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Dr. Gebauer: „Spielen schafft die Grundlage für Klugheit und Lernen – zeitlebens!“ - Fachtagung der Fachschule für Sozialpädagogik für Erzieherinnen, Grundschulpädagogen und Studierende

22.05.2007 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

Dr. Karl Gebauer:
„Spielen schafft die Grundlage für
Klugheit und Lernen – zeitlebens!“

Fachtagung der Fachschule für Sozialpädagogik
für Erzieherinnen, Grundschulpädagogen
und Studierende

VOGELSBERGKREIS. 22. Mai 2007.

„Spielen dient nicht dem Zeitvertreib. Das Spielen des Kindes in einer Atmosphäre der Wertschätzung, der Geborgenheit und der wohlwollenden Förderung erzeugt vielmehr auf Dauer genau jene Hirnstruktur, die für Klugheit und Lernbereitschaft sorgt – beim Kind und beim Erwachsenen – zeitlebens.“ Dies sagte der renommierte Göttinger Pädagoge Dr. Karl Gebauer

vor wenigen Tagen in der Aula der Sparkasse Oberhessen in Lauterbach anlässlich einer Fachtagung mit dem Titel „Wie werden unsere Kinder klug?“ Etwa 160 Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer aus Grundschulen sowie Studierende der Fachschule waren nach Lauterbach gekommen, um vormittags den leidenschaftlichen und erkenntnisreichen Vortrag von Dr. Gebauer zu hören, und nachmittags das Thema in fünf Workshops zu vertiefen.

„Wenn man spielt und Sachen baut, ist man klug.“ Dieses Zitat eines Fünfjährigen führte der Pädagoge als beste Antwort auf die Frage des Kongresses an. „Dieser Junge ist auf dem neuesten Stand der Hirnforschung“, meinte Gebauer schmunzelnd – und er brachte nicht nur an dieser Stelle seines anregenden Vortrags seine Zuhörer zum Lachen. Dr. Gebauer, der bereits im Januar an gleicher Stelle einen eindrucksvollen Vortrag über den Zusammenhang von Vertrauen, Motivation und Freude gehalten hatte, verdeutlichte nun die Wechselbeziehungen von Spielen, Denken und Lernen.
 
„Kinder müssen fast alles, worauf es in ihrem späteren Leben ankommt, durch eigene Erfahrungen lernen – je spielerischer, desto wirksamer“, sagte Dr. Gebauer. Kindliche Neugier, Konzentration, in Wärme und Geborgenheit aufgefangene Spannung und die damit verbundenen Glücksgefühle im Gehirn führten zur Aktivierung des Motivations-Systems.
 
„Klug wird niemand von allein“. Schon im Säuglingsalter werde die Grundlage – auch die chemophysikalische – gelegt, damit Lernen beginne und sich das Kind ständig weiter entwickle. Das Kind brauche die Spiegelung im Gegenüber – im Vater und in der Mutter, in der Erzieherin, im Lehrer –, brauche den warmen Augenkontakt, damit es wisse: Ja, ich bin willkommen. Ja, ich werde wahrgenommen. Erst dann werde das Kind neugierig, gewinne Selbstvertrauen und spüre seine „Urheberschaft“ und spüre Ermutigung durch Resonanz. Das Spiel in Geborgenheit und verlässlicher Sicherheit schaffe die Grundlage für dauerhafte Motivation.
 
„Stress macht dumm“, hob Karl Gebauer hervor. Und der größte Stress sei der des „Nicht-Angenommen-Seins“. Desinteresse als generelle Haltung von Eltern, Erzieherinnen und Erziehern sowie von Pädagogen und Pädagoginnen könne auf direktem Weg zu Wut, Hass und Ohnmachtsgefühlen führen.
 
Dr. Karl Gebauer appellierte an Eltern, Studierende, Erziehende und Lehrende, sich konsequent den Kindern emotional zuzuwenden, sie ernst zu nehmen und auch kleine Anstrengungen wertzuschätzen, Begeisterung zu zeigen und zu teilen. Nur dadurch könne das Motivations-System „angekurbelt“ werden und die Botenstoffe im Gehirn könnten den richtigen „Cocktail“ bilden, damit das Glücksgefühl erlebt werde.
 
Nach diesem anregenden Vortrag wurden die TeilnehmerInnen von den Auszubildenden der Köche und Gastronomieberufe in der Vogelsbergschule mit einem leckeren Mittagessen verwöhnt. So gestärkt konnten dann alle Interessierten das am Vormittag Gehörte in fünf verschiedenen Workshops unter fachkundiger Anleitung vertiefen. Die Schwerpunkte lagen dabei auf der Beziehungsgestaltung als Voraussetzung für Bildung, den Erfahrungen mit dem Hessischen Bildungsplan, dem Übergang von Kindergarten zur Schule, den Lerngeschichten im Kindergarten und der Bedeutung des Spiels.
 
Veranstalter der Fachtagung war die Fachschule für Sozialpädagogik an der Vogelsbergschule in Lauterbach in Kooperation mit der Fachstelle für Kindertagesstätten im Amt für Jugend, Familie und Sport des Vogelsbergkreises. Schulleiter Heinz Horst hatte die Gäste zu Beginn des Kongresses begrüßt und freute sich über die Sichtweise des Hessischen Ministerpräsidenten, die Schule müsse sich stärker als bisher der Gesellschaft öffnen, auch mit Hilfe des Bildungsplans. Allerdings bräuchten die „erwünschten Veränderungen auch die entsprechenden Rahmenbedingungen“, gab der Schulleiter zu bedenken.

Nähere Informationen:
www.gebauer-karl.de
www.win-future.de

 

Dr. Karl Gebauer – zur Person:

Arbeitsschwerpunkte von Dr. Karl Gebauer: Die Bedeutung der Emotionalität in Erziehungsprozessen, Gewalt in der Schule, Konstruktiver Umgang mit Stresssituationen, Chancen der Teamarbeit, Sozialisationsprozesse in der Grundschule, Verhaltensauffälligkeiten im Kindesalter. Gebauer arbeitet interdisziplinär mit Hirnforschern, Psychoanalytikern, Psychotherapeuten, systemischen Therapeuten und Bindungsforschern zusammen. Gemeinsam mit dem Hirnforscher Prof. Dr. Gerald Hüther ist Dr. Gebauer Initiator und Veranstalter der jährlichen „Göttinger Kongresse“ (zu Bildungs- und Erziehungsfragen) sowie des Info-Netzwerks www.win-future.de. Mehr als ein Dutzend Buchveröffentlichungen. 2004 Promotion zum Dr. phil. mit dem Thema: Die Bedeutung innerer Vaterbilder für eine zugewandte väterliche Haltung.

FOTO:
Kongress der Fachschule für Sozialpädagogik: Der Pädagoge Dr. Karl Gebauer bei seinem Vortrag in der Aula der Sparkasse Oberhessen in Lauterbach.
Foto: Vogelsbergkreis

Vortrag Dr. Karl Gebauer zu MOBBING IN DER SCHULE:

http://www.kinderdorf.cc/kms/cms/kms.php?str_id=125

http://ife-kassel.de/aktuelles.php

Hier finden Sie auch den Vortrag "Bindung und Bildung" von Dr. Karl Gebauer.