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Landrat Marx unterstreicht in Kirtorf die Bedeutung des Dorferneuerungs-Programms für die Strukturentwicklung des Kreises - Staatsminister Dietzel zu Gast - Ober-Gleen neuer Förderschwerpunkt - Rede des Landrats im Wortlaut

11.04.2007 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis


Dienstag, 10. April 2007, 16.00 Uhr – Kirtorf - Heimatmuseum

Staatsminister Wilhelm Dietzel überreicht Anerkennungsbescheid zur
Dorferneuerung für Kirtorf-OBER-GLEEN

Rede von Herrn Landrat Rudolf Marx

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Staatsminister Dietzel,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Künz,
sehr geehrte Damen und Herren des Ortsbeirats,
meine Damen und Herren,

ich bedanke mich im Namen des Vogelsbergkreises bei der Landesregierung recht herzlich dafür, dass jetzt auch in Ober-Gleen mit Dorferneuerungsmaßnahmen begonnen werden kann.

Für uns Vogelsberger ist das Dorferneuerungs-Programm ganz wichtig und hoch wirksam – nicht nur das: es ist eine beeindruckende Erfolgsgeschichte – seit vielen Jahren. Kein Landkreis in Hessen nutzt dieses Programm so umfangreich und nachhaltig wie der Vogelsbergkreis. Allein im vergangenen Jahr sind 114 Projekte in den 20 DE-Schwerpunkten im Landkreis gefördert worden. Etwa 1,6 Millionen Euro Fördergelder haben Investitionen mit einem Volumen von 4,5 Millionen Euro ausgelöst. Das ist Wirtschaftsförderung pur und dienst zugleich der Identitätsfestigung unserer Bürgerinnen und Bürger.

Nach Kirtorf sind von 1989 bis einschließlich 2006 für die Kernstadt sowie für Gleimenhain und Wahlen im Dorferneuerungsprogramm bereits knapp 3,75 Millionen Euro geflossen. Damit wurden 53 kommunale und 320 private Maßnahmen gefördert. Man kann davon ausgehen, dass bei den dadurch ausgelösten Investitionen der Faktor 4 angesetzt werden kann. Das bedeutet: in diesen 17 Jahren ist in Kirtorf ein Investitionsvolumen in Höhe von 15 Millionen Euro ausgelöst worden.

Allein seit dem Jahr 2000 sind im Vogelsbergkreis mit Hilfe der Dorferneuerung über 20 Millionen Euro beschäftigungswirksam geworden – eine beeindruckende Zahl. Das ist gut für die Arbeitsplätze gerade in unserem heimischen Handwerk. Jeder Euro in diesem Bereich ist gut angelegtes Geld des Steuerzahlers, denn es wird nicht einfach Geld verteilt! Vielmehr werden genau jene bürgerschaftlichen Initiativen gestärkt, die ohnehin dabei sind bzw. darauf warten, sich zu entwickeln. Das wird in den kommenden Jahren auch hier in Ober-Gleen so sein.

Ich stelle mit Genugtuung fest, dass die Stadt Kirtorf insgesamt die Zukunftsthemen aufgreift und sich dem demografischen Wandel stellt. Dabei spielt der Wissenstransfer mit der Universität Gießen ebenso eine Rolle wie die konsequente Einbindung der Bürgerschaft.

Auch hier in Ober-Gleen fällt das nun zu erwartende Geld des Landes Hessen ganz gewiss auf genau den von mir beschriebenen „fruchtbaren Boden“. Es kann jetzt vieles wachsen, wofür in den vergangenen Jahren die Keime gelegt wurden.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Dorferneuerung ist – ich sagte es bereits – Wirtschaftsförderung pur und sie stärkt das Gemeinschaftsgefühl – und auch das, diese Stärkung der Identität, das „Sich-Hier-Wohlfühlen“, ist ebenfalls ein Wirtschaftsfaktor. Denn nur Menschen, die sich in ihrem Lebensumfeld wohl fühlen, werden Motivation auf allen Ebenen entfalten. Denn gerade im Hinblick auf die prognostizierten demografischen Veränderungen kommt es darauf an, unsere Dörfer in ihrem einzigartigen Gepräge und in ihrer Vielfalt zu erhalten und die Lebensqualität weiter zu entwickeln. Es ist Sinn und Ziel der Dorferneuerung über die strukturellen Maßnahmen hinaus auch ein Mehr an Identität, an Zusammengehörigkeit, an Zukunftsfähigkeit zu erzeugen.

Und dies gelingt immer wieder bei uns im Vogelsbergkreis – nicht zuletzt auch wegen der erstklassigen fachlichen Begleitung von Frau Margit Wagner und ihrem Team in unserem Amt für den ländlichen Raum, die im Anschluss noch einige fachliche Aspekte ansprechen und den nun beginnenden Prozess der Bürgerbeteiligung beschreiben wird.

Liebe Bürgerinnen und Bürger von Ober-Gleen,

In den kommenden neun Jahren ist alles, was geschieht, auf die Beteiligung der Bürgerschaft angelegt. Ich wiederhole es: Nichts wird übergestülpt, alles wird gemeinsam geprüft und entwickelt. Und genau deswegen hat es dann auch wirklich Bestand. Der in unserem Vogelsbergkreis so stark ausgeprägte individuelle Charakter der Dörfer wird weiter gestärkt.

Ich nenne hier nur beispielhaft wichtige Projekte, die in den kommenden Jahren hier in Ober-Gleen eine Rolle spielen werden:

die Ortskerngestaltung, das Bewältigen des Leerstands von Gebäuden, die Sanierung historischer Bausubstanz – auch unter Berücksichtigung der Energieeinsparung, die Sicherung der Grundinfrastruktur mit Dorfladen und Gastwirtschaft. Nicht zuletzt hat das Projekt „Kunst im Kuhstall“ nun deutlich bessere Voraussetzungen, als ständiges kulturelles Highlight verankert zu werden.

Sehr geehrter Herr Staatsminister, meine sehr geehrten Damen und Herren,

Ich bedanke mich nochmals bei der Landesregierung und wünsche allen Aktiven Spaß beim Planen und mehr noch bei der dann konkreten Arbeit. Auch hier wird ein weiteres Mal deutlich werden, dass ehrenamtliches Wirken das Rückgrat unseres Gemeinwesens ist. Möge Ihr Werk wohl gelingen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Dorferneuerung Ober-Gleen 2007 bis 2015
Hintergrund-Informationen

Vogelsbergkreis – Der Kreisausschuss
Amt für den ländlichen Raum – Sachgebiet Dorf- und Regionalentwicklung
Abteilungsleiterin: Margit Wagner
März 2007

Ober-Gleen ist einer von insgesamt sieben Stadtteilen Kirtorfs und liegt etwa 2 km vom Zentrum entfernt. Der Ort, an den nördlichen Ausläufern des Vogelsberges, zieht sich entlang des Gleenbaches und verfügt über die größte zusammenhängende Streuobstanlage im Vogelsbergkreis. Früher war Ober- Gleen durch seine Töpferwaren, gebrannten Ziegel und Backsteine bekannt. Sehenswürdigkeiten aus frühgeschichtlicher Zeit sind der sagenumwobene Ransberg mit seinen Wällen und Ruinen, der geheimnisvolle Hexenstein oberhalb des Dorfes sowie die alten Mühlen und der „Himmelsborn“ mit seiner uralten Eiche.
In Ober- Gleen leben derzeit 543 Menschen. Die Einwohnerentwicklung ist rückläufig, es dominieren die Altersklassen ab 40 Jahre. Die Stadt Kirtorf greift Zukunftsthemen aktiv auf. Der demografische Wandel und zu erwartende Konsequenzen werden thematisiert und daraus Anpassungsstrategien und Projektideen, jüngst in Kooperation mit der Universität Gießen und unter Beteiligung der Bürger, entwickelt.

Das Dorf ist mit insgesamt 6 Haupterwerbs- und 10 Nebenerwerbsbetrieben noch stark landwirtschaftlich geprägt. Durch das eingeleitete Flurneuordnungsverfahren sollen die Zukunftschancen der Betriebe verbessert werden. Insgesamt ist das Arbeitsplatzangebot im Ort verhältnismäßig gering. Die meisten Erwerbstätigen pendeln zu den größeren und überregional aufgestellten Unternehmen in Homberg, Stadtallendorf oder Lauterbach.

Bisher waren die Kernstadt Kirtorf ( 1989 bis 1996 ) sowie die beiden Ortsteile Gleimenhain und Wahlen (1998 bis 2006 ) als ein gemeinsamer Förderschwerpunkt im Dorferneuerungsprogramm. In Kirtorf wurden 27 kommunale Projekte mit einem Zuschuss von 822.000 € gefördert, dazu kommen 223 private Maßnahmen mit der Fördersumme von über 1,7 Millionen Euro. In Gleimenhain/ Wahlen wurden 26 öffentliche Vorhaben realisiert mit 723.000 € Zuschuss, darüber hinaus flossen für 97 private Sanierungs- und wohnraumschaffende Objekte knapp 502.000 € an Fördergeldern. Es ist davon auszugehen, dass ein Förder- Euro mindestens das vierfache Investitionsvolumen angestoßen hat.

Ober- Gleen verfügt über ein breites bürgerschaftliches Engagement und eine rege Vereinsarbeit, die auch überörtliche und regionale Wirkung zeigt. Stellvertretend zu nennen sind : der Sportverein mit verschiedenen Sparten, der Reitverein, der Landfrauenverein, der Obst- und Gartenbauverein, der Initiator der „Kunst im Kuhstall“, inszeniert mitten in einer Hofreite im Dorf.

In Kooperation mit der Kernstadt und den anderen Stadtteilen bietet Ober- Gleen ausreichend zukunftsfähiges Entwicklungspotenzial für den Dorferneuerungsprozess.
Die mittelfristige Funktion des Ortes wird als attraktiver landwirtschaftlich und durch Handwerk geprägter Wohnstandort mit einer aktiven und generationsübergreifenden Dorfgemeinschaft gesehen. Eine große Herausforderung wird dabei die Ortskernentwicklung mit einem gezielten Leerstandsmanagement sein, da bereits Wohnhäuser unbewohnt und in höherem Maß Wirtschaftsgebäude unternutzt sind. Weitere zentrale Aufgabenstellungen werden sein: Die fachgerechte und Energie einsparende Sanierung der historischen Bausubstanz mit über 20 Einzelkulturdenkmälern und geschützten Gesamtanlagen, die Stärkung und Einbindung einer umweltgerechten Landwirtschaft in regionale Wertschöpfungsketten, die Ansiedlung weiterer Handwerksbetriebe und Dienstleister, die Sicherung der Grundinfrastruktur, dazu zählen der Dorfladen und die Gastwirtschaft. Darüber hinaus wollen die Bürger die organisierte Nachbarschaftshilfe ausbauen, die Idee dazu ist eine ortsteilübergreifende Tausch- und Dienstleistungsbörse. Zudem sind Fragen der Verkehrssicherheit für Kinder und der Mobilität, gerade für junge und ältere Menschen zu klären. Dabei soll an die Projektidee „Bürgerbus“ angeknüpft werden. Zudem ist es Wunsch, die „Kunst im Kuhstall“ fest im Dorf als kulturelles Highlight zu verankern, u.a. durch die Einbindung der Jugendgruppe und von Vereinen. Eine höhere Standortattraktivität, besonders für Besucher, wird beispielsweise durch ein vernetztes und in den Vogelsberg- Tourismus integriertes Angebot „Reiten, Kultur und Kulinarisches von den Streuobstwiesen und den Backhäusern“ erwartet.