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Frauen-Dezernentin Emmermann hatte zum 6. Runden Tisch Gewaltschutz eingeladen - Sexuelle Gewalt gegen Kinder aus dem Tabubereich holen

15.09.2006 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

„Das Thema sexuelle Gewalt

aus dem Tabubereich holen“

Die Dezernentin für Frauen und Familien, Sylke Emmermann,

hatte zum Runden Tisch Gewaltschutz eingeladen

VOGELSBERGKREIS ( ). Die Weiterentwicklung der Präventionsarbeit stand im Mittelpunkt intensiver Gespräche am „Runden Tisch Gewaltschutz“, zu dem Kreisbeigeordnete Sylke Emmermann, Dezernentin für Frauen und Familien, bereits zum sechsten Mal ins Lauterbacher Landratsamt eingeladen hatte. Die etwa 20-köpfige Runde aus den Bereichen Polizei, Sozialarbeit, Suchtberatung und Opferbetreuung (Weißer Ring) will die Öffentlichkeitsarbeit verstärken und begrüßte die sehr gute Zusammenarbeit unterschiedlichster Organisationen und Fachrichtungen im Interesse von Gewaltprävention und Opferbetreuung.

Die Experten leiteten aus einem beeindruckenden Vortrag von Horst W. Bichl, Leiter der Alsfelder Polizei, die dringende Notwendigkeit ab, noch mehr Öffentlichkeit für das bedrückende Thema sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen herzustellen. Kreisbeigeordnete Sylke Emmermann plant für das Frühjahr kommenden Jahres eine Podiumsdiskussion und eine Lesung mit der Autorin Ulrike M. Dierkes (Buch: „Schwestermutter – Ich bin ein Inzestkind“).

Die Rechte der Opfer und die Notwendigkeit ihrer Stärkung, möglichst bevor sie zum Opfer werden, standen im Mittelpunkt des Gedankenaustauschs im Lauterbacher Kreishaus. Eindringlich appellierte Horst Bichl an die Bürger: „Hinschauen hilft den Opfern und macht es den Tätern schwerer. Diesen Menschen muss das Handwerk gelegt werden!“ Die besondere Schwierigkeit bei der Strafverfolgung sei die Tatsache, dass die allermeisten dieser Fälle im häuslichen Umfeld geschehen. Es sei eben nicht der „schlimme Unhold, der hinter der Bushaltestelle lauert“, sondern vielmehr meistens nächste Angehörige, unterstrich Bichl.

Ein Geflecht aus Angst, Schwäche, Einschüchterung und Schweigen sowie eine extrem falsch verstandene Familienehre, bei der sich die Mütter oft nicht schützend vor ihre Töchter stellten, machten Ermittlung und Strafverfolgung sehr kompliziert. Trotz dieser Bedingungen appellierte Bichl: „Wenn wir nur eine Seele retten, hat sich unsere Mühe gelohnt!“ Zwei Dinge müssten laut gesagt werden: Es gibt schlimme Täter. Und: Es gibt wirklich Hilfen für Betroffene, in jedem Fall immer die Polizei, die auch anonymen Anzeigen intensiv nachgehe. Darüber hinaus sei die Zusammenarbeit bei der Prävention von Polizei und professioneller Sozialarbeit noch nie so gut gewesen wie heute. Es sei ganz wichtig, besonders beim Ermutigen und Aufklären die Multiplikatoren zu erreichen: Eltern, Lehrer, Kindergärten, Kinderärzte.

Wolfgang Weiser, Fachstelle für Suchtprävention, verwies auf die Erfahrung, dass ein selbstbewusstes Kind in seinem Leben weniger schnell weder zum Täter noch zum Opfer werde. Daher sei Prävention, Aufklärung und Stärkung der Persönlichkeit der Schlüssel zu einem langfristigen Erfolg im Kampf gegen die Gewalt an Kindern. Rechtsanwältin Daniela Elger betonte, bei den betroffenen Kindern und Frauen müsse die Botschaft ankommen, dass sie nicht allein gelassen werden, dass sie von vielen Seiten Unterstützung erhalten können. Dies bestätigten Fachleute des Jugendamtes, der Fachstelle für Frauen und Kinder in Not sowie Renate Loth vom Caritasverband.

Norbert Schwalm, Opferbetreuer beim Weißen Ring, berichtete von jährlich 10 bis 15 Fällen im Vogelsbergkreis, die allein er betreue. Die Dunkelziffer in diesem Bereich sei extrem hoch, was auch die Vertreter von Polizei und Jugendamt bestätigten. Die Verwerfungen in vielen Familien seien bedrückend, oft seit Generationen vorhanden und kämen in allen sozialen Schichten vor.

Bei der Umsetzung des Gewaltschutzgesetzes mache die Polizei gute Erfahrungen, berichtete Matthias Krönung von der Polizei in Lauterbach. Früher seien Anzeigen wegen Gewaltanwendungen oft von einer geprügelten Frau zurück gezogen worden. Nun sei die Polizei in der Lage und verpflichtet, weiter zu ermitteln und Regeln, z.B. Wegweisungen auszusprechen, weil ein eigener Offizialstraftatbestand entstanden sei.

Für Anfang Oktober kündigte Sylke Emmermann die Fortführung der Veranstaltungsreihe „Gewalt ist doof“ in Kindergärten und des Theaterstücks „Finger weg von Julia“ an, das dieses Jahr am 10. und 11. Oktober in Nieder-Ohmen und Freiensteinau gezeigt wird. Es hat zum Inhalt, schon bei Grundschulkindern die Fähigkeit zum Nein-Sagen zu schärfen und sie für bedrohliche Situationen sensibel und mutig zu machen.

Als Fazit der Veranstaltung unterstrichen Sylke Emmermann und die Beteiligten die Notwendigkeit des regelmäßigen Informationsaustauschs, um von Gewalt bedrohten oder betroffenen Frauen und Kindern wirkungsvoll zu helfen, zumal sich im Verhältnis von Tätern und Opfern der Vogelsbergkreis leider auch mit einer messbaren Zahl präsentiere.