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„Prograss“: Einmaliges europäisches Energieprojekt im Vogelsberg gestartet - Professor Wachendorf zu Besuch bei Landrat Marx – Biomasse wird zu Strom, Wärme und Festbrennstoff

29.10.2009 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

„Prograss“: Einmaliges europäisches
Energieprojekt im Vogelsberg gestartet

Professor Wachendorf zu Besuch bei Landrat Marx –
Biomasse wird zu Strom, Wärme und Festbrennstoff

VOGELSBERGKREIS.     29. Oktober 2009.

Bis zur energetischen Autarkie – also der Unabhängigkeit von traditionellen Brennstoffen – wird es sicher noch eine Weile dauern. Aber was Professor Dr. Michael Wachendorf von der Universität Kassel vor wenigen Tagen dem Vogelsberger Landrat Rudolf Marx im Kreishaus in Lauterbach vorstellte, kann schon revolutionär und in seiner Art in Europa einzigartig genannt werden – auch, wenn es zunächst „nur“ ein wissenschaftliches Forschungsprojekt ist. Der Prototyp kommt nach Lauterbach-Frischborn. Dort wollen die Wissenschaftler herausfinden, wie man in einer ländlichen Region zu einem günstigen neuen Festbrennstoff mit hohem Energiewert kommt.

„Prograss – Erhalt von Naturschutzgrünland durch eine dezentrale energetische Verwertung“ – so lautet der komplette Name des transeuropäischen Vorhabens, in dem drei Partner unter der Regie der Uni Kassel kooperieren: die Kreisverwaltung des Vogelsbergkreises (Amt für den ländlichen Raum), ein biologisches Institut in Wales/Großbritannien und die Universität in Tartu/Estland. Das Ziel ist es herauszufinden, wie man Biomasse sowohl zur Erzeugung von Strom als auch von Wärme, vor allem aber zur Gewinnung eines Festbrennstoffs möglichst effizient nutzen kann. Möglichst viel speicherbare Energie soll herauskommen, man rechnet mit 70 Prozent, die restlichen 30 Prozent werden über Biogas zu Strom und Wärme, wobei die Wärme für den Trockungsprozess zur Herstellung des Festbrennstoffs direkt verwertet wird.

Die Vorteile: günstige Energie unter Nutzung von Ressourcen direkt vor der Haustür. Gleichzeitig diene das Projekt der heimischen Landwirtschaft und der Landschaft, betonte Landrat Marx in Lauterbach. „Ich sage ein klares Ja zu erneuerbaren Energien, die obendrein der Landschaft dienen“, so Marx. Die Nutzung alternativer Energieformen sei hoch bedeutsam in ökonomischer und ökologischer Hinsicht. Marx zeigte sein hohes Interesse an dem Forschungsvorhaben, das die Bioenergie europaweit und im Interesse der Region voran treiben könne.

Der Vogelsberg habe ein großes Potenzial, das sich zur Energiegewinnung nutzen ließe. Das Projekt Prograss stehe im Kontext mit dem Bundesprojekt Bioenergieregion Mittelhessen und stelle einen wichtigen Schritt zur Verbesserung der Zukunftsfähigkeit der Region dar, so Marx, der sich darüber freute, vom zuständigen Fachausschuss für Umwelt und Landwirtschaft des Kreistages „Grünes Licht“ zur Teilnahme am Projekt erhalten zu haben. In der Kreisverwaltung sind die Koordinatoren aus der Landschaftspflege und der Regionalentwicklung, Joachim Schönfeld und Lorenz Kock, mit dem wissenschaftlichen Forschungsvorhaben befasst.

Die konsequente Ausrichtung des Projektes auf die unter Naturschutz stehenden Wiesen und Weiden des Vogelsberges markiere ein Alleinstellungsmerkmal, das zum Erfolg geführt hat bei der Projektauswahl auf EU-Ebene, erläuterte Diplom-Ingenieur Lorenz Kock. Das Projekt Prograss ist eines von 143 europaweiten Umwelt und Naturschutz-Projekten.

Von ursprünglich 700 Bewerbungen konnten elf nach Deutschland und eines nach Hessen an den Standort Vogelsberg geholt werden. Verbunden mit dem 3,24 Millionen-Euro-Etat für Prograss sei ein Zuschuss in Höhe von 1,6 Millionen Euro. Trotz der beeindruckenden Zahlen stelle dieser Rahmen ein „strammes Korsett“ dar, so Professor Wachendorf. Schließlich seien Bestandteil des Kostenrahmens sowohl die Entwicklung und der Bau der Energiegewinnungsanlage als auch deren Transport zu den Partnerregionen in Wales und Estland. Die Förderung der EU erfolgt über das Projekt „Life +“. Programmschwerpunkte sind die Unterstützung der Entwicklung innovativer und integrierter Umwelttechniken in Verbindung mit Naturschutzthemen.

Energiegewinnungsanlage kommt nach Frischborn

Mittlerweile sei die Ernte der Biomasse von den Projektflächen des Vogelsberges und denen der Partnerregionen abgeschlossen, erläuterte der Professor. Der nächste große Schritt sei die Inbetriebnahme der Prototyp-Anlage auf dem Sonnenhof in Lauterbach-Frischborn in wenigen Wochen. Die Synchronisierung der Beerntung und Beprobung der Projektflächen in den Partnerregionen stelle mit die größte Herausforderung dar, erläuterte der Doktorand Lutz Bühle, Diplom-Agraringenieur, der als Projektmanager fungiert.

„Keine Flächenkonkurrenz zu den Milchviehhaltern“

Die Ausweisung der Demonstrations- und Versuchsflächen erfolgte in enger Zusammenarbeit mit dem Amt für den ländlichen Raum und Dr. Heiko Sawitzky vom Planungsbüro Natur und Landschaft in Hungen. Man habe sehr gut an vorhandenes Wissen anknüpfen und für die Region repräsentative Flächen finden können, so ARL-Chef Karl-Peter Mütze. Es handele sich um ein Richtung weisendes Projekt, dessen kommerzielle Nutzung wohl noch einiger Forschung bedürfe, jedoch eng mit den Ressourcen der Region verbunden sei. Zudem eröffne sich die Chance einer „echten Einkommensalternative für den einen oder anderen Landwirt“, sagte Mütze. Zudem sei man gerade auf den Naturschutzflächen nicht in einer Flächenkonkurrenz zu den Milchvieh haltenden Landwirten. Für Landrat Marx ist es wichtig, die Landwirte umfassend über das Projekt zu informieren. Joachim Schönfeld berichtete von einer großen Aufgeschlossenheit. „Mögliche neue Wege werden gesehen“, sagte Schönfeld.

Kernstück bilde nach den Worten von Professor Wachendorf der technologische Ansatz. Mit der „Integrierten Festbrennstoff- und Biogasproduktion aus Biomasse (IFBB)“ könnten die Aufwüchse von Naturschutzgrünland energetisch genutzt werden. Ziel sei, neben der Stromproduktion nach dem Prinzip einer Biogasanlage, die Gewinnung eines Festbrennstoffes in Form von „Naturschutzpellets“. Die bei dem Betrieb der Biogasanlage anfallende Wärme kann vollständig für die Trocknung der Pellets verwendet werden. Damit entstehe ein geschlossenes System mit einer sehr guten Anwendungsmöglichkeit für eine ländlich strukturierte Region wie dem Vogelsberg, betonte Wachendorf abschließend.

www.prograss.eu

 

Als einziger hessischer Partner nimmt der Vogelsbergkreis an einem spannenden europäischen Pilotprojekt teil, in dem Naturschutz-Biomasse zu Strom, Wärme und Festbrennstoff umgewandelt werden soll. Unser Foto zeigt von links Joachim Schönfeld, Dr. Heiko Sawitzky, Lorenz Kock, Landrat Rudolf Marx, Professor Dr. Michael Wachendorf (Universität Kassel, Fachgebiet Grünlandwissenschaft und nachwachsende Rohstoffe), Karl-Peter Mütze (Leiter des Amtes für den ländlichen Raum), Lutz Bühle und Richard Schaap.
Foto: Pressestelle Vogelsbergkreis

 

IFBB - Integrierte Feststoff-
und Biogasproduktionn aus Biomasse

Das Konzept: