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Vogelsbergkreis als einziger hessischer Landkreis Hessens mit Vorbildfunktion in einem Bundesmodellprojekt - Thema: Jugendhilfe durch Partizipation der Betroffenen noch wirksamer machen

28.10.2008 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

 

Vogelsbergkreis als einziger hessischer Landkreis Hessens
mit Vorbildfunktion in einem Bundesmodellprojekt
Thema: Jugendhilfe durch Partizipation der Betroffenen
noch wirksamer machen

Kreis und Haus am Kirschberg haben
Jugendhilfe noch wirksamer gemacht

Vogelsbergkreis war als einziger hessischer Landkreis
Modellprojektpartner des Ministeriums – „Vorbildfunktion“

VOGELSBERGKREIS.  28. Oktober 2008.
     
„Tagesgruppen in der Jugendhilfe erweisen sich als pädagogisch hoch wirksam.“ Das ist die zentrale Erkenntnis eines Forschungsprojekts des Bundesjugendministeriums. Der „Verein Hilfe für das verlassene Kind e.V.“ (Haus am Kirschberg) in Lauterbach und das Amt für Jugend, Familie und Sport des Vogelsbergkreises haben in den vergangenen zweieinhalb Jahren nicht nur neue gute Erfahrungen in der Zusammenarbeit gemacht – die Hilfen, die dazu dienen, die jungen Persönlichkeiten zu entwickeln und zu stärken, sind noch effektiver geworden. Nicht zuletzt deshalb, weil durch neue Methoden die Betroffenen selbst und ihre Eltern viel stärker als bisher in den Prozess der Hilfen einbezogen werden. Das Ganze ist das Ergebnis des Modellprojekts „Qualifizierung der Hilfen zur Erziehung durch wirkungsvolle Ausgestaltung der Vereinbarungen zu Leistungen, Entgelten und Qualitätsentwicklung nach dem Achten Sozialgesetzbuch“ – wegen der Sperrigkeit des Titels kurz: „Wirkungsorientierte Jugendhilfe“.

In einem Abschlussgespräch mit dem begleitenden Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik ISS (Frankfurt am Main) im Lauterbacher Kreishaus bewertete Landrat Rudolf Marx das Projekt als „sehr erkenntnisreich“ und zeigte sich auch „ein wenig stolz, dass der Vogelsberg ein wichtiger Modell-Landkreis für ganz Deutschland ist“. Im Vogelsbergkreis gebe es seit vielen Jahren eine entwickelte „Kultur der Zusammenarbeit“ zwischen Kreisverwaltung und freien Trägern. Nur deshalb habe der Vogelsberg zu den „Auserwählten“ gezählt. Zu den elf Modellregionen gehört übrigens auch der Partnerlandkreis Oberhavel in Brandenburg. „Den Nutzen des Projekts haben jetzt Jugendliche, Eltern, Fachleute, Einrichtungen und wir als Kostenträger gleichermaßen“, betonte Marx. Vieles sei jetzt noch „passgenauer“. Die Wirkungen der Maßnahmen seien jetzt „wirksamer, messbarer, einschätzbarer“.

In seiner nunmehr 13-jährigen Tätigkeit als Jugenddezernent sei es ihm stets darum gegangen, jungen Menschen mit schlechten Startbedingungen faire neue Chancen zu eröffnen, ihnen Hilfen zur Selbsthilfe anzubieten. Genau dies leiste eine gut organisierte Hilfe zur Erziehung, wie sie im Haus am Kirschberg beispielsweise in seinen drei Tagesgruppen in Alsfeld, Lauterbach und Schlitz praktiziert werde. Dort werden 27 Kinder im Alter von acht bis 14 Jahren betreut und gefördert.

Diplom-Sozialarbeiterin Gerhild Hoos-Jacob und Diplom-Pädagoge Bodo Kester, Leitungsteam des Hauses am Kirschberg, hoben die positiven Ergebnisse des Projektes hervor. So wurden zwischen den Partnern Aufnahmeverfahren und Hilfeplanung vereinheitlicht und optimiert. Die Beteiligung der Kinder und ihrer Eltern am Hilfeprozeß wurde über gemeinsame Vorgehensweisen erweitert, geregelt und verstärkt. Die Arbeit mit kleinschrittigen überprüfbaren Zielstellungen habe zu nachweisbaren Erfolgen geführt. Das entwickelte Instrumentarium sollte bald auf alle Vogelsberger Tagesgruppen übertragen werden. Das Interesse der Träger daran sei vorhanden, unterstreicht Kester, der auch Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses ist.

Kernstück des Projekts war ein gemeinsam entwickeltes standardisiertes Verfahren, das durch regelmäßige Überprüfung eine wesentliche Frage klären sollte: Wie weit sind die für jedes Kind individuell verabredeten Erziehungsziele erreicht? Man legte den Fokus auf die pädagogische Wirksamkeit in Tagesgruppen, was den Landrat auch als Kämmerer interessierte. Denn die Hilfen zur Erziehung in einer Tagesgruppe sind allemal kostengünstiger als die Unterbringung in einer stationären Einrichtung.

In einem bundesweiten Bewerbungsverfahren waren im Jahr 2006 unter 40 Teilnehmern insgesamt 11 Landkreise bzw. Städte, darunter der Vogelsbergkreis – als einziger hessischer Landkreis -, ausgewählt, nachdem sich der Jugendhilfeausschuss – in ihm sind auch die freien Träger vertreten – auf das Tandem Jugendamt/Kirschberg verständigt hatte. Es gilt schon jetzt als sicher, dass auch die Erkenntnisse aus dem Vogelsbergkreis in eine bundesweite Einführung neuer Qualitätsvereinbarungen münden werden. Bereits jetzt sei das wissenschaftliche Interesse an den Erfahrungen im Vogelsberg hoch, berichtete Diplom-Sozialarbeiter Helmut Benner, im Jugendamt zuständig für Jugendhilfeeinrichtungen. So seien Stadt und Landkreis Fulda schon nach den bekannt gewordenen Zwischenergebnissen im Vogelsberg dabei, neue Standards für die Hilfeplanung zu entwickeln.

Landrat Marx stellte es in einer Pressekonferenz als besonders bedeutsam heraus, dass „wirklich genau die richtigen Hilfen die jungen Menschen erreichen und sie bei Bedarf dynamisch, flexibel und fachlich zielführend angepasst werden.“ Darüber hinaus verlange der verantwortliche Umgang mit dem Geld des Steuerzahlers natürlich immer einen zielgerichteten und sparsamen Mitteleinsatz durch dauerhaftes Controlling und Sicherung der Qualität. Besonders erfreut ist der Jugenddezernent darüber, dass die größere Wirksamkeit maßgeblich durch die Beteiligung und vor allem durch die größere Mitverantwortung des Hilfeempfängers zustande gekommen sei. „Die, die es angeht, wirken jetzt stärker mit. Das ist genau richtig“, sagte Marx.

Das „Tandem“ aus Vogelsberger Jugendamt und Leistungserbringer (Haus am Kirschberg) wurde fachlich begleitet vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik Frankfurt (ISS). Dessen Beauftragte Brigitte Rehling sprach sich für eine „verlässliche Struktur des Allgemeinen Sozialen Dienstes im Jugendamt“ aus, denn er schaffe die Voraussetzungen für den wirksamen Einstieg und für die Regelmäßigkeit in der Bewertung des Hilfeprozesses.

 

Nähere Informationen zum Bundesmodellprogramm
sind unter

www.wirkungsorientierte-jugendhilfe.de

zu finden (siehe Band 6, Seite 50 – Vogelsbergkreis).