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Vogelsberg-Landrat Rudolf Marx überreicht Landesehrenbrief an Kreisbeigeordnete Sylke Emmermann - "Außerordentlichen Energie, Beharrungsvermögen und große Integrationskraft"

10.02.2009 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

 

Landrat Rudolf Marx bedankt sich herzlich für das heraus ragende Engagement von Sylke Emmermann.

9. Februar 2009

Landrat Rudolf Marx überreicht
den Ehrenbrief des Landes Hessen an
Kreisbeigeordnete Sylke Emmermann

 

Kreistag in Kirtorf - Rede von Landrat Rudolf Marx am
Montag, dem 9. Februar 2009, 15.00 Uhr

Sehr verehrte Frau Emmermann,

meine sehr geehrten Damen und Herren,

bevor der Kreistag heute seine  Beratungen aufnimmt, habe ich die Ehre, Ihnen, liebe Frau Emmermann, im Auftrag von Herrn Ministerpräsident Roland Koch den Ehrenbrief des Landes Hessen zu überreichen.

Darüber freue ich mich. Ganz besonders freue ich mich, weil ich heute diese Auszeichnung Ihnen, einer Frau, überreichen darf. Das geschieht leider viel zu selten. Männliche Würdenträger prägen das öffentliche Bild. Dass das Wirken von Frauen für die Gesellschaft hervorgehoben und anerkannt wird, ist leider noch immer eher die Ausnahme.

Sie, liebe Frau Emmermann, zählen zu den Menschen, die sich seit vielen Jahren in ganz besonderem Maß ehrenamtlich für die Gemeinschaft einsetzen.

Ein Tag hat 24 Stunden – das gilt für jeden Menschen. Aber nur wenige Menschen schaffen es, ihren Tag mit so viel Aktivität zu füllen, wie Sie dies regelmäßig tun. Ich bin immer wieder davon beeindruckt, mit wie viel Energie und Tatkraft Sie es verstehen, Familie, Beruf und Ehrenamt unter einen Hut zu bringen. Sie leisten Bemerkenswertes und das in allen Bereichen Ihres Lebensalltags.

Erlauben Sie mir, meine Damen und Herren, Ihnen die Persönlichkeit der Geehrten in zwei Bereichen der Kreispolitik näher zu bringen.

1997 wurde Sylke Emmermann das erste Mal in den Kreistag gewählt. Sie war 33 Jahre alt, gerade Witwe geworden und hatte neben Ihrem Beruf noch zwei kleine Kinder zu versorgen. Ich erinnere mich noch, dass Christina, die jüngste Tochter, gerade einmal 4 Jahre alt war.

Sylke Emmermann wurde von ihrer Partei, der CDU, bereits zwei Monate nach ihrer Wahl in den Kreistag für den Kreisausschuss vorgeschlagen. Als Kreisbeigeordnete ist die Geehrte jetzt schon in der dritten Legislaturperiode im Amt und das mit einem stetig gewachsenen Aufgabenspektrum.

Im Juli 2001 habe ich Sylke Emmermann zur Gleichstellungsbeauftragten im Vogelsbergkreis ernannt. Sofort begann sie mit dem Aufbau der Fachstelle für Frauen und Kinder in Not mit einem niedrigschwelligen Beratungsangebot und wurde auch selbst eine wichtige Ansprechpartnerin für Frauen. In ungezählten Vier-Augen-Gesprächen hat Sylke Emmermann Rat- und Hilfesuchende ermutigt und konkrete Hilfe vermitteln können. Dabei hat sie auch für sich selbst außergewöhnliche Belastungen hingenommen, verarbeiten und verkraften müssen.

Meine  Damen und Herren, machen Sie sich bitte klar, dass die vielfache Schilderung von Gewalterfahrungen und großer persönlicher Not Spuren hinterlässt. Um damit umzugehen, bedarf es nicht nur einer hohen Sozialkompetenz, sondern auch großer innerer Stärke und nicht zuletzt braucht es dazu auch viel Selbst – und Gottvertrauen.

Es ist ganz sicher das Verdienst von Frau Sylke Emmermann, dass das Thema: „Nein sagen zu Gewalt an Frauen und Kindern“ bis weit in die Mitte unserer Gesellschaft hinein- und damit aus der Tabuzone herausgeholt worden ist.

Einen wesentlichen Beitrag dazu hat auch die von ihr initiierte Präventionsarbeit gemeinsam mit Vogelsberger Schulen geleistet. Allein mit dem Theaterprojekt „Finger weg von Julia“, hier geht es um die Sensibilisierung von Eltern, Lehrern und Kindern gegenüber sexuellem Missbrauch an mittlerweile fast allen Grundschulen unseres Landkreises, hat Sylke Emmermann weit über 2000 Eltern erreichen können.

Sylke Emmermann hat gemeinsam mit der Polizei den Runden Tisch Gewaltschutz eingerichtet und sie hat dadurch die Vernetzung mit allen wichtigen Akteuren, zum Beispiel dem Jugendamt, dem Amt für soziale Sicherung, dem Weißen Ring,  und weiteren externen Fachleuten hergestellt.

In den öffentlichen Fokus gerückt hat Sylke Emmermann auch das Thema „Frauengesundheit“. Dabei hat Sie sich an den Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation orientiert, dass nämlich Gesundheit mehr ist als die Abwesenheit von Krankheit. Mit unterschiedlichen Schwerpunkten hat sie in sieben solchen Veranstaltungsreihen einige Tausend Menschen angesprochen.

Meine Damen und Herren,

es zeichnet Frau Emmermann aus, dass sie all diese von mir eben geschilderten Aktivitäten nebenberuflich, also ehrenamtlich ausgeführt hat. Diese Herangehensweise hat sie im übrigen jahrzehntelang „geübt“. Ob bei der Jungen Union, der Frauen-Union oder der Mutterpartei CDU bzw. bei ihrer kommunalpolitischen Arbeit in der Stadt Schotten, immer hat sie sich mit Leidenschaft, großer Begeisterungsfähigkeit und eben ehrenamtlich für ihre politischen Ziele eingesetzt. Dabei war sie oft Pressesprecherin, Projektentwicklerin und Motor für Neues.

Gleiches gilt auch für ihre wiederum ehrenamtlich geleisteten Tätigkeiten im Bereich Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt. Ich nenne hier nur beispielhaft ihr Engagement für die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, die Deutsche Waldjugend, den Naturpark Hoher Vogelsberg, die Förderung des regionalen Tourismus und nicht zuletzt ihren Einsatz als Naturparkführerin.

Meine Damen und Herren,

ich möchte es nicht versäumen, an dieser Stelle auch einen kurzen Blick auf den beruflichen Werdegang der Geehrten zu werfen.

Sylke Emmermann hat nach der Mittleren Reife die Fachoberschule mit dem Schwerpunkt Landwirtschaft und Umwelt besucht und die Fachhochschulreife erworben. Sie hat eine fachpraktische Ausbildung in der Landesforstverwaltung absolviert und sich später auch zur staatlich geprüften Hauswirtschafterin fortgebildet. Sie hat die Ausbildereignungsprüfung abgelegt. Sie hat unter anderem in der Landesgeschäftsstelle der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald in Wiesbaden gearbeitet. Sie war und ist freie Mitarbeiterin der Zeitschrift „Unser Wald“, und sie ist seit Juni 1989 bis heute stellvertretende Leiterin des im selben Jahr eröffneten Jugendwaldheims Petershainer Hof.

In dieser waldpädagogischen Jugendbildungseinrichtung war sie nicht nur für den konzeptionellen und projektbezogenen Aufbau sowie für die Öffentlichkeitsarbeit und Finanzbuchhaltung verantwortlich, sondern auch für den gesamten Bereich der Unterbringung und Verpflegung der jungen Menschen.

Sylke Emmermann kann in ihrem ehrenamtlichen Wirken nur erfolgreich sein, weil sie wichtige Leitungs- und Organisationskompetenzen in ihrem Hauptberuf praktiziert und sich darüber hinaus auch im Ehrenamt immer um Professionalität bemüht hat. Immer wieder hat sie in ihrer Freizeit an externen Weiterbildungen teilgenommen, um ihren verantwortungsvollen Aufgaben im Zuständigkeitsbereich ihres Dezernates für Frauen, Familien und Senioren gerecht werden zu können.

Eine moderne, zukunftsfähige und solidarische Gesellschaft braucht  die Kreativität, Fantasie und Kompetenz der Frauen an verantwortlicher Stelle. Das hat sich auch und besonders bei der Gründung des Lokalen Bündnisses für Familie im Vogelsbergkreis im März 2008 bestätigt. Es ist der außerordentlichen Energie, dem Beharrungsvermögen und der großen Integrationskraft Sylke Emmermanns geschuldet, dass unser Landkreis jetzt auch in diesem Bereich viele neue Kräfte mobilisiert hat.

Das Lokale Bündnis für Familie ist mit dem Namen Emmermann untrennbar verknüpft. Es ist Sylke Emmermann gelungen, gesellschaftliche Akteure aus den unterschiedlichsten Bereichen des öffentlichen Lebens, aus Kirchen und Sozialverbänden, aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft an einen Tisch zu bringen und zu einer überkonfessionellen und überparteilichen Zusammenarbeit zu bewegen.

Liebe Frau Emmermann,

ich verspreche Ihnen als Landrat, dass Ihre wichtige Arbeit in all den aufgezählten Bereichen auch über den Tag Ihres Ausscheidens aus dem Kreisausschuss Ende Februar hinaus in meiner Verantwortung, in meiner Kreisverwaltung, engagiert und verantwortungsvoll weitergeführt wird. Dieses Versprechen gilt auch gegenüber all jenen Mitbürgern, die die Bündnisarbeit in den zurückliegenden Jahren begleitet, mit vielen guten Ideen bereichert und nachhaltig mitgetragen haben.

Sehr geehrte Frau Emmermann,

ohne Ihrer offiziellen Verabschiedung im Kreisausschuss am 26. Februar vorgreifen zu wollen, darf ich Ihnen vor den Mitgliedern dieses Hausen meinen herzlichen Dank für Ihren Einsatz für unseren Vogelsbergkreis aussprechen. Für Ihre weitere Zukunft hoch im Norden wünsche ich Ihnen von Herzen beruflich Erfolg und Mut und für Ihre Familie und Sie persönlich wünsche ich Ihnen Glück, Gesundheit und Gottes Segen.

 

Landrat Marx, Sylke Emmermann und Kreistagsvorsitzender Ulrich Künz. Links im Bild Sozialamtsleiter Werner Köhler.

 

Die Leiterin des Diakonischen Werks, Christa Wachter (rechts), gratuliert Sylke Emmermann und bedankt sich für die Tatkraft und Emmermanns Fähigkeit, überparteiliich viele Kräfte der Region zu mobilisieren und zu integrieren.

Alle Fotos: Pressestelle Vogelsbergkreis