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Sylke Emmermann: Sich als Analphabet zu outen - dazu gehört eine Menge Mut - Gleichstellungsbeauftragte besuchte Kurs von VHS und Caritas

16.02.2006 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

Emmermann: „Da gehört eine Menge Mut dazu“

VHS, Caritasverband und Gleichstellungsbeauftragte

kooperieren bei Alphabetisierungskurs

VOGELSBERGKREIS ( ). „Da gehört wirklich eine Menge Mut dazu – sich zunächst zu „outen“ und dann die Kraft aufzubringen, in einem Kurs als Erwachsener Lesen und Schreiben zu lernen.“ Tief beeindruckt zeigt sich Kreisbeigeordnete Sylke Emmermann nach dem Besuch eines Alphabetisierungskurses, der in Kooperation von VHS, Caritasverband und der Gleichstellungsbeauftragten des Kreises gegenwärtig in Lauterbach durchgeführt wird.

Schreib- und Leseschwäche gehöre auch zur Wirklichkeit vieler Menschen im Vogelsbergkreis. Immer wieder sei die Kommunale Vermittlungsagentur in der Kreisverwaltung damit konfrontiert, dass als sogenanntes Vermittlungshemmnis genau diese Schreib- und Leseschwäche zu bewältigen sei. Weitere Frauen meldeten sich in der Frauenberatungsstelle, bei Wohlfahrtsverbänden oder der VHS und wünschten sich aktive Lernhilfe.

Emmermann sieht es als gesellschaftspolitische Notwendigkeit an, diesen Frauen aktiv zu helfen. Gerade Frauen müsse geholfen werden, den Schritt aus der Anonymität zu gehen und ihre Lebenssituation mit diesem Schritt aktiv zu verändern. Deshalb sei mit Hilfe von VHS, Caritasverband und der Gleichstellungsbeauftragen ein Alphabetisierungskurs zustande gekommen. Der Verbund habe sich zum Ziel gesetzt, aktive Hilfe lebensnah und praxisorientiert zu gewähren.

Sylke Emmermann, VHS-Fachbereichsleiterin Monika Schenker und Elena Renker vom Caritasverband besuchten kürzlich Kursleiterin Tilla Lotz, die ihre acht Teilnehmerinnen in den Räumen der Caritas in Lauterbach unterrichtet. Dabei gewann die Gleichstellungsbeauftragte „interessante Erkenntnisse im Hinblick auf die Lebensläufe“ der Frauen, die sich im mittlerweile nicht mehr ganz „jungen“ Alter einer auch nicht einfachen Schulungsmaßnahme unterziehen. Da sei einerseits die Scham über die Lernschwäche zu überwinden und andererseits auch viel Fleiß vonnöten.

Ganz unterschiedliche Lebensläufe seien es, die dazu führen, im Erwachsenenalter „Analphabet“ zu sein. Da gebe es beispielsweise die Geschichte, dass man als Schulkind für den Haushalt und die anderen Geschwister sorgen musste und somit der Weg zur Schule allzu oft verwehrt blieb - oder die Eltern waren Schiffer und eine kontinuierliche Schulbildung durch ständig wechselnde Standorte war nicht möglich –, sehr frühe Schwangerschaften beendeten die Schulbildung vorzeitig. Gerade in unserer Mediengesellschaft findet durch das Defizit an Grundkenntnissen in Wort und Schrift eine enorme Ausgrenzung statt.

Damit diese Lebenswege nicht in eine Sackgasse führen, sei es notwendig, gezielt gesellschaftliche Gruppen anzusprechen und Angebote zu eröffnen, die Weiterbildungsmaßnahmen für die unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen ermöglichen.

Ein solches Angebot im Vogelsbergkreis stelle der Alphabetisierungskurs dar.

In diesem Fall sind es Frauen aus sozial schwachem Umfeld, die sich ihrem Schicksal nicht beugen wollen, sondern tatkräftig an ihrer Zukunftsgestaltung in Form von Weiterbildung und Bildung mitwirken. Daraus erwachse dann nicht nur eine Stärkung der eigenen Persönlichkeit, sondern auch mittel- bzw. langfristig die Hoffnung auf eine vergütete Beschäftigungsmöglichkeit in einem gesellschaftlichen Gefüge der Toleranz und Anerkennung.