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Nicht jeder, der viel am Computer sitzt, ist gleich süchtig - "Aber die Gefahren sind für manche junge Menschen sehr groß“ warnt Präventionsberater Wolfgang Weiser

15.02.2010 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

Nicht jeder, der viel am Computer
sitzt, ist gleich süchtig

„Aber die Gefahren sind für manche junge Menschen
sehr groß“ warnt Präventionsberater Wolfgang Weiser

VOGELSBERGKREIS.   15. Februar 2010.

„Nicht jeder, der viel am Computer sitzt, ist gleich süchtig. Aber die Gefahren sind für manche Jugendlichen sehr groß.“ Dies ist die Einschätzung von Wolfgang Weiser von der Fachstelle für Suchtprävention im Vogelsbergkreis. Im „Netzwerk Kinder- und Jugendarbeit“ informierte er vor Kurzem über neueste Erkenntnisse, Erfahrungen und mögliche Hilfen. Das Netzwerk wird regelmäßig von der Stadt Lauterbach veranstaltet und von Harald Finke (Vogelsberg Consult GmbH) moderiert. „Netz mit w(at)b-Fehlern“ hieß Weisers Vortrag und beschäftigte sich vorrangig mit dem Suchtpotential von Internet- und Onlinespielen. Die Fachstelle arbeitet in diesem Bereich eng mit der Techniker-Krankenkasse (TKK) und der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen zusammen.

Fast 100 Prozent aller jungen Menschen zwischen 12 und 30 haben heute einen Internetzugang – und sie nutzen ihn auch praktisch jeden Tag. Das Medium Internet habe in dieser Altersgruppe bereits das Fernsehen abgehängt, berichtet Wolfgang Weiser. 90 Prozent der Nutzer sind stets „Herr der Lage“, das heißt, sie surfen, chatten, spielen in überschaubaren Strukturen und vor allem in überschaubaren Zeiträumen. Ob Spielsucht, Kommunikationssucht oder Sexsucht – entscheidende Kriterien der Gefahr sind das „Nicht-Aufhören-Können“ und das „Immer-mehr-haben-wollen“. Dann wird aus einem PC-Nutzer plötzlich ein Anhängsel des Systems.

Normale Nutzer sind durchschnittlich 18 Stunden pro Woche im Netz. Die Suchtgefahr beginnt, wenn sich diese Anzahl der 30 nähert, das trifft auf etwa sieben Prozent der Nutzer zu. Drei Prozent sind bereits als Web-süchtig anzusehen; sie konsumieren Bilder, Spiele, Kommunikation in 35 Stunden pro Woche und mehr.

„Es kann nicht um die Verteufelung des neuen Mediums gehen, sondern darum, kompetent und gesteuert damit wie mit einem guten Werkzeug umzugehen“, sagt Wolfgang Weiser. Die „Generation TV“ habe viermal so viel Zeit gehabt, sich an die Möglichkeiten des Mediums „zu gewöhnen“ wie die „Generation @“. Neben Suchtgefahren gebe es auch weitere wichtige Probleme, die man nicht gering schätzen sollte: Mobbing, Gewaltverherrlichung, Realitätsverlust, Urheberrechtsverletzungen mit schwerwiegenden Strafrechtsfolgen, Viren, Würmer und Trojaner, Abzocke im Netz und „Etliches an echter Jugendgefährdung“.

Wie erkenne ich die Suchtgefahr?

Für Eltern, Freunde und Lehrerinnen und Lehrer nennt Wolfgang Weiser wichtige Merkmale, die dazu führen sollten, ein Problem zu erkennen:

Das Internet verbraucht immer mehr Stunden des Tages – ein Kontrollverlust über Beginn und Ende der Nutzung ist festzustellen – um gute Laune zu erreichen, muss immer mehr und immer länger ins Netz gegangen werden – Entzugserscheinungen zeigen sich körperlich: bei Abstinenz ist Nervosität und Gereiztheit feststellbar bis hin zu einem echten psychischen Verlangen – der Internet-Nutzer kapselt sich ab, vermeidet reale Kontakte, die Vereinsamung im tatsächlichen Leben nimmt zu – es gibt immer mehr Ärger mit Familie, Freunden, Mitschülern oder dem Arbeitgeber.

Einen jungen Menschen zu verurteilen, wenn er zuviel am „Netz hängt“, führe nicht weiter, so Wolfgang Weiser. Zunächst müsse erkannt werden, was denn so attraktiv an der ausgedehnten PC-Nutzung sei. Wer aus unterschiedlichen Gründen kein starkes Selbstwertgefühl habe, sein Selbstwirksamkeitsgefühl nicht in der Realität ausbauen könne – der sei in Gefahr. Denn im Netz gilt: da bin ich wer! Da kann ich Befehle geben! Da erhalte ich Aufmerksamkeit! Da ist wenigstens jemand! Da passiert wenigstens was! Da kann ich zuverlässig abschalten! Da kann ich meine Wut rauslassen! usw. usw.

Was können Eltern und Lehrkräfte tun?

Aufmerksam sein, Symptome wahrnehmen und ansprechen, selbst die Welt des web kennen lernen, um mitreden zu können, Medienkompetenz verstärken. Nicht zuletzt: Vorbild sein und „besser etwas bieten (zum Beispiel Sport) als etwas verbieten“.

Informationen:

 

Hessische Landesstelle für Suchtfragen
Telefon 069/71376777
www.hls-online.org

hls(at)hls-online.org

Fachstelle für Suchtprävention im Vogelsbergkreis
Telefon 06658/919594
http://fachstelle.suchthilfe-vb.de (ohne www)
wolfgang.weiser(at)vb-suchthilfe.de

www.onlinesucht.de

www.rollenspielsucht.de