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Umweltministerin Lucia Puttrich überreicht auf dem Hoherodskopf den Förderbescheid - Knapp 800.000 Euro aus dem Bundes-Förderprogramm „chance.natur“ - Prof. Jessel: Vogelsberg ist jetzt in der Naturzschutz-Bundesliga

14.12.2010 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

Vogelsberg ins Bundes-Förderprogramm
„chance.natur“ aufgenommen

Bundesamt für Naturschutz und Land Hessen fördern Naturschutzgroßprojekt „Vogelsberg“ mit 790.000 Euro

 

Vogelsberg in der Bundesliga des Naturschutzes
Perspektiven für Naturschutz und Landwirtschaft
Bergwiesen und Buchenwälder sollen erhalten werden

Drei Ziele:

  • Einzigartige biologische Vielfalt im Vogelsberg stärken

  • Den Landwirten eine ökonomische Perspektive bieten

  • Den Naturtourismus stärken

 

AUTOR (Text und Fotos):
DIETER GRAULICH

VOGELSBERGKREIS.  13. Dezember 2010.

„Wie könnte eine Woche schöner anfangen: Strahlend blauer Himmel, herrliches Winterwetter und die erste Phase des Naturschutzgroßprojektes „Vogelsberg“ ist angelaufen!“, sagte die Hessische Umweltministerin Lucia Puttrich Heute morgen in ihrer Begrüßung im Naturschutzinformationszentrum Hoherodskopf. Zusammen mit der Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz Professorin Beate Jessel übergab sie den Förderbescheid für die Planungsphase an den Verein Natur- und Lebensraum Vogelsberg e.V. als Projektträger. In der ersten Phase, die bis Oktober 2013 geht, wird zunächst ein Pflege- und Entwicklungsplan erstellt. Hier sind Gesamtkosten von rund 790.000 Euro eingeplant.

„Es freut mich sehr, dass wir zum Ende des internationalen Jahres der biologischen Vielfalt ein so wertvolles Gebiet in die Förderung aufnehmen konnten. Damit wird die Biologische Vielfalt gestärkt, den Landwirten eine ökonomische Perspektive gegeben und der Naturtourismus gestärkt “ sagte BfN-Präsidentin Jessel. „Der Vogelsberg hat eine große Bedeutung für die biologische Vielfalt in ganz Deutschland. Das unterstreichen wir mit der heutigen Bescheidübergabe eindrucksvoll“, ergänzte Umweltministerin Lucia Puttrich. Der Vogelsberg sei einzigartig und wer ihn noch nicht kenne, werde ihn noch lieben lernen. „Der Startschuss für dieses große Naturschutzprojekt ist auch ein wichtiger Schritt für die landwirtschaftlichen Betriebe. Nur gemeinsam mit den Betrieben wird es gelingen, die von der Landnutzung geprägte Kulturlandschaft langfristig zu erhalten“, so Puttrich.

BfN-Präsidentin Beate Jessel geht davon aus, dass die vorgesehenen Fördermittel nicht nur Arnika und Raubwürger zugute kommen, sondern die Buchenwälder in ihrer Attraktivität und Bedeutung aufgewertet und die blütenreichen Bergwiesen erhalten werden. „Davon wird die gesamte Region und vor allem der Tourismus profitieren“, erläuterte Jessel. Insgesamt gebe es in Deutschland 31 Naturschutzgroßprojekte und der Vogelsberg könne sich ab heute in einer Art Bundesliga Naturschutz fühlen.

Das Land Hessen würdigte das Engagement der Menschen vor Ort, die die Initiative für das Projekt ergriffen haben. „Diese Unterstützung ist ein Signal, auch in anderen Bereichen die Entwicklung des ländlichen Raums voranzubringen“, so Umweltministerin Puttrich. Die Mitgliedschaft von Städten und Gemeinden zeige deutlich, dass derartige Projekte von unten mitgetragen und nicht von oben verordnet werden müssten.

Der Vogelsberg umfasst das größte zusammenhängende Basaltmassiv Mitteleuropas und sei von daher einzigartig. Er repräsentiere eine Reihe von charakteristischen Biotoptypen. Dies gelte insbesondere für die großflächig vorhandenen Buchenmischwälder und Bergmähwiesen der Hochlagen in Kombination mit Feuchtwiesen und Borstgrasrasen, die von bundesweiter Bedeutung seien. Die Vielfalt und der Wert dieser Mittelgebirgslandschaft zeigen sich insbesondere auch an der Fülle bedrohter Arten und Pflanzengesellschaften. So wurden in den ausgewiesenen sieben Kerngebieten allein 225 Arten gemäß der Roten Liste des Bundes und 36 bundesweit bedrohte Pflanzengesellschaften nachgewiesen.

Dennoch sei diese Vielfalt zunehmend bedroht. „Da die Pflege der Bergmähwiesen immer unattraktiver geworden ist, sollen über den Projektzeitraum hinaus tragfähige, innovative und beschäftigungswirksame Maßnahmen entwickelt werden. Damit soll der naturnahe Lebensraum Vogelsberg im Einvernehmen mit den Landnutzern, wie Land-, Forst- und Wasserwirtschaft langfristig erhalten und gestaltet werden, “ sagte der Vorsitzende des Vereins Natur- und Lebensraum Vogelsberg e.V., Karl-Peter Mütze. „ Insbesondere gilt es auch, im Zusammenhang mit der Erhaltung und Entwicklung des reichen Artenspektrums Arbeitsplätze zu sichern und die regionalen Wertschöpfungsketten zu verbessern“, so Mütze.

Bis Oktober 2013 wird nun zunächst ein Pflege- und Entwicklungsplan erarbeitet. Dieser wird begleitet durch die Ergebnisse einer sozio-ökonomischen Analyse, die Auskunft über die Bedingungen gibt, wie sich landwirtschaftliche Betriebe der Region an der Erhaltung des Grünlandes durch eine naturschutzorientierte Nutzung beteiligen können und wollen.

Für die Phase I des Projektes sind Gesamtkosten von rund 790.000 Euro eingeplant. Der Bund beteiligt sich mit 65 Prozent, das Land mit 25 Prozent und der Projektträger mit 10 Prozent an den Kosten. Zur erfolgreichen Umsetzung des Projektes ist auch weiterhin die Mitarbeit aller regionalen Akteure erforderlich, um eine uneingeschränkte Akzeptanz für den Pflege- und Entwicklungsplan zu erreichen.

Das Bundesförderprogramm „chance.natur“ hat sich unter anderen zum Ziel gesetzt, die herausragenden repräsentativen Landschaften Deutschlands in denjenigen Fällen zu fördern und zu sichern, wenn akute Gefährdungen vorliegen und weitere zentrale Förderkriterien wie Großflächigkeit, Naturnähe und Beispielhaftigkeit erfüllt werden. Mittlerweile konnten seit 1979 auf diese Art und Weise 76 Gebiete mit rund 400 Millionen Euro gesichert werden.

Grußworte des Landtagsabgeordneten Kurt Wiegel und von Landrat Rudolf Marx und der Gastgeberin, Schottens Bürgermeisterin Susanne Schaab schlossen sich an. Marx dankte dabei besonders dem Vorsitzenden Karl-Peter Mütze den er als den Motor des Naturschutzgroßprojektes bezeichnete. Auch Walter Kreß, den viele als den „Vater des Projektes“ bezeichnen nutzte die Gelegenheit und hieß auf einige Besonderheiten des Naturschutzgroßprojektes hin.

Vereinsvorsitzender Karl-Peter Mütze, Umweltministerin Lucia Puttrich, Prof. Beate Jessel (Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz), Landrat Rudolf Marx (von links).



                                  
Aufmerksame Zuhörerinnen und Zuhörer, u.a. die Landtagsabgeordneten Kurt Wiegel und Manfred Görig.

Staatsminsterin Puttrich mit dem "Vater des Naturschutzgroßprojekts", Walter Kreß aus Freiensteinau.

Landrat Marx, Vorsitzender Mütze, Umweltministerin Puttrich, MdL Wiegel (von links).

Großes Medieninteresse.