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"50 Jahre Europäische Union - ein weltweit einzigartiges Modell für Frieden, Freiheit und Wohlstand" - Rede von Landrat Rudolf Marx in Alsfeld (Europa-Union Vogelsberg)

02.04.2007 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

"50 Jahre Europäische Union - ein weltweit einzigartiges Modell für Frieden, Freiheit und Wohlstand"

Freitag, 30. März 2007, 19.30 Uhr, Max-Eyth-Schule Alsfeld, Aula, In der Krebsbach

Europa wird 50 – Die Europa-Union feiert
Grußwort von Herrn Landrat Rudolf Marx

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Europaabgeordneter Mann,
sehr geehrter Herr Vorsitzender Nies,
sehr geehrter Herr Schulleiter Miebach,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

welch ein glücklicher und schöner Anlass, zu dem wir heute hier in der einzigen Europaschule des Vogelsbergkreises, der Max-Eyth-Schule, zusammen gekommen sind! Ich danke der Europa-Union Vogelsberg mit dem rührigen Vorsitzenden Volker Nies an der Spitze für die Idee und für die Durchführung dieser interessanten Veranstaltung.

50 Jahre Römische Verträge – was mit 6 Staaten begann, repräsentiert jetzt ein weltweit einzigartiges Modell von 27 Staaten, die gemeinsam ein solches Maß an Sicherheit, Wohlstand, Frieden, Freiheit, Toleranz und Menschenwürde entwickelt haben, das ein Einzelstaat niemals hätte allein erzielen können.

Wir, die Europäische Union, wir sind die Wertegemeinschaft mit der größten Strahlkraft, mit der größten Glaubwürdigkeit – nach außen und nach innen. Wer hätte gedacht, dass gerade Europa – Jahrhunderte lang ein Ort des Unfriedens, der Zwietracht und der Eifersüchteleien zu einem solch stabilen Kontinent des Friedens werden würde. Dazu können wir uns nur alle gegenseitig gratulieren. Und: kann sich jemand wirklich noch Zollgrenzen vorstellen und auch solche für Touristen? Wir wären alle ärmer ohne die EU-Binnenmarkt.

Gewiss, so manche Regelung der EU ist nicht auf den ersten Blick verständlich. Aber das darf uns nicht den Blick aufs Wesentliche verstellen: Den Herausforderungen der Globalisierung, des Klimawandels, des sozialen Friedens, des demographischen Wandels und der Bekämpfung des Terrorismus können wir nur als große Gemeinschaft begegnen.

Ich freue mich sehr, dass mit der Berliner Erklärung vom vergangenen Sonntag unter der Führung von Ratspräsidentin Dr. Merkel für den Prozess der Erneuerung und der Verfestigung der EU-Verfassung neue Impulse ausgesandt wurden.

Wir im Vogelsbergkreis, meine Damen und Herren, wir stehen nicht nur akademisch hinter der Idee der europäischen Werte und der Europäischen Gemeinschaft. Abgesehen davon, dass der Landkreis seit weit über 40 Jahren eine Partnerschaft mit dem mittelenglischen Bezirk Derbyshire Dales pflegt, will ich vor allem auf folgendes hinweisen:

Wir im Vogelsberg sind Nutznießer vor allem in ökonomischer Hinsicht, und dies in zweistelliger Millionenhöhe, weit über 50 Millionen Euro sind hier wirksam geworden. Ob Sozialfonds oder Ländliche Entwicklung: Vernünftige Programme aus Europa halfen und helfen mit, unsere eigenen Potenziale zu erkennen, zu erschließen und vor allem zu entfalten. Wenn wir im Förderzeitraum bis 2013 häufiger „ELER“ statt „LEADER“ hören, tut dies der Richtigkeit der struktur- und wettbewerbsverbessernden Maßnahmen keinen Abbruch.

Eines ist gewiss: Ohne die massive Hilfe zur Selbsthilfe in der Regionalpolitik stünde unser Landkreis heute erheblich schlechter da.

Die Liste der Projekte, die unmittelbar und wesentlich mit Europäischen Programmen auf den Weg gebracht worden sind – und noch werden – ist dermaßen lang, dass auch nur eine Kurzbeschreibung den Rahmen der heutigen Veranstaltung vollständig sprengen würde.

Daher zähle ich nur schlaglichtartig einige markante Beispiele auf, die es ohne kluge EU-Programme und ohne kluge Vogelsberger Fachleute nicht gäbe.

Es darf an diesem 50. Geburtstag nicht unerwähnt bleiben: die Vogelsberg Consult GmbH, ihre Vorgängerin LEADER GmbH, die Fachleute in meinem Amt für den Ländlichen Raum im Sektor Regionalentwicklung und viele ehrenamtlich tätige Experten, zum Beispiel im Beirat der Vogelsberg Consult, dem Regionalen Entwicklungsforum, dessen Vorsitzender ich bin, leistet eine hervorragende und unverzichtbare Arbeit, die der Region gut tut. Diese Arbeit und die Unterstützung der EU nützen der Kaufkraft, der Bruttowertschöpfung, der Erschließung neuer Einkommen im tertiären Sektor, den Arbeitsplätzen insgesamt, der Umwelt und der sozialen Sicherheit.

Mir gefällt besonders an den EU-Programmen, dass sie auf die Partizipation und abschließenden Entscheidungskraft der hier Betroffenen ausgerichtet sind. Die EU stülpt uns nichts über – im Gegenteil. So wird es dann wirklich gut, denn die tatsächlichen Bedürfnisse sind das Fundament der Entfaltung.

Ich nenne nun schlaglichtartig Beispiele EU-geförderter Projekte:

Allein seit dem Jahr 2000 sind für 100 regionale Projekte fast 5 Millionen Euro aus Brüssel in den Vogelsberg geflossen. Wir rechnen dabei stets mit dem 2 ½ - fachen an Investitionen.

Der Vulkanring-Wanderweg ist ein Highlight der Tourismus-Entwicklung geworden, die Vogelsberger Entwicklungspartnerschaft Tandem hilft Arbeitnehmern und Arbeitgebern bei der Strukturanpassung und kooperiert dabei mit vier weiteren EU-Staaten, in Romrod ist aus der ehemaligen Synagoge ein stattliches Kulturhaus geworden und in der Denkmal-Akademie etablierte sich mit EU-Geld ein „Netzwerk ländlicher Raum“, das Naturschutz-Zentrum auf dem Hoherodskopf wurde umgebaut, der Vogelsberg-Garten in Ulrichstein lockt viele Besucher, der Spielplatz Erlenwiese und ein PC-Trainingsraum für Grundschulkinder in Alsfeld werden gut angenommen, in Reibertenrod wurde ein Jugendraum geschaffen, Kirtorf hat ein beeindruckendes Regionalmuseum, die Kreisstadt Lauterbach verfügt über ein neues Touristik-Center in der Stadtmühle, das Landjudenmuseum in Alsfeld und der neue Konzertsaal im Schloss Hallenburg in Schlitz, das Kulturhaus in Kestrich und Wohnmobil-Stellplätze in Storndorf wurde ebenfalls von der EU meist zu 50 Prozent bezuschusst. Danke, Europa!

Ich wünsche der Europäischen Union, dass sie auch künftig verantwortungsvoll vor dem Hintergrund des christlich-humanistischen Menschenbildes unseren Kontinent prägen und in vielfacher Hinsicht Beispiel für die Welt sein möge.

Der Europa-Union Vogelsberg danke ich für viele Jahrzehnte des Verstärkens der europäischen Idee. Ich möchte Sie gerne ermutigen, in Ihrem überparteilichen Wirken nicht nachzulassen.

Für unseren Landkreis habe ich auch noch einen Wunsch: Der Vogelsbergkreis soll auch weiterhin ein leuchtendes Beispiel dafür sein, dass nur selbstbewusste und sich selbst gestaltende Regionen die Mosaiksteine eines starken Europa sein können: Kontinental denken, regional handeln, ist unser Motto.