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Dr. Franz Alt warb auf Kongress der Hessischen Regionalforen für ein Umsteuern in der Energiepolitik - Chancen für den ländlichen Raum

16.11.2006 Von: Vogelsberg Consult GmbH

Dr. Franz Alt: Mit der Bioenergie hat der

ländliche Raum endlich eine Chance

In Neuenstein fand der vierte Kongress der hessischen

Regionalforen statt – Thema: Biomasse als Energieträger

NEUENSTEIN-AUA / VOGELSBERGKREIS. 16. November 2006. In wenigen Tagen fällt in Wiesbaden die Entscheidung, ob der Vogelsbergkreis den Zuschlag für ein Pilotprojekt bioenergetischer Nutzung von Holz erhält. Zu diesem Vorhaben passte hervorragend ein hochkarätiger Vortrag des Fernsehjournalisten Dr. Franz Alt, der am Mittwoch in Neuenstein auf Einladung der Hessischen Regionalforen seine Thesen zur Energieeinsparung und zur Energieumsteuerung hin zu regionalen und erneuerbaren Ressourcen einem interessierten Publikum unterbreitete.

Der Fernsehjournalist Dr. Franz Alt warb in Neuenstein in einem leidenschaftlichen Vortrag für die rasche Beendigung der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen.

 

 

 

Die 100 Kongressgäste konnten einem einstündigen engagierten Vortrag von Dr. Franz Alt eine wesentliche Botschaft entnehmen: Wenn wir in Europa unseren Wohlstand halten wollen, wenn das Klima auf der Erde nicht kollabieren soll, dann müssen wir umgehend damit anfangen, unseren Energieverbrauch zu halbieren und darüber hinaus regenerative Energien insbesondere regional und dezentral zu nutzen, um sowohl aus der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen als auch dadurch bedingt von internationalen Konzernen heraus zu kommen. „Es geht nicht um Opfer und Askese – es geht darum, unsere Intelligenz zur Wahrung unseres Wohlstandes einzusetzen und gleichzeitig das Leben auf unserem Planeten zu bewahren.“

„Im ländlichen Raum steckt Energie!“ So lautete das Motto des vierten Kongresses der Regionalforen, der in Neuenstein-Aua im Knüll stattfand. Erneuerbare Energie nutzen – die Regionen stärken – Arbeitsplätze schaffen. Dieser Kreislauf sei nicht nur ein Beitrag zum globalen Klimaschutz, sondern lasse regionale Wertschöpfung entstehen, mit Auswirkung auf viele neue Arbeitsplätze, hatten die Veranstalter bereits in ihrer Einladung betont.

In Aua waren rund 100 Fachleute aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik – darunter ein Dutzend aus dem Vogelsbergkreis – zusammen gekommen, um sich über Möglichkeiten der Biomasse-Nutzung in regionaler Verantwortung zu informieren. Für den Vogelsbergkreis nahm in Neuenstein auch Lorenz Kock teil, der im Amt für den Ländlichen Raum mit der Koordinierung des Projekts Bioregio-Holz beauftragt ist. Noch für diese Woche wird mit einer Entscheidung in Wiesbaden gerechnet, ob der Vogelsbergkreis eine weitere Modellregion für Hessen werden kann, was die Nutzung von Holz als nachhaltigem Brennstoff angeht. Der Kreisausschuss hatte sich um die Teilnahme aufgrund der guten Voraussetzungen beworben (wir berichteten).

Schon lange sei der Klimawandel kein ökologisches Thema allein mehr, sondern offenkundig eine Bedrohung für die gesamte Weltwirtschaft, stellte Dr. Franz Alt heraus. Er lobte die Arbeit der hessischen Regionalforen, denn mit der Nutzung der Bioenergie entstehe „endlich eine echte Chance für Land- und Fortwirtschaft sowie für das unverzichtbare Handwerk und den Mittelstand im ländlichen Raum“, unterstrich Alt, dessen Vortrag im Grunde ein einziger Appell war, „endlich in Zusammenhängen zu denken“. Der nötige Wandel müsse gerade in den Regionen beginnen – „es muss von unten wachsen“, denn auf den höchsten Ebenen seien die entwicklungshemmenden Verflechtungen von Politik und den Interessen der Energiekonzerne offensichtlich. Franz Alt lobte jedoch Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, die zugesagt habe, 2007 in der europäischen Ratspräsidentschaft und in der G-8-Leitung das Thema Klimawandel ganz oben auf die Tagesordnung zu setzen.

Als skandalös bezeichnete Dr. Alt die Tatsache, dass das von Volkswagen 2002 entwickelte 1-Liter-Auto – statt in Serienreife zu gehen – nun im VW-Museum stehe. Ähnlich bewertete er die nach Japan abgewanderten hochqualifizierten Solar-Patente aus Deutschland. Anstatt sie hier technisch zu realisieren, müsse nun für teures Geld Hochtechnologie eingekauft werden.

„Viele Länder sind entschieden weiter als Deutschland“, beklagte Franz Alt. Indien beispielsweise habe seit 1982 ein Ministerium für erneuerbare Energien und wolle bis 2050 nicht mehr abhängig sein von fossilen Brennstoffen. „Wir verbrauchen heute an einem einzigen Tag die Menge an gespeicherter Energie, die 500.000 Jahre brauchte, um in diesen Zustand von Öl, Gas oder Kohle zu kommen“, sagte Alt. In Brasilien seien bereits heute 40 Prozent aller Autos mit Biosprit unterwegs. In Österreich hätten sich kürzlich 18 Kommunen im Verbund vorgenommen, zu 100 Prozent energie-autark zu werden – durch die Nutzung der Biomasse.

Deutschland importiere jährlich für 100 Milliarden Euro Energie. Gleichzeitig erhielten Landwirte Prämien für Flächenstillegungen. Vielmehr müssten Land- zu Energiewirten werden und die gespeicherte Sonnenkraft in den Pflanzen nutzen. Dann stimme auch die Kohlendioxid-Bilanz wieder. Nur dann könne auch der bereits rasante Klimawechsel gemildert werden. Man könne allerdings mit der Nutzung der Biomasse nicht warten, bis die Versteppung und Wüstenbildung bis zu uns vorgedrungen sei, warnte Alt. EU-weit hält Alt einen Anteil von 30 Prozent im Bereich Bioenergie für realistisch.

Pro Tag entstünden 30.000 Hektar neue Wüste. Jeden Tag würden 100 Millionen Tonnen Treibhausgase freigesetzt. 70 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten seien bereits jetzt bedroht. Neben der Nutzung alternativer Energieformen betonte Dr. Alt immer wieder die Notwendigkeit, Energie einzusparen, ohne dabei auf Wohlstand zu verzichten. Als Beispiel nannte er die konsequente Wärmedämmung aller Gebäude, was mindestens eine halbe Million qualifizierter Arbeitsplätze schaffen würde.

Der seit Jahrzehnten in Sachen Energiepolitik aktive Fernsehjournalist hält es für notwendig, im Jahre 2050 folgenden Energiemix zu haben: 40 Prozent Solar, 30 Prozent Biomasse, 15 Prozent Wind, 10 Prozent Wasser, 5 Prozent Erdöl – bei gleichzeitiger Senkung des Gesamtverbrauchs um 50 Prozent.

Die elf hessischen Regionalforen, zu denen auch der Beirat der Vogelsberg Consult unter dem Vorsitz von Landrat Rudolf Marx gehört, beschäftigen sich seit März diesen Jahres intensiv mit der Frage, auf welche Weise der ländliche Raum eine Zukunft haben kann. Der Auftakt der Foren-Reihe war im März ein Symposium in Romrod, das sich eingehend mit den Faktoren der Bürgerbeteiligung und der Familienfreundlichkeit in der Bewältigung des demographischen Wandels befasste (wir berichteten).

Im Mai folgte ein Forum zum Thema Touristik als Wirtschaftssektor, im September ein Kongress mit dem Titel „Grund- und Nahversorgung im ländlichen Raum“. Am 24. Januar wird die Veranstaltungsreihe der elf hessischen Regionalforen in Mittenaar im Lahn-Dill-Kreis abgeschlossen. Thema dort: Lokales Handeln im Zeitalter der Globalisierung.

Die Veranstaltungsreihe der Hessischen Regionalforen wird vom Hessischen Städte- und Gemeindebund sowie vom Land Hessen und maßgeblich von der Europäischen Union (LEADER) unterstützt. Medienpartner ist der Sender hr4 des Hessischen Rundfunks, dessen Redakteur Tobias Hagen auch in Neuenstein erneut die Moderation des Kongresses übernommen hatte.

Die für Regionalentwicklung zuständige Sachgebietsleiterin Margit Wagner aus der Kreisverwaltung zeigte sich nach den Vorträgen in Aua beeindruckt und betonte die Notwendigkeit der Schaffung neuer beständiger Wirtschaftskreisläufe in der Region. Dies stärke Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Handwerk gleichermaßen. Sie lobte das hohe Maß an Bündelung von Sachverstand im Vogelsbergkreis. Die Fähigkeit, sich im Denken und Handeln zu vernetzen, werde sich auch in der Projektarbeit in Sachen Bio-Rohstoffe erneut als erfolgreich erweisen. Im Zusammenhang mit dem Naturschutz-Großprojekt ist Lorenz Kock (Amt für den Ländlichen Raum) bereits Koordinator der Arbeitsgruppe Biomasse, in der 40 Fachleute zusammen arbeiten und nach „nachhaltigen, praktikablen und wirtschaftlich sinnvollen Wegen in einer sehr komplexen Materie“ suchen. Vogelsberg-Consult-Geschäftsführer Thomas Schaumberg sagte nach der Veranstaltung in Aua, die Foren-Reihe habe bereits jetzt bei Fachleuten und verantwortlichen Politikern vieles in Bewegung gebracht.

Informationen:

 

http://www.hessische-regionalforen.de

Vogelsberg Consult GmbH, Telefon 06641 / 9646-0, info@vogelsberg-consult.de.

Amt für den ländlichen Raum in der Vogelsberger Kreisverwaltung, Telefon 06641 / 662-128, kockl@ulf.hessen.de.

Informationen über das Engagement von Dr. Franz Alt:

http://www.sonnenseite.com

 

Bei „Nachrichten aus Nordhessen“ kann man sich über Franz Alts Vortrag in Neuenstein am 15. November – auch in einem Filmbericht – informieren:

http://www.nh24.de

 

 

Zur Person: Dr. Franz Alt

Geburtsjahr: Jahrgang 1938

 

Studium: Politische Wissenschaften, Geschichte,

Philosophie, Theologie

1967 Promotion - Dissertation über

Konrad Adenauer

Tätigkeiten:

1968 Redakteur u. Reporter beim Südwestrundfunk

1972-1992 Leiter u. Moderator des politischen Magazins "Report"

seit 1992 Leiter der Zukunftsredaktion "ZEITSPRUNG"

im Südwestrundfunk und

seit 1997 des Magazins "QUER-DENKER" in 3SAT

bis 2003 Leiter und Moderator des 3sat-Magazins

„GRENZENLOS“

ab 2003 schreibt Franz Alt Gastkommentare und

Hintergrundberichte für über 40 Zeitungen

und Magazine und hält weltweit Vorträge

Auszeichnungen:

1978 Bambi

1979 Adolf-Grimme-Preis

1983 Karl-Hermann-Flach-Preis

Drexel-Preis

Hans-Thoma-Medaille

1987 Siebenpfeiffer-Preis

1992 Umweltpreis "Goldene Schwalbe"

1994 Deutscher Solarpreis

1997 Europäischer Solarpreis

Das "Goldene Ö" der ÖDP

2000 Umweltpreis der Stadt LANDAU

2002 Umwelt-Online-Award

2003 Menschenrechtspreis „AWARD 2003“

2004 Umweltpreis der deutschen Wirtschaft

Deutscher Solarpreis für die „Sonnenseite“

2005 Der Steiger Award

Der Goldene Baum

 

Awards

Deutscher Solarpreis 2004

Mit mehr als 100.000 Besuchern pro Monat gehört die www.sonnenseite.com zu den populärsten Homepages im Bereich der Erneuerbaren Energien.

Deutscher Solarpreis 2004

 

Menschenrechtspreis "AWARD 2003"