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Vogelsberg-Landrat Rudolf Marx ist schockiert über Windkraft-Absichten der Gemeinde Freiensteinau - 30 neue 150 m hohe Anlagen geplant - Neu: Auch mitten im Wald

10.02.2009 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

Landrat Rudolf Marx zeigt sich schockiert
über Windkraftvorhaben in Freiensteinau

 

„30 neue Anlagen zerstören
komplett das Landschaftsbild –
Flächennutzungsplanung darf
Regionalplan nicht aushebeln“


VOGELSBERGKREIS.   10. Februar 2009.

Der Vogelsberger Landrat Rudolf Marx (CDU) ist schockiert über das Vorhaben der Gemeinde Freiensteinau, 30 zusätzliche große Windkraftanlagen auf ihrem Territorium zuzulassen. Marx hat deswegen an den für die Genehmigung zuständigen Regierungspräsidenten in Gießen geschrieben und ihn eindringlich gebeten, „sich dafür einzusetzen, dass die Planungsabsichten der Gemeinde Freiensteinau in den Teilplan Energieversorgung auf der Ebene der Regionalplanung eingebunden werden“. Die Flächennutzungsplanung einer Gemeinde dürfe die Ziele des Regionalplans nicht „aushebeln“, unterstreicht Marx. Im Vergleich zur Haltung der Gemeinde vor drei Jahren gegenüber der Windkraft sei eine „Kehrtwendung um 180 Grad“ festzustellen, bedauert der Landrat.

Sechs Anlagen an zwei Standorten stehen zurzeit in Freiensteinau, vier davon sollen aufgerüstet werden („Repowering“). Zusätzlich sollen – wenn es nach dem Bestreben der Investoren und dem dafür geänderten Flächennutzungsplan der Gemeinde geht – an fünf weiteren Standorten insgesamt 30 Anlagen mit einer Höhe von bis zu 150 Metern aufgestellt werden. Die Landrats-Kritik ist deutlich: „Meines Erachtens setzt sich die Planung der Gemeinde über die Kriterien des Regionalplans hinweg und sprengt jeglichen Rahmen.“ Marx befürchtet auch einen Präzedenzfall, da „auch andere Gemeinden aufgrund finanzieller Überlegungen dem Beispiel Freiensteinau folgen könnten“. Dadurch würde es zu einer unkontrollierten Ausweisung von Windkraftstandorten kommen, wodurch das Landschaftsbild des Vogelsberg nicht nur teilweise, sondern dann völlig verändert würde.

Die Naturschutzbehörde, das Amt für den Ländlichen Raum und die Kreisbauaufsicht kommen in ihren fachlichen Stellungnahmen zur erwünschten Flächennutzungsplanänderung zu ähnlichen Einschätzungen. So schreibt die Baufsicht: „Von weiteren Ausweisungen für Vorrangflächen zur Nutzung der Windenergie ist nach Beschluss des Kreisausschusses abzusehen, damit der Wirtschaftssektor Erholung und Tourismus durch die nachhaltige Beeinträchtigung des Landschaftsbildes – im Besonderen durch die Fernwirkung der 150 Meter hohen Anlagen nicht geschwächt wird. Im Besonderen sind Waldflächen, die der Naherholung dienen von raumbedeutsamen Vorhaben frei zu halten.“

Allein 24 der 30 geplanten Anlagen würden die „Silhouette des Waldes zerschneiden“, da die Rotorköpfe und die Rotoren mit in der Spitze bis zu 150 Metern Höhe über den Baumkronen wahrnehmbar seien.

Auch nach Auffassung des Amtes für den ländlichen Raum sind die Flächen nicht in der Regionalplanung ausgewiesen worden. Neben den schädlichen landschaftsprägenden und touristischen Effekten befürchtet das ALR auch „negative Auswirkungen auf die Agrarstruktur“ und den Wohnwert in den angrenzenden Dörfern. Für die Naturschutzbehörde sind neben der Beeinträchtigung des Landschaftsbildes und der Beeinträchtigung der Bürger sowie der im Naturraum Erholung Suchenden auch die Schutzziele beispielsweise des Vogelschutzes gefährdet.