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Erklärung von Sylke Emmernann, Gleichstellungsbeauftragte des Kreisausschusses, zum Internationalen Frauentag am 8. März

07.03.2006 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

Internationaler Frauentag am 8. März:

Emmermann fordert zum Weltfrauentag

bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Neuer Aufbruch in der Frauen- und Familienpolitik –

„Werden die Bedürfnisse wirklich wahrgenommen?“

VOGELSBERGKREIS ( ). Zum internationalen Frauentag am 8. März fordert die Gleichstellungsbeauftragte des Vogelsbergkreises, Sylke Emmermann, verstärkte Anstrengungen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Sie fragt: „Wie ehrlich werden die tatsächlichen Bedürfnisse von Frauen wahrgenommen?“

Die aktuelle politische Diskussion setze Themen wie Familienfreundlichkeit, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Elternzeit, d.h. mehr Verantwortung auch für die Väter, Elterngeld weit oben auf die Tagesordnung. Dabei könne der Eindruck entstehen, als wäre ein Politikfeld ganz neu erfunden worden.

Der überall zitierte demographische Wandel in unserer Gesellschaft verlange gerade eine sehr aktive Frauen- und Familienpolitik, um vielleicht gerade noch rechtzeitig eine Umkehr in der Gesellschaft im Hinblick auf Frauen- und Familienfreundlichkeit zu vollziehen.

Sylke Emmermann begrüßt diese Wandlung zwar im Hinblick auf eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und auf verbesserte Möglichkeiten auch der Kinderbetreuung von unter Dreijährigen und auch auf eine Verbesserung von tatsächlichen Karrierechancen von Frauen ohne den so häufig zwangsläufigen Karriereknick.

Einen Aspekt in dieser Debatte hält sie aber immer wieder für unterrepräsentiert.

„Wie ehrlich werden die tatsächlichen Bedürfnisse von Frauen wahrgenommen?“, fragt Emmermann. Und: „Gibt es die Wahlfreiheit überhaupt noch, sich zwischen Familie und Berufstätigkeit bewusst zu entscheiden?“

Die Spielräume würden immer enger und auch wenn eine Frau eine gute, qualifizierte, hochwertige Ausbildung durchlaufen habe, sich dann aber für Kinder entscheide und auch dafür diese Kinder gegebenenfalls für eine Reihe von Jahren bewusst erziehen zu wollen, d.h. einen bestimmten Zeitraum „ ein erfolgreiches kleines Familienunternehmen zu führen“ – so seien es dann oftmals nicht nur die karrierehindernden Bedingungen, die Frauen von diesem Schritt abhalten. Es seien ganz einfach wirtschaftliche Überlegungen in unsicheren Zeiten – „ wie ohne das zweite Einkommen auszukommen sei.

Sylke Emmermann werfe diese Frage anlässlich des diesjährigen internationalen Frauentages einmal bewusst auf, denn alle anderen Themenbereiche wie nämlich die angesprochene Selbstdefinition von Frauen über den Beruf – über ein ausreichendes Erwerbseinkommen – über eine Benachteilung von immerhin noch über 20 % im Bereich der Einkommensstruktur von Frauen wird überall mehr denn je angesprochen.

Aber es sei unerlässlich, sich auch fernab von allen politischen Großdiskussionen über Bedürfnisse und vor allem auch über Belastungen von Frauen in unserer Zeit Gedanken zu machen. Diese Belastungen und die von der Gesellschaft gesetzten Maßstäbe und Ansprüche würden immer größer.

Da können Angebote für eine bessere Verknüpfung von Familien- und Erwerbsarbeit, die von beiden Partnern gleichermaßen wahrgenommen werden natürlich helfen aber ob dadurch in kurzer Zeit in den allermeisten Fällen auch ein verändertes Rollenverständnis geschaffen werde, bleibe abzuwarten und dauere auch sicher noch eine Generation – zarte Pflänzchen müssten hier aber entsprechend gepflegt werden.

Die Themenbereiche seien überaus komplex und es ist auch in diesem Jahr noch nicht gelungen für alle gleichermaßen akzeptable Lösungen oder gar Rahmenbedingungen zu schaffen. Es seien die Frauen, die vor einem nahezu nicht leistbaren Spagat stehen. Der Leistungsdruck mache vielen sehr zu schaffen. Dies sei auch eine Erkenntnis aus der täglichen Frauenarbeit im Vogelsbergkreis.

Von Frauen werde eben alles erwartet – das ist vielleicht die Mutterrolle – die Rolle der ewig jungen immer lächelnden belastbaren, chicen, schlanken, attraktiven – rundum gebildeten Frau, die allen von den Medien vorgegebenen Maßstäben gerecht werden solle – und wenn dann etwas nicht mehr passt sich auch immer wieder einem Druck aussetzt – so umfassend, wie es Männer eben nicht tun – und gemäß einem Anspruch den die Gesellschaft die Medien so auch nicht an Männer stellt. Frau bleibt dabei allzu oft auf der Strecke.

Der 8. März sei ein Tag, auch an diese Phänomene der dauerhaften Überforderung von Frauen zu denken und zu erinnern und auch einmal ein gesundes Maß an Erwartungen in dieser Gesellschaft einzufordern, so Sylke Emmermann – denn sonst werde es auf Dauer auch nichts mehr mit einer Familien- und Kinderfreundlichkeit mehr, wenn Frauen einfach keine Wahl mehr haben dürften.