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Wer bemuttert eigentlich die Mutter, wenn das Baby da ist? - Dorothea Heidorn informierte Familiendezernentin Emmermann über den Beruf der Mütterpflegerin

08.05.2007 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

Wer bemuttert eigentlich die
Mutter, wenn das Baby da ist?
 
Dorothea Heidorn informierte Familiendezernentin
Emmermann über den Beruf der Mütterpflegerin

VOGELSBERGKREIS. 8. Mai 2007.
 
„Wer bemuttert eigentlich die Mutter, wenn das Baby da ist und die junge Familie vor einer gänzlich neuen Lebenssituation steht?“ Diese Frage erörterten Dorothea Heidorn, Hebamme und Lehrerin für Hebammenwesen, und die Mütterpflegerin Tanja Stephan-Hirscher im Gespräch mit Familiendezernentin Sylke Emmermann im Lauterbacher Kreishaus. Die Kreispolitikerin wollte mehr erfahren über das Konzept der Mütterpflegerinnen-Schule Gießen-Rödgen, die erste ihrer Art in Deutschland. Emmermann war nach dem Gespräch überzeugt: „Der Bedarf ist da.“ Es gehe um eine einfühlsame, praktische Hilfe nach der Geburt des Babys, um den Müttern den Rücken zu stärken.


 
Die traditionelle Großfamilie, die früher selbstverständlich entlastend einspringen konnte, existiere mittlerweile auch im ländlichen Raum oft nicht mehr. Um so wichtiger sei es, „die Mütter von Anfang an zu stärken“, so Dorothea Heidorn, Gründerin des ersten Entbindungshauses in Deutschland Mitte der 80-er Jahre und Initiatorin der Mütterpflegerinnen-Schule, die von ihr 1996 ebenfalls in Rödgen ins Leben gerufen worden war.
 
Die Qualifikation „Hebammengeschulte Mütterpflegerin“ helfe mit, gerade in den ersten Wochen und Monaten Stabilität, Sicherheit, Aufgehobensein, Achtsamkeit und eine „humorvolle Leichtigkeit“ zu entwickeln – zum Wohle des Kindes aber auch der Mutter. Die unverzichtbare Arbeit der Hebamme werde durch eine Mütterpflegerin wirksam ergänzt, etwa in den Bereichen Stressbewältigungsstrategien, Selbstmanagement und Gewaltprävention. Es dürfe nicht sein, dass sich viele unerfahrene Mütter „von der Gesellschaft verlassen und im wahren Wortsinn mutterseelenallein zu Hause fühlen“, sagte Heidorn.
 
Es sei erschreckend, so Heidorn und Emmermann übereinstimmend, das fast zwei Drittel der jungen Mütter heute für eine – manchmal prägende – Zeit lang, „wochenbettdepressiv“ (man spricht auch vom „Baby-Blues“) sind. Oft bleibe das wunderbare Mutterglück nur deswegen aus, weil sich die junge, oft in den dichten und verantwortungsvollen Abläufen überforderte Mutter schlicht allein gelassen fühle. An dieser Stelle professionell zu unterstützen, sei im Übrigen der allerbeste Schutz vor Gewalt gegenüber den Kindern.
 
Die ausgebildete Mütterpflegerin Tanja Stephan-Hirscher, die in Schlitz wohnt, berichtete von ihrer rund einjährigen Ausbildung in der Mütterpflegerinnen-Schule in Gießen-Rödgen und ihren mittlerweile ebenfalls einjährigen Erfahrungen in Familien im Vogelsbergkreis, in dem sie eingesetzt sei. Sie erhalte ausschließlich eine positive Resonanz auf ihre Arbeit in den jungen Familien.
 
Ein achtköpfiges Dozententeam vermittelt in Rödgen alle wesentlichen Aspekte des späteren Einsatzfeldes: Hebammen, Psychologen, Physiotherapeutinnen, Ernährungswissenschaftlerinnen, Heilpraktikerinnen und Erzieher. Die Ausbildung besteht aus je 250 Stunden Theorie und Praxis. Die Teilnehmerinnen haben die Gelegenheit, durch Einsätze in den Familien, das zu entrichtende Schulgeld ganz oder teilweise zu „erwirtschaften“. Pro Jahr starten zwei Kurse.

Informationen, sowohl für Mütter,
die Hilfe durch eine Mütterpflegerin in Anspruch nehmen wollen,
als auch für junge Frauen, die sich ausbilden lassen möchten,
gibt es hier:
Verein für Mütter- und Familienpflege e.V.
Zum Bahnhof 28
35394 Gießen-Rödgen
Telefon 06406 / 905912 (Vermittlung von Mütterpflegerinnen) oder
Telefon 0641 / 42221 (Schule)

info(at)muetterpflege.de
www.muetterpflege.de

 

FOTO:
Im Gespräch im Lauterbacher Kreishaus (von links): die Mütterpflegerin Tanja Stephan-Hirscher, Dorothea Heidorn, Gründerin der Mütterpflegerinnenschule in Rödgen, und die Familiendezernentin des Vogelsbergkreises, Sylke Emmermann.
Foto: Vogelsbergkreis