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Gesundheitsamt warnt vor Zecken - Vereisen statt Rausziehen

16.09.2005 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

Gesundheitsamt warnt: Zeckengefahr

beim Pilzsammeln

Die Spinnentiere sind im Herbst besonders aktiv – Zeckenentfernung: Falsche Instrumente vergrößern Borreliosegefahr

VOGELSBERGKREIS ( ). Viele Pilzsammler unterschätzen jetzt das Risiko, von Zecken gestochen zu werden. Darauf macht die Leiterin des Kreisgesundheitsamtes, Dr. Hildegard Schulte, in einer Pressemitteilung aufmerksam. Laut Deutschem Grünen Kreuz e.V. (DGK) sind die Blutsauger nach einer etwas geringeren Aktivität im August ausgerechnet im Herbst wieder besonders aktiv. Den Grund erklärt Professor Dr. Heinz Mehlhorn, Parasitologe an der Heinrich-Heine Universität in Düsseldorf so: „Im Herbst legen sich Zecken noch mal auf die Lauer. Sie wollen jetzt eine ausgiebige Blutmahlzeit finden, um dann gut überwintern zu können“.

Dabei beschert der scheidende Sommer besondere Freuden: Die Pilze sprießen in diesem Jahr dank der feuchten Witterung der vergangenen Wochen besonders üppig. Zecken finden sich laut Mehlhorn vor allem an Waldrändern und in niedriger Vegetation – Pilzsammler kommen daher besonders leicht mit den Tieren in „Hautkontakt“. Erst ab November ist die Gefahr gebannt.

Zeckenstiche können böse Folgen haben. Vor allem in Süddeutschland können Zecken die Erreger der Hirnhautentzündung (FSME) übertragen. Bis zu drei Prozent der Zecken in den Endemiegebieten tragen den FSME-Virus in sich. Die ebenfalls durch Zecken übertragene Borreliose kann man sich überall in Deutschland „einfangen“. Es gibt Regionen, in denen fast die Hälfte der dort vorkommenden Zecken mit Borrelien infiziert sind! Unbehandelt kann Borreliose zu schweren Gelenkentzündungen und neurologischen Veränderungen führen.

Vor allem Pilzsucher, aber auch Jogger und Wanderer sollten sich daher wappnen. „In die Pilze“ geht man am besten mit langen Hosen und festem, geschlossenen Schuhwerk. Zudem ist es ratsam, die Beine mit einem wirksamen Zeckenabwehrmittel einzureiben. Wieder zu Hause, sollte, noch bevor die Pilze geputzt werden, der Köper auf die Parasiten hin abgesucht und die Kleidung ausgeschüttelt werden. Naturliebhaber in den Verbreitungsgebieten der FSME sollten sich gegen FSME impfen lassen. Gegen Borreliose gibt es keine Impfung.

Was tun, wenn trotz der Vorsichtsmaßnahmen ein Holzbock zugestochen hat? Die Zecke muss richtig und möglichst schnell entfernt werden. Experten warnen davor, damit bis zum nächsten Tag zu warten, wenn der Arzt wieder Sprechstunde hat. Denn je länger die Zecke saugt, desto höher ist das Risiko, an einer Borreliose zu erkranken.

Beim Herausziehen muss ein Quetschen auf jeden Fall verhindert werden. Borrelien reichern sich im Darm der Zecke an. Werden die Tiere beim Entfernen gequetscht, wird der Darminhalt samt Bakterien in den Stichkanal injiziert. Die Borreliose Selbsthilfegruppe Kassel e. V. rät daher auf ihren Internetseiten vor den üblichen „Zeckenzangen“ ab. Die Zangenbacken seien so dick, dass ein Ziehen ohne Quetschen gar nicht möglich sei. Etwa 80 Prozent der Infektionen erfolgten durch unsachgemäße Behandlung. Der Borreliose Bund Deutschland e.V. empfiehlt bei kleinen Zecken das Auftropfen eines Kältesprays, um die Zecke zu vereisen. Eine geeignetere Methode, Zecken zu ziehen und gleichzeitig die Übertragung von Borrelien zu minimieren, bietet ein neues Gerät (Tickner) aus der Apotheke, das die Plagegeister sekundenschnell vereist und dann automatisch herauszieht. Das Quetschen wird somit auf jeden Fall verhindert.

Jede Stichstelle sollte noch mehrere Wochen auf erste Symptome einer Borreliose (eine sich ausbreitende Hautrötung um die Einstichstelle herum = Wanderröte) hin beobachtet werden. Auch Gelenk- und Kopfschmerzen sowie Abgeschlagenheit können auf eine Borreliose hinweisen.