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Sozialehrenpreis des Vogelsbergkreises für Horst Reiß und drei Hospizvereine in Lauterbach, Alsfeld und Schotten - Rede von Herrn Landrat Rudolf Marx - Überreichung der Auszeichnung in der Kreistagssitzung am 14. 12. 2009 in Lauterbach

14.12.2009 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

 

Sozialehrenpreis des Vogelsbergkreises
für Horst Reiß und drei Hospizvereine
in Lauterbach, Alsfeld und Schotten

Rede von Herrn Landrat Rudolf Marx

Überreichung der Auszeichnung in der
Kreistagssitzung am 14. Dezember 2009
in Lauterbach

Unser Foto zeigt von links Landrat Rudolf Marx, Herrn Horst Reiß, Herrn Pfarrer Richardt, Herrn Dr. Pfann, Frau Dr. Mesinovic, Herrn Kreistagsvorsitzenden Ulrich Künz und Herrn Ersten Kreisbeigeordneten Gerhard Ruhl.
Foto: Pressestelle Vogelsbergkreis

Verleihung des Ehrenpreises für vorbildliche Sozialarbeit des Vogelsbergkreises im Jahr 2009

in der Kreistagssitzung am 14. Dezember 2009 - Rede Landrat Marx

Sehr geehrter Herr Reiß,
sehr verehrte Frau Dr. Mesinovic,
sehr geehrter Herr Dr. Pfann,
sehr geehrter Herr Pfarrer Richardt,
sehr geehrter Herr Kreistagsvorsitzender,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

seit 1988 verleiht der Vogelsbergkreis den Ehrenpreis für vorbildliche Sozialarbeit. Auch in diesem Jahr sind zahlreiche Vorschläge in der Kreisverwaltung eingegangen. Darüber freue ich mich, denn die Bereitschaft von Bürgerinnen und Bürgern, sich aktiv in das kommunale Geschehen einzubringen, ist die Voraussetzung für einen lebendiges Für- und Miteinander in unserem Landkreis. Bürgerschaftliches soziales Engagement ist Teil der vor Ort, in unserem Landkreis, in unseren Städten und Gemeinden, vorfindbaren Lebensqualität, die es zu bewahren und weiter auszubauen gilt.

Meine Damen und Herren,

es gibt viele Menschen im Vogelsbergkreis, die sich im sozialen Bereich freiwillig engagieren und sehr wertvolle Arbeit leisten. Diese Arbeit geschieht nicht im Rampenlicht. Die Hilfe wird vielfach im Stillen geleistet, unbemerkt von der Öffentlichkeit, aber dennoch nachhaltig und wirkungsvoll.

Ehrenamtliche soziale Arbeit ist gekennzeichnet von der Fähigkeit verantwortungsbewusster Bürgerinnen und Bürger, hinzuschauen, Not zu erkennen, das Gespräch miteinander zu suchen, Zuhören zu können und den Anderen ernst zu nehmen. Es kommt auch darauf an, die örtlichen Hilfenetze zu kennen, als Lotse in diesem Netz  hilfreiche Wege aufzuzeigen und auch professionelle Hilfs- und Unterstützungsangebote zu vermitteln.

Ehrenamtliche soziale Arbeit macht hauptamtliche soziale Arbeit nicht entbehrlich, im Gegenteil, sie ist eine wertvolle Ergänzung zu professionellen sozialen Dienstleistungsangeboten. Sie trägt zu mehr Mitmenschlichkeit bei und sorgt dafür, dass hilfesuchende Menschen frühzeitig aufgefangen werden können.

Menschen, die ein soziales Ehrenamt übernehmen, erfüllen ihren Dienst, der zuvorderst ein Dienst am Nächsten ist, auf einem festen Fundament von Idealen und Wertvorstellungen, und ihr uneigennütziger Einsatz für die Gemeinschaft verdient unseren Respekt und unsere ganz besondere Anerkennung.

Für die Verleihung des Ehrenpreises in diesem Jahr musste vom Kreisausschuss des Vogelsbergkreises eine Auswahl getroffen werden, wobei für die Festlegung der Ehrung Art, Umfang und insbesondere die Dauer der ehrenamtlichen Tätigkeit eine Rolle gespielt haben.

Der Kreisausschuss hat entschieden, den Ehrenpreis für vorbildliche Sozialarbeit zu teilen und an 4 Preisträger zu verleihen.

Es sind

· Herr Horst Reis aus Lauterbach
· der Hospizverein Alsfeld
· der Hospizdienst Lauterbach/Schlitz  und
· die Lebensbegleitung Hospizhilfe Schotten-Nidda.

Erlauben Sie an dieser Stelle einige Ausführungen zu den der Ehrung zugrunde liegenden Verdiensten.

Ich beginne mit Ihnen, sehr geehrter Herr Reiß.

Meine Damen und Herren,

Herr Horst Reiß engagiert sich in erheblichem und vorbildlichem Maße im sozialen Bereich, insbesondere im Sozialverband VdK Deutschland, der ihn auch für die Ehrung mit dem Ehrenpreis für ehrenamtliche Sozialarbeit vorgeschlagen hat.

Seit 1993 Mitglied im Ortsverband Maar, wählte die Mitgliedschaft Herrn Reiß noch in diesem Jahre zum Ortsverbandsvorsitzenden. Seit dieser Zeit ist Horst Reiß mit großem Einsatz in dieser ehrenamtlichen Funktion tätig. Der Ortsverband Maar ist einer der größten Ortsverbände im Kreisverband Lauterbach. Diese Entwicklung hat Herr Reiß durch sein persönliches Bemühen und die direkten Kontakte mit den hilfesuchenden Menschen herbeigeführt. Er hat damit über viele Jahre tätige soziale Hilfe an Menschen geleistet.

Aufgrund seiner hervorragenden Arbeit im örtlichen sozialen Bereich wurde Horst Reiß beim Kreisverbandstag 2000 in den Kreisvorstand des VdK-Kreisverbandes Lauterbach berufen.

Der Kreisvorstand wählte Herrn Reiß im Jahre 2003 zum stellvertretenden Kreisvorsitzenden und im Jahre 2007 wählte die Kreisverbandsversammlung Horst Reiß zum Kreisvorsitzenden des VdK Kreisverbandes Lauterbach. Herr Reiß wirkt in diesem überörtlichen ehrenamtlichen Bereich in besonderem Maße für die Belange der hilfsbedürftigen Menschen. Insbesondere in der Beratung und der tätigen Hilfe leistet Herr Reiß Wertvolles am und für die Menschen. Gerade in der heutigen Zeit mit den wirtschaftlichen Schwierigkeiten ist die Kreisgeschäftsstelle des VdK für eine große Zahl Menschen der Anlaufpunkt für ihre Nöte. Diesen Menschen zu helfen, erfordert großes Verständnis, Einfühlungsvermögen und Entgegenkommen. Weiterhin sind umfangreiche Kenntnisse auf dem Gebiete des Sozialrechts gefordert.

Der Kreisverband Lauterbach hat sich unter der Führung von Horst Reiß zu einem großen Verband mit 2630 Mitgliedern entwickelt.
Herr Reiß ist Mitglied im Vorstand des VdK-Bezirksverbandes Fulda und Mitglied des Landesverbands-Ausschusses des VdK-Landesverbandes Hessen und vertritt hier die Interessen der Sozialschwachen.

Horst Reiß betätigt sich weiterhin in der Seniorenhilfe Maar und ist Mitglied des Seniorenbeirates der Kreisstadt Lauterbach.

Die soziale Einstellung von Herrn Reiß kommt darüber hinaus in seiner ehrenamtlichen Tätigkeit für ein Gemeinwesen wie es der Stadtteil Maar und die Stadt Lauterbach sind, zum Ausdruck. Herr Reiß ist seit 1991 Ortsvorsteher des Stadtteils Maar und er ist Stadtverordneter in der Stadt Lauterbach.
Ich komme jetzt zu den weiteren Preisträgern, die gemeinsam haben, dass sie sich in vorbildlicher Weise in der hospizlichen Arbeit engagieren und wertvolle Bausteine eines Palliativnetzwerks sind, das es gilt aufzubauen und dicht zu knüpfen, um Menschen eine verantwortbare Sterbe- und Trauerbegleitung anzubieten. Der gesellschaftliche Wandel hat auch im Vogelsbergkreis zur Folge, dass Familienstrukturen brüchiger werden. Das, was früher in Großfamilien ganz selbstverständlich geleistet wurde, schwerkranke und sterbende Menschen und Angehörige zu begleiten, ihnen Trost zu spenden und ihnen durch die schweren Stunden auch der Trauer zu helfen, muss heute immer öfter von außen aufgefangen werden. Immer mehr alte Menschen leben allein.
Ehrenamtliche Hospizhelfer stellen sicher, dass
· Menschen am Ende des Lebens nicht allein sein müssen;
· letzte Angelegenheiten in Ruhe geregelt und Sinnfragen angesprochen werden können;
· Verwandte und Freunde bei der Begleitung ihrer Angehörigen zeitweise entlastet werden können;
· Ängste und Sorgen in der Auseinandersetzung mit Krankheit, Abschied und Trauer angesprochen werden können;
· Sterbende Menschen nach Möglichkeit bis zuletzt in der vertrauten Umgebung bleiben können.

Diese Zeilen habe ich im Vogelsberger Internet-Informationssystem „invos“ unter dem Stichwort „ambulante Hospizdienste“ gefunden. Die Hospizhilfe Schotten-Nidda e.V., die heute unter den zu Ehrenden ist, beschreibt so ihr Aufgabengebiet. Ich habe diese Zeilen zitiert, weil sie für alle 3 zu ehrenden Initiativen gelten. Sie sind die Grundlagen ihrer ehrenamtlichen Arbeit.

Es würde sicherlich den zeitlichen Rahmen sprengen, alle 3 Hospizvereine ausführlich vorzustellen. Erlauben Sie mir deswegen stellvertretend für alle drei zu ehrenden Initiativen den Hospizdienst Lauterbach/Schlitz näher zu beleuchten, der unter anderem vom Diakonischen Werk Vogelsberg und von der CDU-Kreistagsfraktion für diese Ehrung vorgeschlagen wurde.
Der Verein leistet vorbildliche Arbeit in der Betreuung und Umsorgung von meist schwer kranken Menschen in der letzten Lebensphase. Er hat sich einer Aufgabe angenommen und führt diese aus, die in den vergangenen Jahrzehnten in unserer Gesellschaft auch im ländlichen Bereich von vielen Menschen bewusst oder unbewusst ausgeblendet wurde.

Der ambulante Hospizdienst Lauterbach/Schlitz besteht seit 2003 und ist für den Raum Lauterbach, Wartenberg und Schlitz zuständig. Er steht allen Mensch offen, seine Hilfe gilt ebenso den Angehörigen und Freunden eines Sterbenden oder schwer Erkrankten. Sie reicht über den Tod eines Menschen hinaus, d.h. auch die Trauerbegleitung gehört zum Angebot des Hospizdienstes.
Ziel des hospizlichen Engagements ist die pychosoziale Begleitung betroffener Mensch vor Ort und die Verbreitung der Hospizidee in der Öffentlichkeit. Hospizidee bedeutet, dass das Sterben wieder als Teil des Lebens begriffen wird und jeder Mensch an seinem Lebensende den Schutz und die Unterstützung erhält, die er individuell und konkret braucht.

Zu den Aufgaben gehören auch die persönliche Beratung von Betroffenen, z.B. zum Thema Patientenverfügung und die allgemeine Information über Hospizarbeit bei entsprechenden Veranstaltungen.

2004 haben sich die Mitglieder einzeln dem überregionalen IGSL-Hospiz Verein in Bingen angeschlossen, um auch rechtlich abgesichert ihren Dienst ausüben zu können. Seit 2006 ist der Hospizdienst Lauterbach/Schlitz insgesamt eine von ca. 30 Regionalgruppen dieses Dachverbandes.

Der Hospizdienst Lauterbach/Schlitz arbeitet rein ehrenamtlich, ist unabhängig und überkonfessionell ausgerichtet.

Derzeit hat der Hospizdienst 25 Mitglieder, die jährliche Anzahl an Sterbe- und Trauerbegleitung beträgt durchschnittlich 20. Mittlerweile haben 3 Seminare in Lauterbach stattgefunden, um an der Arbeit Interessierte Menschen für den Hospizdienst vorzubereiten. Damit soll erreicht werden, dass das Angebot des Hospizdienstes personell und räumlich aufrechterhalten und noch ausgedehnt werden kann.

Für die Zukunft ist davon auszugehen, dass die Bitten um ehrenamtliche hospizliche Betreuung zunehmen werden, da die professionelle Palliativversorgung in der Region jetzt aufgebaut wird und beide Anteile inzwischen zur medizinischen Versorgungsrealität gehören.

Der Hospizverein Alsfeld e.V. wurde im April 2000 gegründet und ist der älteste Verein im Landkreis. Er hat 100 Mitglieder und arbeitet eng mit dem Kreiskrankenhaus Alsfeld zusammen, das wiederum einer der Träger des Hospiz und Palliativnetzes Waldhessen ist und mit seiner Sozialstation Alsfeld/Romrod auf einem guten Weg ist, die integrierte Versorgung für Palliativpatienten im Altkreis Alsfeld sicherzustellen.

Die Hospizhilfe Schotten-Nidda e.V., die im Jahr 2001 ins Leben gerufen worden ist, hat 70 Mitglieder. Auch hier ging die Gründungsinitiative von einem Arzt aus dem Krankenhaus, in diesem Fall dem Kreiskrankenhaus in Schotten, aus.

So, wie sich Herr Dr. Pfann in Alsfeld engagiert für den Aufbau der hospizlichen Arbeit eingesetzt hat, war es in Schotten Herr Dr. Kraupner, der in 2001 die Initiative ergriffen hat.

Meine Damen und Herren,

die diesjährigen Preisträger sind Menschen, die in ihrem Beruf, aber auch mit ihrem persönlichen Engagement, sozialen Themen den notwendigen Raum geben und damit kompetent in die Debatte um das gesellschaftliche Miteinander eingreifen und uns wichtige Impulse geben. Das gilt für den VdK, für dessen zahlreiche aktive Helferinnen und Helfer wir heute stellvertretend Herrn Horst Reiss auszeichnen. Das gilt aber auch für die Aktiven in der hospizlichen Arbeit. Sie gestalten soziale Lebenswirklichkeit. Sie geben dem Menschsein Raum. Ihr soziales Engagement ist verantwortungsvoll und beeindruckend. Sie sind würdig für die Verleihung des Ehrenpreises des Vogelsbergkreises für vorbildliche Sozialarbeit.