhöhung der regionalen Wertschöpfung – über diese grundsätzliche Orientierung waren sich der RP, der Landrat, Landtagsabgeordneter Manfred Görig und die Fachleute in der Frischborner Zentralstation vollständig einig.

„Von dem, was hier an zusätzlicher Energie hergestellt wird, muss unser Landkreis einen starken geldwerten Vorteil haben. Dafür müssen wir unseren regionalen Investor, die OVAG, ins Boot holen“, unterstrich Görig bei der Besichtigung der Demonstrationsanlage auf den Sonnenhof bei Frischborn. Dort wird unter der Obhut der Universität Kassel in einem europaweit einzigartigen Forschungsvorhaben nach dem effizientesten Weg gesucht, unter Nutzung von Extensiv-Grünland sowohl Strom als auch – und vor allem – möglichst energiereichen Brennstoff in fester Form herzustellen. Der Leiter des Amtes für den ländlichen Raum, Karl-Peter Mütze, hofft mit den neu gewonnen Informationen speicherbare Energie und somit regionale Wertschöpfung zu erzielen. Denn die Verwertung des Naturschutzgrünlandes durch Tiere allein sieht Mütze als nicht gesichert an. Kreislandwirt Norbert Reinhardt hob die Wichtigkeit der Wirtschaftlichkeit des neuen Bioenergieprojekts hervor.

Sebastian Stang stellte die gelungene Verbindung dieses Forschungsprojekts mit den Vorhaben des Naturschutzgroßprojekts „chance natur“ her. Ziel sei die Bewahrung der einzigartigen Kulturlandschaft mit seiner extrem hohen Artenvielfalt bei gleichzeitiger Entwicklung neuer Einkommensmöglichkeiten für die heimischen Landwirte. Immer weniger Landwirte machten die Bewirtschaftung immer komplizierter. 1950 habe der Anteil der Landwirte an den Erwerbspersonen noch bei 30 Prozent gelegen – jetzt seien es nur noch sechs Prozent. Es gelte, die Grünlandflächen offen zu halten und die Kulturlandschaft – auch unter Gesichtspunkten des Tourismus – zu schützen. Gleichzeitig müsse es neue Vermarktungsmöglichkeiten geben. Dabei seien die Pellets aus Prograss eine gute Variante.

Projektleiter Stang, Karl-Peter Mütze, Leiter des Amtes für den ländlichen Raum, die Energie-Projektleiter Lorenz Kock und Peter Momper (Bioenergieregion Mittelhessen) und Professor Dr. Michael Wachendorf hofften in Frischborn gemeinsam mit RP und Landrat auf eine baldige Praxistauglichkeit des Forschungsvorhabens, in das mehrere Doktoranden sozusagen ihre ganze persönliche „Energie“ investieren. Doktorand Lutz Bühle bezeichnete den Vogelsberg als „unser Basislager“, das bereits über 700 Fachleute in Augenschein genommen hätten. Auch das Interesse der heimischen Landwirte bewertet Projektleiter Kock als „erfreulicherweise sehr groß“. Professor Wachendorf machte deutlich: „Unser gesamtes Projekt ist keine Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion.“ Aus seiner Sicht wäre es gut, wenn die Grünrandstreifen an allen Kreis-, Landes- und Bundesstraßen langfristig mit als Energielieferant für Prograss herangezogen werden könnten.

Die mobile Prograss-Anlage war im März 2010 von der Uni Kassel in Frischborn errichtet worden und zwischenzeitlich auch in den Partner-Forschungsregionen in Wales und Estland im Einsatz, um dort spezifische Erkenntnisse über die Verwertbarkeiten unterschiedlicher Flora zu gewinnen. „Unser klares Ziel ist ein vermarktungsfähiger Festbrennstoff mit ähnlichem Brennwert wie Buchenholz“, machte Bühle deutlich. Schon jetzt sei klar, dass bei der Stromerzeugung die Energiebilanz dreimal so gut ausfalle wie bei bisher eingesetzten Biogasanlagen. 

Nähere Informationen gibt es hier:
www.Prograss.eu und über Diplom-Ingenieur Lorenz Kock lorenz.kock(at)vogelsbergkreis.de

 

Großes Interesse an der Vogelsberger Energiepolitik – unser Foto, aufgenommen vor der "Zentralstation" in Lauterbach-Frischborn, zeigt von links Joachim Schönfeld (Amt für den ländlichen Raum, ALR), Kreislandwirt Norbert Reinhardt, Bioenergie-Projektleiter im ALR Lorenz Kock, Regierungspräsident Dr. Lars Witteck, Chance-Natur-Projektleiter Sebastian Stang, Landrat Rudolf Marx, Landtagsabgeordneter Manfred Görig, Professor Dr. Michael Wachendorf, ALR-Amtsleiter Karl-Peter Mütze, Peter Momper (Bioenergie-Region Mittelhessen), Doktorand Frank Hensgen und Doktorand Lutz Bühle.
Foto: Erich Ruhl, Pressestelle Vogelsbergkreis

Doktorand Lutz Bühle (Zweiter von rechts) erläutert das Zustandekommen des „Presskuchens“. Aufmerksame Zuhörer sind (von rechts) Regierungspräsident Dr. Lars Witteck, Landtagsabgeordneter Manfred Görig und Professor Dr. Michael Wachendorf (Universität Kassel).
Foto: Erich Ruhl, Pressestelle Vogelsbergkreis


HINTERGRUND:

Was ist Prograss?
Was ist das Besondere an der Vogelsberger Energiepolitik?

In dem Projekt kooperiert das Amt für den ländlichen Raum in der Vogelsberger Kreisverwaltung mit der Universität Kassel, der Estonian University of Life Sciences in Tartu (Estland) und dem Institute of Biological and Rural Sciences IBERS in Aberystwyth (Wales). Eine europaweit einzigartige Forschungsanlage ist im März 2010 in Betrieb genommen worden. Sie steht (jetzt wieder) in Lauterbach-Frischborn. Mit ihr soll erforscht werden, wie in hoher Effizienz gleichzeitig Strom, Wärme und vor allem Festbrennstoff aus Gras hergestellt werden kann.

Prograss steht in einer Reihe von Vogelsberger Projekten, die einen Beitrag zum Klimaschutz und zur Stärkung der Region mit all ihren Potenzialen leisten sollen. Es ist bereits gelungen, im Rahmen des Landesprojektes „Bioregio-Holz“ die Ressource Holz energetisch besser zu nutzen mit dem Effekt, dass etliche Schulen und öffentliche Gebäude auf eine Wärmeversorgung auf der Basis von Holz umgestellt werden konnten. Durch eine breite Öffentlichkeitsarbeit ist die Berücksichtigung von bisher ungenutzter Biomasse als Beitrag zur künftigen Energieversorgung der Region stärker in das Bewusstsein der Bürger gebracht worden.

Darauf aufbauend, hat der Vogelsberg mit seinem Entwicklungskonzept Bioenergie erfolgreich an einem Bundeswettbewerb teilgenommen. Die daraus entstandene „Bioenergieregion Mittelhessen“ ist unter anderem deshalb so erfolgreich auf Bundesebene gewesen, weil sie auf alleinstellende und innovative Projekte, wie das transeuropäische Life+-Projekt „Prograss“ habe verweisen können.

Durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft und die damit stark zurückgehende Zahl der Rauhfutter fressenden Tiere existiert ein erhebliches Nutzungsproblem auf den biologisch wertvollen Wiesen und Weiden des Vogelsberges. Nur durch Beweidung, die auch eine entsprechende Vermarktung erfordert, ist das Problem der Unternutzung des artenreichen Grünlandes nicht in den Griff zu bekommen. Durch die Anlage in Lauterbach-Frischborn wird in idealer Weise die Möglichkeit der energetischen Nutzung des Aufwuchses wissenschaftlich untersucht.

Zielsetzung ist die Erhaltung der artenreichen Kulturlandschaft, verbunden mit einer zusätzlichen Wertschöpfung in der Landwirtschaft. Darüber hinaus soll ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet und die schrittweise Abkehr von den fossilen Energieträgern begonnen werden.

Das Anlagenprinzip:

Die Bereitstellung des Ausgangsmaterials in Form von ballierter Silage ermöglicht einen ganzjährigen und kontinuierlichen Betrieb der Anlage. Die Silage wird der Anlage zugeführt und mit ca. 40 Grad Celsius warmen, im Kreislauf zirkulierenden Wasser gemaischt. Durch diesen Vorgang werden die bei einer späteren Verbrennung des Materials hinderlichen, weil korrosiv wirkenden Elemente wie Chlor und Schwefel, ausgewaschen. Anschließend wird das gemaischte Substrat mit einer Schneckenpresse abgepresst und der Presssaft in einen Biogasfermenter gepumpt. Das dort entstehende Biogas wird für die Erzeugung von für den Betrieb der Anlage notwendigen Strom und Wärme verwendet. So wird die Wärmeenergie zum Trocknen des Presskuchens genutzt der nach einer Pelletierung als Regelbrennstoff nutzbar sein soll. Zusätzlich erzeugter Strom kann ins öffentliche Netz eingespeist werden.

Dieses geschlossene System ist einer herkömmlichen Biogasanlage vergleichbar jedoch erhält man zusätzlich einen handelbaren Festbrennstoff. Der Wirkungsgrad der Anlage ist demzufolge deutlich besser im Vergleich zur klassischen Biogasproduktion.

Informationen:

www.Prograss.eu

lorenz.kock(at)vogelsbergkreis.de
(Dipl.-Ing. im Amt für den ländlichen Raum des Vogelsbergkreises)
Telefon 06641 / 977-3521)

Doktorand Frank Hensgen (rechts) erläutert die Abläufe in der Biogas-Versuchsanlage auf dem Sonnenhof in Frischborn. Das Foto zeigt von links Landtagsabgeordneten Manfred Görig, Professor Dr. Michael Wachendorf und Regierungspräsident Dr. Lars Witteck.
Foto: Erich Ruhl, Pressestelle Vogelsbergkreis

Doktorand Frank Hensgen (rechts) erläutert die Abläufe in der Biogas-Versuchsanlage auf dem Sonnenhof in Frischborn. Das Foto zeigt von links Amtsleiter Karl-Peter Mütze (Amt für den ländlichen Raum in der Kreisverwaltung), Landtagsabgeordneten Manfred Görig, Professor Dr. Michael Wachendorf und Regierungspräsident Dr. Lars Witteck.
Foto: Erich Ruhl, Pressestelle Vogelsbergkreis