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Marx: „Das Zupflastern mit Großwind-Industrieanlagen zerstört unsere Natur“ - Vogelsberger Landrat kritisiert „Vorrang für Windkraft“ im neuen Regionalplan – Scharfe Ablehnung neuer Anlagen im Westkreis

27.12.2010 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

Marx: „Das Zupflastern mit Großwind-
Industrieanlagen zerstört unsere Natur“

Vogelsberger Landrat kritisiert
„Vorrang für Windkraft“ im neuen Regionalplan –
Scharfe Ablehnung neuer Anlagen im Westkreis

VOGELSBERGKREIS.   16. Dezember 2010.

„Mit der Genehmigung des Regionalplans Mittelhessens 2010 wird der Vogelsbergkreis für die nächsten Jahrzehnte über die Köpfe der betroffenen Kommunen sowie der Bürgerinnen und Bürger in bisher nicht bekanntem Ausmaß negativ in seiner einzigartigen Erscheinungsweise verändert.“ Diese Sorge hat der Vogelsberger Landrat Rudolf Marx (CDU) und kritisiert damit die Anteile für neue Windkraft-Flächen im neuen, nun von der Landesregierung genehmigten Regionalplan.

Marx verweist auf die Fortschritte im Ausbau des Tourismus, auf die Anstrengungen zur Etablierung eines Unesco-Geoparks und ganz aktuell auf das Naturschutz-Großprojekt, das von Bund und Land unterstützt wird. All diese Projekte sieht Marx nun „konterkariert – in einem nie gekannten Ausmaß“. Das Zupflastern mit Großwind-Industrieanlagen zerstöre die einzigartige Naturlandschaft des Vogelsbergs. Marx will in Kürze darüber mit dem Hessischen Ministerpräsidenten reden. Marx bleibt dabei, dass der Vogelsberg „unfair“ behandelt werde. „Wir sollen fast die ganze Last tragen – das geht so nicht“, stellt er klar.

Künftig würden gewaltige überdimensionierte Wind-Industriegebiete die kleinteilige Kulturlandschaft mit Wiesen, Wäldern und Äckern sowie kleinen Ortschaften zersiedeln. Dabei seien sowohl der Vogelsbergkreis als auch die Bürgerinitiativen der zunehmenden Nutzung regenerativer Energie durchaus grundsätzlich positiv aufgeschlossen. „Aber es ist jetzt einfach zu viel, viel zu viel“, sagt Marx. Fast 80 Prozent aller mittelhessischen Wind-Industrieanlagen stehen im Vogelsberg. „Da wird es augenscheinlich, dass es jetzt reicht“, so Marx.

Aber es „geht munter weiter“, so der Landrat. Jetzt auch mit der Segnung des neuen Regionalplans. So beabsichtige ein Investor in Mücke, Feldatal und Ulrichstein weitere 13 Anlagen zu errichten. „Ich bin darüber extrem erschrocken und erbost“, teilt Marx seine Stimmungslage mit.

Die Sättigung im Vogelsbergkreis sei (insbesondere im Vergleich zu anderen Regionen Hessens) bereits heute erreicht und werde mit dem neuen Regionalplan in unerträglicher und inakzeptabler Weise überschritten. Ein verträgliches Nebeneinander von regenerativer Energieerzeugung und nahezu unberührter Kulturlandschaft werde aufgrund der zersiedelten großflächigen Ausweisung von Vorranggebieten für industrielle Windenergieanlagen massiv erschwert, mit unabsehbaren Folgen für die Erholung, die touristische Erschließung und Nutzung der Region. Die Ausweisung von Vorranggebieten für Windenergienutzung erfolge für den Vogelsbergkreis flächendeckend nach dem „Gießkannenprinzip“. Eine Struktur ist nicht erkennbar. Die Belange des Orts- und Landschaftsbildes wurden nicht berücksichtigt. Im Aufstellungsverfahren um Regionalplan wurden die Vorranggebiete mehrfach, u. a. auf Vorschlag der Investoren weiter ausgedehnt, zuletzt nach der Beschlussfassung durch die Regionalversammlung.

Dabei hätte es nach Ansicht von Marx ganz anders kommen können: „Eine durchdachte Ausweisung von Vorranggebieten in Kooperation mit dem Vogelsbergkreis und seinen Bürgerinnen und Bürgern hätte die Symbolkraft und Absicht Mittelhessens als beispielgebender Vorreiter bei der Nutzung regenerativer Energien besser und nachhaltiger zum Ausdruck gemacht.“ Diese auch für die Wirtschaftskraft und den Tourismus aussagekräftige Chance sei mit der Genehmigung des Regionalplans Mittelhessen 2010 nun endgültig vertan. Stattdessen scheinen wirtschaftliche Interessen von Investoren und einiger Kommunen das Landschaftsbild der nächsten Jahrzehnte zu prägen. Der Aussage aus der Gesamtabwägung zum Regionalplan Mittelhessen 2010, dass Windenergieanlagen Teil eine dynamischen Weiterentwicklung von Kulturlandschaft sein können, „kann ich nur vehement widersprechen“, so Marx.

Geplante Windkraftanlagen mit einer Gesamthöhe von über 185 m in der Dimension von Hochhausbauten sprengen jegliche Maßstäblichkeit und haben einen erheblichen Wahrnehmungs- bzw. Auswirkungsradius. Dazu komme neben der Landschaftszerstörung auch die stückweise Beeinträchtigung des Bodens, denn die riesigen Türme bräuchten großflächige Betonfundamente, die übrigens auch bei Veränderungen (Re-Powering) einfach im Boden verblieben.

Derzeit liegt dem Kreisbauamt des Vogelsbergkreises ein Genehmigungsverfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz für die Errichtung und den Betrieb von 13 Windkraftanlagen für das Gebiet Feldatal-Mücke-Ulrichstein zur Stellungnahme vor. Mit Verwunderung stellt Amtsleiter Bernhard Hofmann fest, dass das Kreisbauamt erneut in den Schulferien bei aufgrund von Urlaub reduziertem Personalstand innerhalb kürzester Zeit zu einer Stellungnahme aufgefordert werde.

Informationen zu den Standorten und geplanten Standorten von Großwind-Anlagen gibt es auf der Homepage des Vogelsbergkreises www.vogelsbergkreis.de

Themen (linke Spalte):

Windkraftanlagen im Vogelsbergkreis (höhere Auflösung PDF als diese Abbildung):

„Zugepflastert“ – so dicht stehen die Windräder im Vogelsbergkreis: 30 Standorte, auf denen sich bald über 200 Rotoren drehen – das sind drei Viertel aller mittelhessischen Windkraftanlagen und ein Drittel aller hessischen Rotoren. Das findet Vogelsberg-Landrat Marx „unfair“.
Abbildung: Untere Naturschutzbehörde Vogelsbergkreis

 

Der Vergleich mit dem Frankfurter Messeturm (links) und dem Fernsehturm auf dem Hoherodskopf (Zweiter von links) zeigt die Dimensionen der Windkraftanlagen.
Abbildung: Bürgerinitiative Pro Lebensraum Blaues Eck