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Die Interessen des ländlichen Raumes kraftvoller vertreten - Sechster Kongress der hessischen Regionalforen in Schlitz – Schaumberg: „Die Regionen wollen ihren Weg selbst bestimmen“

03.07.2007 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

Die Interessen des ländlichen Raumes kraftvoller vertreten
 
Sechster Kongress der hessischen Regionalforen in Schlitz – Schaumberg: „Die Regionen wollen ihren Weg selbst bestimmen“

3. Juli 2007.     VOGELSBERGKREIS.
 
Wenn es darum geht, die demografischen Herausforderungen zu meistern, hat es der ländliche Raum besonders schwer. Er braucht – wie bisher – auch Unterstützung von außen, damit seine Potenziale erkannt, bewahrt oder gar ausgebaut werden können. Aber: es geht nicht nur um mehr Geld für den ländlichen Raum. Es wächst auch der Druck, die Kräfte einer Region besser zu bündeln und zu koordinieren.

Und: die Interessen des ländlichen Raumes werden auf Landes- und Bundesebene nicht deutlich genug wahrgenommen. Das bedeutet: die Lobbyarbeit muss dringend verstärkt werden. Dies sind die wichtigsten Erkenntnisse des sechsten Kongresses der Reihe „Wohin entwickelt sich der ländliche Raum“, den die elf hessischen Regionalforen seit März 2006 veranstaltet haben. Das Symposium mit etwa 100 Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Verwaltung fand vor wenigen Tagen im Ökonomiegebäude der Landesmusikakademie in Schlitz statt.
 
Bürgermeister Hans-Jürgen Schäfer plädierte bei der Beantwortung der Frage „Wie sehen in Zukunft unsere Dörfer aus“ klar dafür, die Attraktivität des ländlichen Raumes für die Menschen in den Ballungsräumen zu steigern anstatt in der demografischen Entwicklung bloße Anpassung zu betreiben. Schäfer wünscht sich dabei weiter eine verlässliche Förderung, auch durch die EU, die beispielsweise das Fünf-Millionen-Projekt Landesmusikakademie mit rund einer Million unterstützt hat.
 
Karl-Christian Schelzkevom Städte- und Gemeindebund machte sich für einen Ausbau schneller DSL-Netze in allen ländlichen Regionen stark. Dieser Forderung schlossen sich sämtliche Experten an. So sagte Wolfgang Reimer vom Bundeslandwirtschaftsministerium: „DSL ist heute für Investoren so nötig wie früher der gut erreichbare Autobahnanschluss.“ Schelzke hält aber auch eine „Verstärkung nach innen“ für unverzichtbar: mehr Heimatgefühl und mehr Bereitschaft zur interkommunalen Zusammenarbeit.
 
Dr. Manfred Geißendörfer von der Fachhochschule Weihenstephan sprach sich gegen die Bevorzugung der Ballungsräume – wie sie zum Beispiel die OECD vorsehe – aus. „Ungleiche Chancen sind nicht mit Zukunftsfähigkeit vereinbar“, unterstrich der Wissenschaftler. Wie Schelzke sprach auch er sich – besonders vor dem Hintergrund der geforderten neuen Konzepte für die bald beginnende Förderperiode bis 2013 – für eine Leitbildentwicklung aus, die Innovation in der regionalen Wirtschaft genauso beinhalte wie die Sicherung der Daseinsvorsorge und die Förderung der eigenen Ressourcen, zum Beispiel auf dem Feld der Kultur. Wichtige Partner in der Regionalpolitik seien stets die Naturparke und Landschaftspflegeverbände. Auch die Bedeutung der Bioenergienutzung werde wachsen und die Regionen stärken helfen.
 
Benjamin Schäfer, Region Kassel-Land e.V., und Thomas Schaumberg, Vogelsberg Consult GmbH, verdeutlichten in einem Rückblick auf 15 Jahre Regionalentwicklungspolitik die Erfolge aber auch die mannigfaltigen Probleme, die sich hauptsächlich in zu viel Bürokratie und mangelnder Abstimmung verschiedener Ressorts auf Landes- und Bundesebene zeigten. Aber trotz dieser Hemmnisse („Um der Wirtschaft besser und schneller helfen zu können, brauchen wir weniger Bürokratie und klarere Richtlinien“) sind seit 1992 über 48 Millionen Euro in den elf hessischen Regionen wirksam geworden und haben nach Angaben von Benjamin Schäfer rund 150 Millionen Euro an Investitionen ausgelöst. Damit seien auch hunderte von Arbeitsplätzen geschaffen worden. Darüber hinaus habe man mit den Programmen auch neue Impulse setzen können, die dann auch ohne staatliche Hilfe weitergelaufen seien.
 
„Die Interessen des ländlichen Raumes werden jetzt besser wahrgenommen“, fasste Schäfer zusammen. Dem widersprach Wolfgang Reimer vom Bundes-Landwirtschaftsministerium. Er sagte: „Die Lobbyarbeit von Landräten und Bürgermeistern in Berlin und in den Landeshauptstädten könnte erheblich besser sein. Die müssen mehr Druck entfalten. Die Landwirte und Umweltverbände sind deutlich durchsetzungsstärker.“ Die ländlichen Räume müssten sich im Klaren darüber sein, dass sie in der enger werdenden Förderkulisse mit den Metropolen konkurrierten. Reimer forderte mehr schnelle DSL-Netze sowie die Erhaltung der Infrastruktur von Bahn und Post, vor allem im Interesse der Unternehmen. Reimer berichtete, Minister Seehofer wolle die Interessenlage des ländlichen Raumes in seinem Ministerium stärker einbinden als bisher.
 
Breiten Raum in der Debatte nahm die Idee des „Globalbudgets“ ein: Regionalförderer wie Thomas Schaumberg können sich gut vorstellen, ein bestimmtes Förderkontingent aufgrund einer klaren regionalen Konzepterstellung komplett in der Verfügungshoheit der Region zu erhalten. „Die Ziele müssen im Dialog mit dem Land aufgestellt werden – möglichst klar und deutlich. Aber dann sollte die Region den Weg, um das Ziel zu erreichen, selbst bestimmen können.“ Bisher lenke das „Richtlinien-Gestrüpp von der Zieldefinition“ ab.
 
Klaus Schüttler vom hessischen Ministerium für den ländlichen Raum zeigte zwar Verständnis für die „Bürokratiekritik“, meinte aber, „erst müssen sich die Regionen einig werden, was sie wirklich wollen“. Auch der Vertreter des Bundeslandwirtschaftsministeriums machte deutlich: „Die Regionen müssen zeigen, dass sie es selbst machen wollen, auch mit einem Globalbudget. Aber das heißt dann auch: die volle Verantwortung übernehmen.“
 
Daraus leitete Moderator Bühler ab, dass der Druck wachsen werde, die Kräfte und Ideen in der Region zu koordinieren. Die Instrumente und Konzepte in den elf Regionalforen, darunter befindet sich auch der Beirat der Vogelsberg Consult, seien gut entwickelt. Einer Professionalisierung des Regionalmanagements stehe nichts im Wege. Thomas Schaumbergs Fazit: die Lobbyarbeit müsse verstärkt werden. „Wir – die Landräte, die Bürgermeister und die Verantwortlichen in den Regionalforen – wir müssen uns selbst drum kümmern.“

 

Blick ins Auditorium. Unser Foto zeigt von links: Thomas Schaumberg, Benjamin Schäfer, Bürgermeisterin Ulrike Pfeiffer-Pantring (Ortenberg), Bürgermeisterin Susanne Schaab-Madeisky (Schotten), Bürgermeister Hans-Jürgen Schäfer (Schlitz) und den Geschäftsführenden Direktor des Hessischen Städte- und Gemeindebundes, Karl-Christian Schelzke.

Aus dem Vogelsbergkreis nahmen in Schlitz Vizelandrat Gerhard Ruhl, die stellvertretende Kreistagsvorsitzende Ingeborg Beckmann-Launer, Bürgermeister Hans-Jürgen Schäfer (Schlitz), Bürgermeisterin Susanne Schaab-Madeisky (Schotten), Erster Beigeordneter Wilfried Schwab (Mücke), sowie VBC-Geschäftsführer Thomas Schaumberg, die Sachgebietsleiterin für die Dorferneuerung, Margit Wagner, sowie Lorenz Kock vom Sachgebiet Regionalentwicklung/Landtourismus im Amt für den Ländlichen Raum teil. Darüber hinaus waren Karl-Christian Schelzke, Geschäftsführender Direktor des Hessischen Städte- und Gemeindebundes, sowie zehn Bürgermeister aus ganz Hessen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Bürgernetzwerken Gäste des Kongresses.
 
Informationen:
www.hessische-regionalforen.de, Vogelsberg Consult GmbH
Telefon 06641 / 9646-0,
info@vogelsberg-consult.de
Amt
für den ländlichen Raum in der Vogelsberger Kreisverwaltung, Telefon 06641 / 662-128
lorenz.kock(at)vogelsbergkreis.de

www.fh-weihenstephan.dewww.zukunftsinstitut.de


Die elf hessischen Regionalforen haben seit März 2006 sechs Kongresse mit 600 Teilnehmern veranstaltet. Thema: Die Zukunft des ländlichen Raumes.

Die elf hessischen Regionalforen beschäftigten sich seit März 2006  intensiv mit der Frage, auf welche Weise der ländliche Raum eine Zukunft haben kann – insbesondere im Hinblick auf die Herausforderung durch zurück gehende Bevölkerungszahlen. Zu den elf Foren gehört auch der Beirat der Vogelsberg Consult – dieses Gremium ist personenidentisch mit dem Regionalen Entwicklungsforum, das über die Vergabe von EU-Geldern an regionale Projekte abschließend entscheidet. Vorsitzender des Regionalen Entwicklungsforums ist Landrat Rudolf Marx.
 
Der Auftakt der Foren-Reihe war im März 2006 ein Symposium in Romrod, das sich mit den Faktoren der Bürgerbeteiligung und der Familienfreundlichkeit in der Bewältigung des demographischen Wandels befasste. Im Mai folgte ein Forum zum Thema Touristik als Wirtschaftssektor, im September ein Kongress mit dem Titel „Grund- und Nahversorgung im ländlichen Raum“. Im November referierte in Neuenstein-Aua Dr. Franz Alt zum Thema „Nutzung der Bio-Energie als Chance für den ländlichen Raum“. In Mittenaar im Lahn-Dill-Kreis wurde der fünfte Kongress veranstaltet. Thema dort: Lokales Handeln für den Arbeitsmarkt im Zeitalter der Globalisierung.
 
Die nun zunächst abgeschlossene Veranstaltungsreihe der Hessischen Regionalforen wurde vom Hessischen Städte- und Gemeindebund sowie vom Land Hessen und maßgeblich von der Europäischen Union (LEADER) unterstützt. Medienpartner war der Sender hr4 des Hessischen Rundfunks. Schirmherr der Reihe war Dr. Franz Alt. Vogelsberg-Consult-Geschäftsführer Thomas Schaumberg sagte nach der Veranstaltung in Schlitz, die Foren-Reihe habe bei Fachleuten und verantwortlichen Politikern vieles in Bewegung gebracht. Thomas Schulte als Sprecher der elf Foren hatte zu Beginn die Kongress-Reihe mit insgesamt etwa 600 Teilnehmern als klaren Erfolg bewertet. Er dankte Thomas Schaumberg für verantwortliche Konzeptionierung und Koordination.
 
 
 
FOTO OBEN:
 
Lebendige Debatte am Podium. Unser Foto zeigt von links: Moderator Josef Bühler, Dr. Manfred Geißendörfer (FH Weihenstephan), Klaus Schüttler (Hessisches Ministerium für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz), Wolfgang Reimer (Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz), Dr. Ludger Schulze Pals (Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen), Benjamin Schäfer (Region Kassel-Land e.V.) und Thomas Schaumberg (Vogelsberg Consult GmbH).