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Landrat Marx kritisiert Lobbypolitik der Windkraftindustrie - Mit Grafik Verteilung der 600 WKA in Hessen

02.03.2011 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

Marx: Vortreffliche Analyse
des NABU-Kreisverbands

Vogelsberger Landrat teilt die scharfe
Kritik der Naturschützer:
„Unerträgliche Lobbypolitik der Windkraftfirmen“

VOGELSBERGKREIS.   24. Februar 2011.

„Bald muss der Vogelsbergkreis 200 Windkraftanlagen ertragen – und es hört nicht auf“, empört sich Landrat Rudolf Marx (CDU) und unterstützt nachdrücklich die „vortreffliche Analyse“ des NABU-Kreisverbands, für die er sehr dankbar sei. Dieser habe dem Regierungspräsidenten in Gießen „Frustration und Empörung“ mitgeteilt. Denn entgegen einer Verabredung zwischen RP-Fachbehörde und NABU im vergangenen Sommer, Planungsvorhaben würden „sauber abgeprüft und unvoreingenommen begleitet“, sei die „unerträgliche massive Lobbyarbeit der Windkraftunternehmen“, so Landrat Marx, offenbar nochmals verstärkt worden. Es könne nicht sein, dass immer nur der „Profit einzelner Firmen“ Vorrang habe und die Interessen der Region unberücksichtigt blieben.

Es müsse der Eindruck entstehen, dass Naturschutz- und Landschaftsschutz-Argumente grundsätzlich außen vor blieben. Der Landrat werde dies in Kürze erneut mit Regierungspräsident Dr. Witteck erörtern. Landrat Marx – seit zehn Jahren ein unüberhörbarer Gegner der ständigen Ausweitung der Windkraftanlagen im Vogelsberg – bezieht sich im vorliegenden Fall auf sieben Anlagen, die in der Nähe von Helpershain und Meiches errichtet werden sollen. Der Kreisbauaufsicht liegt bereits eine „Baubeginn-Anzeige“ vor.

Im dem betroffenen Gebiet hätten Storch, Milan und Bussard ihre Brutstätten – aber dies habe leider keinen Einfluss auf die Entscheidung der RP-Fachbehörde. Vielmehr werde dort fortgesetzt und auf unverantwortliche Weise jede Fachstellungnahme der Vogelsberger Kreisbehörden ignoriert. Immer habe das wirtschaftliche Einzelinteresse von Firmen Vorrang.

In allen RP-Verfahren werde die Kreisbaubehörde zu einer Stellungnahme aufgefordert. Hierbei werde aber der Kreisbehörde die der oberen Naturschutzbehörde in Gießen vorliegenden Landschaftschaftsbild-Analyse vorenthalten. Geplante Windkraftanlagen mit einer Gesamthöhe von über 185 m in der Dimension von Hochhausbauten sprengten jegliche Maßstäblichkeit und zeigten einen erheblichen Wahrnehmungs- bzw. Auswirkungsradius. Es sei ein Unding, das die Kreis-Naturschutzbehörde „nur zufällig“ von weiteren Planungen neuer Großwindanlagen erfahre, beklagt sich der Vogelsberger Landrat.

Marx teile die Auffassung des NABU, dass der Vogelsberg keine weiteren Großindustrieanlagen im Windkraftsektor mehr aufnehmen müsse. 80 Prozent aller mittelhessischen und ein Drittel aller hessischen befänden sich bereits im Vogelsberg. Der Landrat unterstützt das Argument der ehrenamtlichen Naturschützer, dass bei Anlagen, die aktuell zwischen 150 und 190 Meter hoch seien, praktisch jeder Standort in Hessen windkrafttauglich sei. Daher sei es nicht nötig, weitere Anlagen auch noch wissentlich mitten hinein in Vogelschutzgebiete zu bauen.

Die vereinbarten „Ausgleichsmaßnahmen“ im Bereich Meiches/Helpershain hält Marx für eine Provokation: Dort sollen zusätzliche Teiche angelegt werden, „damit die schönen und endlich wieder heimisch gewordenen Großvögel gefälligst und per Beschluss der Fachbehörde und von Privatfirmen“ ihre Flugroute und ihre Lebensgewohnheiten ändern.

Marx hält die großen Industrieanlagen schädlich für die Vorhaben, die die Region voranbringen sollen und verweist auf die Fortschritte im Ausbau des Tourismus, auf die Anstrengungen zur Etablierung eines Geoparks und ganz aktuell auf das Naturschutz-Großprojekt, das von Bund und Land unterstützt wird. All diese Projekte sieht Marx „konterkariert – in einem nie gekannten Ausmaß“. Das Zupflastern mit Großwind-Industrieanlagen zerstöre die einzigartige Naturlandschaft des Vogelsbergs. Marx bleibt dabei, dass der Vogelsberg „unfair“ behandelt werde. „Wir sollen fast die ganze Last tragen – das geht so nicht“, stellt er erneut klar.

Informationen zu den Standorten und geplanten Standorten von Großwind-Anlagen gibt es auf der Homepage des Vogelsbergkreises www.vogelsbergkreis.de

Themen (linke Spalte):

Windkraftanlagen im Vogelsbergkreis (höhere Auflösung PDF als diese Abbildung):

„Zugepflastert“ – so dicht stehen die Windräder im Vogelsbergkreis: 30 Standorte, auf denen sich bald über 200 Rotoren drehen – das sind drei Viertel aller mittelhessischen Windkraftanlagen und ein Drittel aller hessischen Rotoren. Das findet Vogelsberg-Landrat Marx „unfair“.
Abbildung: Untere Naturschutzbehörde Vogelsbergkreis

 

Der Vergleich mit dem Frankfurter Messeturm (links) und dem Fernsehturm auf dem Hoherodskopf (Zweiter von links) zeigt die Dimensionen der Windkraftanlagen.
Abbildung: Bürgerinitiative Pro Lebensraum Blaues Eck

Die Grafik der Naturschutzbehörde des Vogelsbergkreises zeigt die Verteilung der rund 600 WKA in Hessen. Knapp 200 davon stehen im Vogelsberg.